Dortmund, Paderborn und Heidenheim: Die verrücktesten Auswärtsfahrten 2022 unserer Werder Bremen-Reporter.
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Dortmund, Paderborn und Heidenheim: Die verrücktesten Auswärtsfahrten 2022 unserer Werder Bremen-Reporter.

DeichStube-Reporter blicken zurück

Von Bierduschen, Landkarten und Taxen: Die kuriosesten Auswärtsspiele der drei Werder-Reporter

Bremen – Es war ein verrücktes Werder-Jahr – nicht nur für Trainer, Spieler und Fans, auch für die Reporter der DeichStube. Sie haben in der 1. und 2. Liga so allerlei erlebt, speziell bei den Auswärtsspielen. Mal bekamen sie eine Bierdusche ab, dann bastelten sie sich selbst eine Landkarte und es gab sogar ein besonderes Taxi-Happy-End. Zum Jahreswechsel haben Malte Bürger, Daniel Cottäus und Björn Knips ihre speziellsten Erlebnisse aufgeschrieben:

Einem Weltmeister vergeht das Lachen - Von Malte Bürger. Mal wieder hat es den Laptop erwischt. Einer Bierdusche sind Tastatur und Bildschirm zum Opfer gefallen, ein paar klebrige Flecken müssen dringend entfernt werden. Na super, auch das noch. Aber ganz normales Journalisten-Schicksal eben. Während ich etwas hemdsärmelig vor mich hin wische, erspähe ich im Augenwinkel noch, wie weltmeisterlich gejubelt wird. Knapp fünf Meter versetzt hinter mir feiert Kevin Großkreutz in einer Loge von Borussia Dortmund gerade die 2:0-Führung der Gastgeber gegen Werder Bremen. Knapp 80 Minuten sind da gespielt, die Partie scheint entschieden. Denkt sich wohl auch ein Kollege einer großen deutschen Zeitung, der die Gelegenheit direkt nutzt, um vorzeitig in Richtung Parkplatz aufzubrechen. In Dortmund geht es an jenem 20. August nämlich etwas chaotisch zu, ein Unwetter hat den Zugverkehr behindert und die Straßen rund um das Stadion entsprechend gefüllt. Die Eile sollte sich rächen.

Werder Bremen schreibt in Dortmund Geschichte - Bierduschen und Kevin Großkreutz werden zur Nebensache

Die denkwürdigsten Turbulenzen des Tages folgen nämlich erst noch. Der Glaube daran ist aber auch bei mir nicht allzu groß. Werder Bremen hat beim haushohen Favoriten trotz des Rückstandes zwar stark gespielt, doch die Uhr tickt eben gnadenlos. Und da es obendrein Bundesliga-Arenen gibt, in denen der Weg in die Interviewzone ein wenig länger ist, ist man als Sportreporter mitunter gut beraten, rechtzeitig seinen Tribünen-Arbeitsplatz aufzugeben, damit aus dem geplanten Stimmenfang auch etwas wird. Deshalb nestele ich vorsichtshalber am Laptopkabel, verstaue meine Habseligkeiten schon mal im Rucksack und richte die Jacke. Ready for take off!

Dieses Motto verfolgen aber offenbar auch die Spieler von Werder Bremen. Oder der Fußball-Gott. Vielleicht auch alle zusammen. Denn plötzlich nimmt die irrste Schlussphase der jüngeren Werder-Historie ihren Lauf, Lee Buchanan, Niklas Schmidt und Oliver Burke drehen binnen sechs wahnwitziger Minuten die Partie. Der Laptop glüht längst wieder, Reporterstimmen überschlagen sich und wer es mit Werder hält, kommt aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus. Kevin Großkreutz ist da das Lachen längst vergangen. Und mir ist die letzte Bierdusche des Tages nach Werders 3:2 dann auch egal.

