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DeichBlick-Kolumne: Andreas Herzog schreibt für die DeichStube

„Marco Friedl ist nicht David Alaba“

Von Andreas Herzog. Als Österreicher freue ich mich natürlich ganz besonders, dass mein Landsmann Marco Friedl so gut bei Werder zurechtkommt.

Er macht das auf der linken Seite wirklich stark. Aber bitte: Friedl ist nicht Alaba. Niemand sollte ihn schon jetzt mit dem Bayern-Star vergleichen und erwarten, dass er auch so ein Ausnahmespieler wie David Alaba wird. Das sind noch völlig verschiedene Welten.

Friedl ist nicht Alaba, aber auf einem guten Weg. Er wurde von den Bayern bestens ausgebildet. Die Ausleihe für eineinhalb Jahre nach Bremen macht absolut Sinn, wenngleich die Konkurrenz dort auch nicht ohne ist. Ludwig Augustinsson ist auf der linken Seite sehr stark. An ihm wird Friedl erst mal nicht vorbeikommen. Umso wichtiger ist es, so ein verletzungsbedingtes Fehlen des Kollegen wie in Hannover für sich zu nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen. Wer weiß schon, was nächste Saison ist? Augustinsson spielt schließlich bei der WM.

Das gilt auch für Thomas Delaney. Wenn du weiter sportlichen Erfolg haben willst, musst du ihn eigentlich behalten. Andererseits wird das finanziell kaum möglich sein, wenn die Clubs aus der Premier League ernst machen.

Werder braucht noch mehr Schachzüge

Werder war schon immer ein gutes Sprungbrett. Und Klaus Allofs hatte einst dieses Fingerspitzengefühl, in solchen Momenten schon einen Ersatz in der Hinterhand zu haben. Bei mir war das zum Beispiel Krisztian Lisztes, dann kam Johan Micoud, danach Diego und schließlich auch noch Mesut Özil. Diese besondere Kunst ist Klaus leider etwas verloren gegangen – und bei Werder ging es dann bergab.

Frank Baumann hat schon angedeutet, dass er ein ähnliches Gespür besitzt. Die Verpflichtung von Delaney war klasse. Bevor andere Clubs zuschlagen konnten, hatte Frank schon alles eingetütet. Von diesen Schachzügen braucht Werder noch mehr. Dann könnte ein Delaney-Verkauf sogar zur ganz großen Chance werden. So, wie ich Werder kenne, wird das ganze Geld nicht in einen Topspieler gesteckt, sondern in zwei, drei Talente. Und das ist gut so, denn diese sind meistens noch richtig hungrig, wollen sich entwickeln. Da ist Bremen ein sehr gutes Pflaster.

Das liegt auch an Trainer Florian Kohfeldt. Er hat Werder gerettet und die Mannschaft in kürzester Zeit weiterentwickelt. Die Vertragsverlängerung ist total nachvollziehbar, die Laufzeit mit drei Jahren ein enormer Vertrauensbeweis. Der Club demonstriert damit: Wir kennen den Trainer so gut und werden deshalb auch in schwierigen Phasen hinter ihm stehen. Da lässt sich niemand von ein, zwei schwächeren Monaten blenden. Das ist gut so – und heutzutage alles andere als üblich.

Von Europa muss jetzt keiner mehr träumen

Schade, dass Werder in Hannover verloren hat. Ich war mir eigentlich sicher, dass Werder nach dem sicheren Klassenerhalt nun auch noch die nötige Lockerheit für weitere Siege hat. Von Europa muss jetzt keiner mehr träumen. Obwohl: Mit einem Sieg gegen Leipzig könnte sich das schon wieder ändern. Und Werder hat durchaus eine gute Chance. Leipzig muss gerade ein Mammutprogramm absolvieren – und wird am Sonntag das Europa-League-Spiel drei Tage zuvor noch in den Knochen haben.

So etwas schütteln nur die Bayern ab. Aber die spielen ja eh in einer ganz anderen Liga. Sechs Meisterschaften in Folge – das ist der Wahnsinn! Das ist aber auch peinlich für die anderen Mannschaften. Bei aller Wertschätzung für die super Arbeit von Jupp Heynckes: Für die Bundesliga ist das nicht gut, sie wird dadurch immer langweiliger. Aber ich weiß wirklich nicht, wie sich das noch mal ändern soll.

Andreas Herzog

Andreas Herzog (49) bestritt zwischen 1992 und 1995 sowie von 1996 bis 2001 236 Bundesliga-Partien für Werder Bremen. Für Österreich lief er in 103 Länderspielen auf Von 2005 bis 2009 war er Co-Trainer der österreichischen Nationalmannschaft, danach bis 2011 Chefcoach der U21-Auswahl. Von 2011 bis 2016 arbeitete Herzog als Co-Trainer von Jürgen Klinsmann bei der Nationalmannschaft der USA. 2015 bis 2016 betreute er zudem alleinverantwortlich die U23-Auswahl in der Olympia-Qualifikation.

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