+
Ex-Werder-Keeper Jaroslav Drobny (re.) und Bremens aktuelle Nummer 1 Jiri Pavlenka.

Ex-Werder-Keeper

Deshalb ist Drobny gegangen: „Pavlas braucht mich nicht mehr“

Bremen – Vier Gegentore – es ist ziemlich sicher, dass Jaroslav Drobny sein Comeback zwischen den Pfosten nicht als schönstes Erlebnis seines Lebens abspeichern wird.

Im DFB-Pokal-Achtelfinale zwischen Schalke 04 und Fortuna Düsseldorf stand der 39 Jahre alte Torwart am Mittwochabend erstmals seit etwas mehr als zwei Jahren wieder in einem Pflichtspiel zwischen den Pfosten und kassierte mit der Fortuna eine 1:4-Pleite. Nicht gut gelaufen, aber immerhin hat Drobny zeigen können: Hey, mich gibt’s noch! In einem Interview mit dem tschechischen Fußball-Portal „gol.cz“ hatte sich der sonst gegenüber Medien sehr verschlossene Profi bereits vor dem Spiel über seinen Wechsel von Werder Bremen nach Düsseldorf im Januar sowie über seine Zukunft geäußert.

Schon gelesen? Willi Lemke zum Tod von Rudi Assauer

Mission erfüllt

Dass Drobny gegangen ist, hat vor allem mit einem zu tun: mit Jiri Pavlanka, der Nummer eins in Bremer Tor. Aber nichts Falsches denken: Zwischen den beiden Tschechen hat es keinen Krach und auch kein Gerangel um den Status gegeben. Die Rollen waren von Anfang an klar verteilt: Pavlenka spielt, Drobny übernimmt die Rolle des Mentors, des Integrationsbeauftragten. 

Aber diese Mission schien ihm erfüllt, erklärte Drobny nun: „Als er (Pavlenka) von Slavia Prag nach Bremen kam, musste ich ihm alles zeigen, damit er sich so schnell wie möglich eingewöhnt. Aber jetzt braucht er mich nicht mehr.“ Pavlenka ist längst angekommen in der Bundesliga, und Drobny traut dem Nationalkeeper auch den Sprung zu einem größeren Club als Werder Bremen zu. „Pavlas“ sei „eine Stütze der Mannschaft“, der auch in einem „Spitzenverein der Bundesliga oder der Premier League“ spielen könne.

Jaroslav Drobny: Seine Karriere in Bildern

Jaroslav Drobny
Jaroslav Drobny wechselte 1999 vom tschechischen MFK Vitkovice zum SK Dynamo Ceske Budejovice. Dort spielte er zwei Jahre lang, bevor er in Griechenland bei Panionios Athen unterschrieb. © imago
Jaroslav Drobny
2005 ging es für den Tschechen weiter nach England, zum FC Fulham.  © imago
Jaroslav Drobny
Weil er dort keine Einsätze bekam, wurde Drobny nach nur einem halben Jahr wieder verliehen. Die Reise ging in die Niederlande zu ADO Den Haag, wo er Stammtorhüter wurde. © imago
Jaroslav Drobny
Nach seiner Rückkehr zu Fulham 2006 verließ er den Club und war im Herbst für einen Monat bei Ipswich Town, allerdings ohne Einsatz. Im Januar 2007 unterschrieb er beim VfL Bochum und war in der Rückrunde dort gesetzt. © imago
Zur Saison 2007/08 sicherte sich Hertha BSC die Dienste des Keepers. 2010 wechselte Drobny zum Hamburger SV. Stammtorhüter war er dort nur in den Spielzeiten 2011/12 und 2014/15, er blieb dem HSV aber sechs Jahre lang treu.
Zur Saison 2007/08 sicherte sich Hertha BSC die Dienste des Keepers. 2010 wechselte Drobny zum Hamburger SV. Stammtorhüter war er dort nur in den Spielzeiten 2011/12 und 2014/15, er blieb dem HSV aber sechs Jahre lang treu. © imago
Jaroslav Drobny
Werder verpflichtete den damals 36-Jährigen im Sommer 2016 als zweiten Torhüter. © Gumz
Jaroslav Drobny
In der Hinrunde 2016 stand er in zehn Ligaspielen zwischen den Pfosten, wurde aber von einem Handgelenksbruch ausgebremst.  © Gumz
Jaroslav Drobny
Den Werder-Fans bleibt er vor allem durch seine Notbremse im Spiel gegen Borussia Dortmund in Erinnerung, die Grün-Weißen verloren trotzdem 1:2.  © Gumz
Jaroslav Drobny
Für die tschechische Nationalmannschaft stand er zwischen 2009 und 2013 in sieben Freundschaftsspielen auf dem Platz, wurde letztmals im Frühjahr 2017 nominiert.  © imago

Drobnys Zukunft als Fußballer ist mit beinahe 40 Jahren überschaubar. Für ein halbes Jahr hat er bei der Fortuna unterschrieben. Was danach passiert, ist noch völlig offen. Er habe verschiedene Möglichkeiten, sagt der siebenfache tschechische Nationalspieler. Eine Fortsetzung der Karriere bei der Fortuna, falls die den Klassenerhalt schaffen sollte? „Oder ich starte bei Werder mit der Ausbildung von Torhütern. Aber dort sind alle Plätze besetzt“, erklärt Drobny und spricht selbst von einem „Dilemma“, das nach der Saison auf ihn warte. Doch so schlimm kann das Dilemma nicht sein. Denn auch der Hamburger SV, ein weiterer Ex-Verein, habe schon Hinweise gesendet, mit ihm arbeiten zu wollen.

