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Werder Bremen von Trainer Florian Kohfeldt blühte gegen den passiven 1. FC Heidenheim im DFB-Pokal auf.

Nach 4:1-Sieg im DFB-Pokal

Taktik-Analyse: Heidenheim lädt Werder zum Kantersieg ein

Werder Bremen zeigte beim 4:1-Sieg gegen den 1. FC Heidenheim eine Fabel-Leistung. Waren die Bremer so stark? Oder der Gegner so schwach? Ein bisschen von beidem, meint unser Taktik-Kolumnist Tobias Escher. Er erklärt, warum Heidenheims Taktik den Bremern in die Karten spielte.

Auf dem Papier war der 1. FC Heidenheim kein Traumlos: Der Fünfte der Zweiten Liga besiegte in der vergangenen Pokal-Saison unter anderem Bayer Leverkusen und schied gegen Bayern München mit einer 4:5-Niederlage äußerst knapp aus. Ihr Trainer Frank Schmidt ist bekannt für seine Leidenschaft am Spielfeldrand. Diese Leidenschaft spiegelt sich in Heidenheims Fußball wider: Aggressiv stören sie den Gegner, in höchstem Tempo schalten sie um. Normalerweise. Gegen Werder Bremen war von diesen Stärken nichts zu erkennen. Dafür brillierte Werders Offensive.

Heidenheim begann das Spiel in einer 4-5-1-Formation. Schmidts Idee schien zu sein, das Zentrum kompakt zu halten: Die beiden Außenstürmer agierten recht zentral, ebenso rückte die Viererkette in die Mitte. Bremen sollte im Zentrum keine Räume erhalten zum Kombinieren. Dazu zog sich Heidenheim weit zurück. Werder durfte das Spiel aufbauen, Heidenheim wollte den Ball anschließend mit ihrer vielbeinigen Defensive im Zentrum erobern.

Werder Bremen nutzt Heidenheims passive Formation aus

Das verschaffte Bremens Innenverteidiger jede Menge Zeit am Ball. Zeit, die sie nutzten: Bremen legte sich von der ersten Minute an den Gegner zurecht. Coach Florian Kohfeldt stellte seine Elf in einer 4-3-3-Formation auf. Milot Rashica und Leonardo Bittencourt zogen als Außenstürmer weit ins Zentrum. Den Flügel besetzten die vorrückenden Außenverteidiger.

Das gewährleistete, dass Werder die passive Formation des Gegners perfekt auszunutzen wusste: Rashica und Bittencourt boten sich zwischen den gegnerischen Linien an. Zusammen mit Davy Klaassen und Maximilian Eggestein zwangen sie den Gegner dazu, sich noch enger im Zentrum zusammenzuziehen. Werders Innenverteidiger konnten ohne Druck das Spiel ins Zentrum eröffnen. Dort behauptete Bremen den Ball und verlagerte das Spiel anschließend auf die breit stehenden Außenverteidiger. Bremen gelangte so praktisch permanent hinter die gegnerische Abwehr.

Die Grafik zeigt die offensive Formation von Werder Bremen: Werder hatte viel Präsenz in den zentralen Zonen, konnte das Spiel über die aufrückenden Außenverteidiger immer wieder das Spiel auf die Flügel verlagern.

Werder Bremen entwickelt totale Dominanz gegen 1. FC Heidenheim

Selbst wenn Bremen den Ball im engen Zentrum verlor, konnte Heidenheim nicht kontern. Vor dem Ball hatten sie mit Stürmer David Otto meist nur eine Anspielstation. Vor allem aber setzte Werder nach einem Fehlpass sofort nach. Dadurch dass im Zentrum zahlreiche Spieler um den Ball standen, konnte Werder stets mit drei, vier Mann den Gegner jagen.

Vor allem Klaassen zeigte sich umtriebig: Immer wieder schoss er aus dem Mittelfeld nach vorne, um zusammen mit Stürmer Joshua Sargent die gegnerischen Innenverteidiger anzulaufen. Diese fanden keine Lösungen gegen Werders hohes Pressing.

Werder erlangte in der ersten Halbzeit nicht nur die totale Dominanz. Die Bremer gelangten auch immer wieder gefährlich vor das Tor – und das auf ganz unterschiedlichem Wege. Werders Zentrum-orientierte Formation mit dem starken Gegenpressing und den weit vorrückenden Außenverteidiger gewährleistete zahlreiche Optionen: Angriffe über die Flügel gab es genauso zu bestaunen wie schnelles Umschalten nach Ballgewinnen oder Kurzpass-Angriffe durch das Zentrum. Die total passiven Heidenheimer waren mit Werders Spielweise überfordert.

Werder Bremen im Verwaltungsmodus nach der Pause

Nur kurz nach der Pause stemmten sich die Heidenheimer gegen ihr Schicksal. Sie liefen nun in einem 4-4-2 die Bremer Innenverteidiger an. Teils rückte auch ein Sechser weit vor, sodass ein 4-1-3-2 entstand. Bremen konnte sich gegen diese Pressing-Attacken aber gut befreien. Immer wieder fanden sie den einrückenden Rashica, der im linken Halbraum freistand.

Die Bremer spielten nun aber die eigenen Angriffe nicht mehr konsequent zu Ende, sobald sie Heidenheims Pressing umspielt hatten. Das war keine schlechte Entscheidung: Werder verhinderte so, dass ein hektisches Spiel entstand. Über den eigenen Ballbesitz behielt Bremen die Dominanz. Das Ergebnis hätte angesichts der Bremer Chancen auch höher ausfallen können.

Fazit: Werder Bremen blüht gegen passive Gegner auf

Ein 4:1-Sieg über einen im wahrsten Sinne des Wortes zweitklassigen Gegner sollte nicht überbewertet werden. Dennoch zeigte Bremen, welche Stärken sie auszeichnen: Kohfeldt hat der Mannschaft einen detaillierten Plan eingeimpft, wie sich die Spieler bei eigenem Ballbesitz zu verhalten haben. Sie wissen, welche Räume zu besetzen sind, wann sie Tempo aufnehmen müssen und welche Pässe Erfolg versprechen. Wenn der Gegner passiv bleibt und dazu noch suboptimal verteidigt, blüht Werder regelrecht auf. Genau das passierte gegen Heidenheim.

Blöd nur, dass am Wochenende wieder ein erstklassiger Gegner wartet. Der SC Freiburg, in dieser Saison ein Team mit außerordentlich starkem Pressing, dürfte nicht annähernd so passiv agieren wie der Pokal-Gegner. Schade eigentlich.

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Am Mittwochabend entwickelte sich ein Zoff um ein Stück Stoff: Darum krachte es im Weserstadion mit den Werder-Ultras - die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema. Aber wieder zum Sportlichen: Rashica ist eine Attraktion, auch Klaasen richtig stark - die Einzelkritik mit Noten zum Sieg von Werder Bremen im DFB-Pokal gegen Heidenheim am Mittwoch. Außerdem plädierte Werder-Trainer Florian Kohfeldt: „Wir müssen die Schiedsrichter mehr schützen.“

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