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Ist die Mannschaft bereit für den Saisonstart?

„Wir sind bereit“, sagt Nouri – aber bei Werder hakt es noch an einigen Stellen

Startklar oder Fehlstart-Gefahr?

Bremen - Um 15.00 Uhr war am Freitag Schluss. Ende des letzten Trainings vor dem DFB-Pokalspiel gegen die Würzburger Kickers (Samstag, 20.45 Uhr in Offenbach), Ende der Saisonvorbereitung.

41 Tage lang hat Trainer Alexander Nouri die Mannschaft des SV Werder Bremen auf das erste Pflichtspiel der neuen Spielzeit vorbereitet. Er hat dabei die Verletzungen von Niklas Moisander und Zlatko Junuzovic verkraften und die vier Neuzugänge Ludwig Augustinsson, Jerome Gondorf, Torwart Jiri Pavlenka sowie Stürmer-Exot Yuning Zhang integrieren müssen. Und nun gilt’s gegen Drittligist Würzburg. 

„Wir sind bereit“, sagt Nouri – aber stimmt das auch? Ein Streifzug durch die Mannschaftsteile zeigt, dass Werder Bremen 2017/18 noch kein fertiges Konstrukt ist und dass es an einzelnen Stellen noch deutlich hakt.

Tor

Aussagen über Jiri Pavlenka, den neuen Mann im Bremer Kasten, hat es viele gegeben – es waren in der Hauptsache Vorschusslorbeeren (vom Verein) und Zweifel (von Medien und Fans). Der Torwart, mit dessen Verpflichtung der Club den Abgang von Felix Wiedwald forciert hatte, zeigte in den Tests nicht immer das, was sich die Bremer von ihm versprochen hatten. Weshalb auch in den Worten von Alexander Nouri ein gewisser Verlust an Überzeugung zu erkennen ist. „Wir sind sicher, dass er uns besser macht“, hatte der Coach zum Start der Saisonvorbereitung gesagt. 

Vor wenigen Tagen antwortete er im Interview mit der DeichStube jedoch deutlich defensiver auf die Frage, ob Pavlenka gegenüber Wiedwald eine Verbesserung darstelle: „Das wird die Saison zeigen.“

Werder-Torwart Jiri Pavlenka im Testspiel gegen den FC St. Pauli

Abwehr

Es ist ja nicht so, dass in der vergangenen Saison ein luxuriöses Angebot an Abwehrspielern bestanden hätte – speziell nicht an Innenverteidigern. Dieses Problem wollte Sportchef Frank Baumann frühzeitig lösen. Es ist ihm nicht gelungen.

Stattdessen hat sich die Situation durch den Ausfall von Niklas Moisander (Muskelverletzung, Pause bis Mitte oder Ende Oktober) noch deutlich verschärft. Und obwohl Moisander schon im ersten Testspiel gegen Ajax Amsterdam vom Pech getroffen wurde, hat die Zeit nicht gereicht, Ersatz zu beschaffen.

So experimentierte Coach Nouri also auch noch bei der Generalprobe gegen den FC Valencia mit der personellen Besetzung der Dreierkette. Außenverteidiger Robert Bauer rutschte auf den rechten Posten, Milos Veljkovic auf den linken – vielleicht ist es eine gute Idee. Nouri deutete sogar an, dass sie die dauerhafte Antwort auf das Moisander-Problem sein könnte. Aber die Tatsache, dass noch spät in der Vorbereitung an der Dreierkette herumgedoktort wurde, ist insgesamt kein gutes Zeichen. Es beweist, dass Alexander Nouri bis dato keine wirklich überzeugende Konstellation gefunden hat.

Klare Verhältnisse herrschen bei den Außenspielern. Beim ständigen Wechsel zwischen 3-5-2 im Vorwärts- und 5-3-2 im Rückwärtsgang ist Neuzugang Ludwig Augustinsson auf der linken Flanke eine Bereicherung. Rechts darf sich Dauerbrenner Theodor Gebre Selassie sicher fühlen, solange Robert Bauer in der Dreierkette benötigt wird.

Ludwig Augustinnsson im Testspiel Werder Bremen vs. FC Valencia

Mittelfeld

Prominenter Ausfall auch hier: Kapitän Zlatko Junuzovic kämpft mit Achillessehnenproblemen. Das kann dauern. Wie lange? Niemand mag es derzeit prognostizieren. 

Das Minus an Qualität, das die Wechsel von Serge Gnabry (via FC Bayern zu 1899 Hoffenheim) und Florian Grillitsch (1899 Hoffenheim) hinterlassen haben, ist durch Junuzovics Auszeit noch größer geworden. Aber das Mittelfeld bietet ausreichend Personal, in dem wiederum genügend Fantasie steckt.

Thomas Delaney als gesetzte Größe, Florian Kainz als Hoffnungsträger, Jerome Gondorf als Allzweckwaffe sowie Maximilian Eggestein und Philipp Bargfrede als Duellanten auf der Sechser-Position – es ist absolut okay, was die Bremer im Zentrum und auf den Halbpositionen zu bieten haben. Das Defensivverhalten stimmt, mitunter läuft der Ball auch gefällig durch die eigenen Reihen. Allerdings darf dabei das Tempo noch gesteigert werden.

Thomas Delaney im Testspiel Werder Bremen vs. FC Valencia

Angriff

Von Max Kruse lässt sich ebenfalls nicht behaupten, dass er schon die volle Betriebstemperatur erreicht hätte. Doch das heißt bei ihm nichts. Ein Trainings- und Testspiel-Weltmeister wird er sowieso nicht mehr. Hauptsache, er ist im Ernstfall wieder voll da. Und das muss er sein – generell sowie besonders gegen die Würzburger Kickers. 

Sturmpartner Fin Bartels fehlt gesperrt, und an der vermutlichen Notbesetzung Florian Kainz offenbart sich das ganze Dilemma in der Offensive: Sie ist als Konsequenz der noch erfolglosen Stürmersuche qualitativ und quantitativ zu schwach besetzt. Ganz sicher gilt das für die Strecke von 34 Bundesliga-Spielen, hoffentlich aber nicht für den Auftakt gegen einen Drittligisten.

Max Kruse im Testspiel Werder Bremen vs. FC Valencia

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