Schon gelesen? Oelschlägels Debüt zwischen Traum und Trost

Raphael Wolf stellte Erstkontakt her

Noch ist Jaroslav Drobny aber Fußballer durch und durch – was auch der Wechsel nach Düsseldorf beweist. Wie es dazu gekommen ist, ist einigermaßen kurios. Ausgerechnet Raphael Wolf, ehemals Stammkeeper beim SV Werder und aktuell verletzter Fortuna-Torwart, hatte im Januar während des Bremer Trainingslagers in Südafrika den Erstkontakt hergestellt. Es folgten Gespräche mit den Verantwortlichen, Werder sicherte ihm völlige Entscheidungsfreiheit zu und letztlich gaben die Faktoren Ehrgeiz und Freundschaft den Ausschlag: Zum einen habe Trainer Friedhelm Funkel, unter dem Drobny schon bei Hertha BSC zusammengearbeitet hatte, „eine wichtige Rolle“ gespielt. Zum anderen habe er bei der Fortuna „eine realistische Chance gesehen, ins Tor zu kommen und sogar einige Spiele zu machen“, erklärt Drobny. Nun hat er im DFB-Pokal tatsächlich gespielt, in der Bundesliga bleibt der Routinier aber der Ersatzmann von Michael Rensing.

Schon gelesen? Zetterer wechselt nach Klagenfurt

Jiri Pavlenka: Seine Karriere in Bildern

Der tschechische Nationaltorhüter Jiri Pavlenka steht seit Beginn der Saison 201772018 im Tor des SVW und ist die unumstrittene Nummer 1.
Der tschechische Nationaltorhüter Jiri Pavlenka steht seit Beginn der Saison 2017/2018 im Tor des SVW und ist die unumstrittene Nummer 1. © gumzmed ia
Jiri Pavlenka
Jiri Pavlenka spielte zuerst beim FC Hlucin in den Jugendmannschaften, wechselte dann in die Jugend des FC Banik Ostrau. Ab 2011 war er dort bei den Profis, wurde zunächst aber wieder für ein Jahr an den FC Hlucin verliehen. Nach seiner Rückkehr wurde er ab der Saison 2013/14 Stammtorhüter bei Ostrau.  © imago
Jiri Pavlenka
Im Januar 2016 verpflichtete der SK Slavia Prag den tschechischen Keeper. © imago
Jiri Pavlenka
Pavlenka holte mit Prag in der Saison 2016/17 die tschechische Meisterschaft und nahm an der Europa-League-Qualifikation teil.  © imago
Jiri Pavlenka
Zur Saison 2017/18 kam Jiri Pavlenka für drei Millionen Euro an die Weser... © Gumz
Jiri Pavlenka
...und ersetzte den früheren Stammkeeper Felix Wiedwald.  © Gumz
Jiri Pavlenka
Zu Beginn der Saison 2017/18 stand er in allen Partien zwischen den Pfosten.  © imago
Bei den Bremer Fans machte er sich schnell durch gute Leistungen beliebt. 
Bei den Bremer Fans machte er sich schnell durch gute Leistungen beliebt.  © imago
Mit Glanzparaden verhinderte der Keeper dabei, wie hier gegen Freiburg, meist Schlimmeres.
Mit Glanzparaden verhinderte der Keeper dabei, wie hier gegen Borussia Mönchengladbach, meist Schlimmeres. © gumzmedia
Jiri Pavlenka
Seine Heimat Tschechien durfte Pavlenka in vier Spielen der U21-Nationalmannschaft vertreten, seit November 2016 steht er auch im Kader der A-Nationalmannschaft. © imago
Durch viele starke Paraden ist Jiri Pavlenka zu einem der besten Keeper der Liga geworden.
Durch viele starke Paraden ist Jiri Pavlenka zu einem der besten Keeper der Liga geworden. © gumzmedia
Die tschechische „Krake“, wie er in Bremen liebevoll genannt wird, wird von den DeichStube-Lesern zum „Spieler der Saison 2017/2018“ gewählt.
Die tschechische „Krake“, wie er in Bremen liebevoll genannt wird, wird von den DeichStube-Lesern zum „Spieler der Saison 2017/2018“ gewählt. © gumzmedia
Bei Werders Pokal-Coup im Februar 2019 in Dortmund spielte Jiri Pavlenka eine Hauptrolle: er hielt im Elfmeterschießen zwei Schüsse der Dortmunder und avancierte dadurch zum Pokalhelden.
Bei Werders Pokal-Coup im Februar 2019 in Dortmund spielte Jiri Pavlenka eine Hauptrolle: er hielt im Elfmeterschießen zwei Schüsse der Dortmunder und avancierte dadurch zum Pokalhelden. © gumzmedia

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Was denkst Du über den Artikel?

Kommentare