Spektakel zwischen Werder Bremen und Paderborn zwischen Möbelhäusern und Baumärkten

Gleich hinter dem Möbelhaus - Von Daniel Cottäus. Schon bei der Anfahrt, kurz vor dem Ziel, hält dieser Arbeitstag Ende Januar eine kleine Herausforderung bereit, denn das Stadion des SC Paderborn, nun ja, es fügt sich eben sehr gut in seine Umgebung ein. So gut sogar, dass es im Industriegebiet an der Wilfried-Finke-Allee auf den ersten Blick kaum vom benachbarten Baumarkt und Möbelhaus zu unterscheiden ist, was seit Sommer durch den Namen „Home Deluxe Arena“ nicht unbedingt einfacher geworden ist. Aber sei’s drum, ging ja schließlich doch: Pünktlich zum Anstoß nehme ich meinen Platz auf der Pressetribüne ein, um mir das Bremer Gastspiel am 20. Spieltag der Zweitligasaison anzusehen. Es sollte ein denkwürdiges werden. Sieben Tore. Drei für Paderborn. Vier für Werder Bremen.

Dazu mehrere Eingriffe des Video-Schiedsrichters und einige nicht sofort ersichtliche Entscheidungen, die wiederum hektische Anrufe in der Redaktion nach sich ziehen. Haben andere Spiele nach 90 Minuten, sagen wir, zwei bis drei für den Ausgang wichtige Eckpunkte wie zum Beispiel Tore oder Platzverweise, hat diese Partie hier: gefühlte 28. Schließlich ist es Ömer Toprak, der die Schlusspointe setzt, der Werder Bremen nach 0:1-, 1:2- und 1:3-Rückständen zum 4:3-Erfolg schießt, was in der Mannschaft den Glauben daran ins Unermessliche wachsen lässt, dass es am Ende tatsächlich etwas werden könnte mit dem Aufstieg. Auf der Pressetribüne male ich mir eine Art Landkarte des Spiels auf, um später weder im Text noch vor der Kamera Entscheidendes auszulassen. Sicher hat auch das seinen Teil dazu beigetragen, dass ich mich wohl für immer an dieses Duell erinnern werde – genauso wie an die korrekte Anfahrt zum Paderborner Stadion, das übrigens gleich hinter dem Möbelhaus liegt.

Taxi- und Corona-Pech bei Werder Bremens Niederlage beim 1. FC Heidenheim

23 Euro für null Bewegung - Von Björn Knips. Als sich der Zug am Morgen vom Bremer Bahnhof Richtung Heidenheim in Bewegung setzen soll, herrscht erst mal Sprachlosigkeit – erst bei der Bahn, dann bei mir. Weil die interne Kommunikationsanlage ausgefallen ist, wird die Verbindung gestrichen. Alle raus also! Na schönen Dank. Doch plötzlich werden alle zurückbeordert – und das bitteschön im Eiltempo. So ein bisschen Frühsport . . . Immerhin rollt der Zug. Doch das hätte mir eine Warnung vor einem sehr üblen Tag sein sollen. Weil in Heidenheim alle Hotels voll sind, habe ich in einem Vorort eingecheckt – in einem angeblichen Landgasthaus. Ohne Heizung, aber dafür mit fettigem Geruch aus der dazugehörigen Schlachterei. Also schnell ab ins Stadion. Das bestellte Taxi ist pünktlich, aber alles andere als günstig. 23 Euro stehen bereits ohne jegliche Bewegung auf der Uhr. Die Diskussionen mit der Fahrerin und dem unfreundlichen Taxibetreiber enden unbefriedigend, die Fahrt immerhin an der Voith-Arena. Endlich Fußball und Werder Bremen, freue ich mich.

Das Stadion ist schon speziell. Die Offiziellen des Gäste-Clubs sitzen direkt hinter den Presseplätzen, Frank Baumann nimmt quasi in meinem Rücken Platz. Die Bitte, er könne doch heute mal die Noten vergeben, lehnt der Sportchef dankend ab. Ob er wohl ahnt, dass es sehr schlechte Noten sein würden? Denn Werder Bremen spielt richtig schlecht und verliert erstmals unter Trainer Ole Werner. Dafür gibt es nach der 1:2-Pleite erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie wieder eine echte Mixed-Zone, also Gespräche zwischen Journalisten und Spielern von Angesicht zu Angesicht – ohne Maske. Wahrscheinlich keine gute Idee. Ein paar Tage später fällt Werder-Profi Leonardo Bittencourt mit Corona aus, ich dann kurz darauf auch. Und trotzdem gibt es noch ein Happy End – und damit meine ich nicht den Aufstieg: Nach einer Nachfrage beim Landkreis entschuldigt sich der Taxibetreiber und übernimmt gleich mal die kompletten Fahrtkosten. 

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