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DeichBlick-Kolumne: Rolf „Rollo“ Fuhrmann schreibt für die DeichStube

„Das ganze Elend des Videobeweises in einer Szene - Highlight für Satiriker“

Von Rolf Fuhrmann. Montagsspiele in der ersten Bundesliga, fünf Mal in der Saison zur zeitlichen Entlastung der Europa-League-Teilnehmer – was das letzte Spiel zwischen Mainz und Freiburg mit Europa zu tun hat, frage ich mich allerdings heute noch.

Na gut, Schwamm drüber. Wen interessiert schon, was er eh nicht gucken kann? Alles nur für die zu sehen, die ein Eurosport-Player-Abo gebucht oder Zeit und Lust haben, ins Stadion zu gehen.

Ich habe mir den Eurosport-Player ja gegönnt – aus beruflichem Interesse und weil es durchaus wichtige Spiele am Freitagabend gab. Wer aber hätte das gedacht, dass gerade die so ungeliebten Montagsspiele mit Fanboykott und Hasstiraden in den sozialen Medien beste Unterhaltung bieten: Trillerpfeifen, unzählige Tennisbälle und Klopapierrollen, scheinbar grenzenlose Fantasie der Ultras, minutenlange Unterbrechungen des Spielbetriebs.

Tribünenshow als Side-Event, und Twitter explodierte förmlich jedes Mal. Ein gefundenes Fressen für Spaßmacher und Satiriker. Lustig machen zur Primetime. Nur schade, dass so etwas nicht im Free-TV zu sehen ist – eine großartige Alternative zum spaßbefreiten „Hart aber fair“. 

Ein historischer Moment bei Mainz gegen Freiburg

Dass das alles aber noch getoppt werden könnte, hätte ich niemals gedacht. Der Abstiegskrimi zwischen Mainz und Freiburg versprach Spannung, insbesondere auch für den HSV und den 1. FC Köln. Würden die beiden noch eine Chance auf den Relegationsplatz haben? Aber das Geschehen auf dem Rasen plätscherte mehr als mäßig dahin bis zum Halbzeitpfiff. Keine Werbung für den Fußball.

Das kann wirklich weg – glaubte ich. Die Spieler auf dem Weg in die Kabine. Und ich vom Sofa hoch zum Kühlschrank. Zeit für Werbung. Nix da! Schiedsrichter Guido Winkmann verharrte an der Seitenlinie mit der Hand am Ohr. Was war los? Bibiana Steinhaus als Videoassistentin in Köln hatte scheinbar was entdeckt.

Zurecht wie sich herausstellte. Handspiel eines Freiburgers im Strafraum. Winkmann entschied auf Elfmeter und beorderte die Spieler aus der Kabine zurück aufs Feld. Ein historischer Moment! Der erste Strafstoß in der Halbzeitpause! Ich fassungslos vor dem Fernseher. Die Fans im Stadion wohl auch und dazu ahnungslos. Woher sollten sie auch wissen, was da abging?

Das ganze Elend des Videobeweises in einer Szene. Die Regelmacher wollten den Fußball gerechter machen und führen ihn letztlich ad absurdum! Sie zerstören Emotionen, sind nicht da, wenn sie eigentlich gebraucht werden, entscheiden nach Gutdünken und von Fall zu Fall anders, manchmal gar nicht. Den Fußball macht es kaputt, die Satiriker high.

Weg mit den Montagsspielen und dem Videobeweis!

Ich jedenfalls habe mich köstlich amüsiert über das, was da im Netz im Sekundentakt getwittert und gepostet wurde. Leider hier nur eine kleine Auswahl: „Schalke ist doch 2001 Meister geworden. Schiedsrichter Merk hat sich geirrt. Es ist doch kein indirekter Freistoß gewesen.“ Oder: „Der HSV bekommt jetzt doch noch einen Elfmeter aus dem Spiel gegen Hannover 96 zugesprochen. Die DFL hat entschieden, den Strafstoß am Donnerstag im Volkspark ausführen zu lassen.“ Oder: „Eines Tages meldet sich der Videoassistent mitten in der Nacht, wenn gar kein Fußballspiel läuft, und weckt uns alle auf.“

Mein Kopf sagt: Weg mit den Montagsspielen und dem Videobeweis! Mein Bauch kann es kaum abwarten: Das, was noch kommen könnte. Ich liebe Highlights, ich liebe Satire – erst recht am Montagabend. Nur gut, dass Werder gegen Stuttgart an einem Samstag spielt.

Rolf „Rollo“ Fuhrmann.

Zur Person: Rolf „Rollo“ Fuhrmann (68) hat 25 Jahre lang für Sky (früher Premiere) über die Bundesliga berichtet. Seit dieser Saison ist Schluss, der Kult-Reporter ist in Rente gegangen. Für die DeichStube schreibt Fuhrmann nun regelmäßig über Werder und das aktuelle Bundesliga-Geschehen.

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