Dieter Schatzschneider warnt den SV Werder Bremen, sieht die Zukunft aber nicht ganz so düster wie viele Beobachter.
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Dieter Schatzschneider warnt den SV Werder Bremen, sieht die Zukunft aber nicht ganz so düster wie viele Beobachter.

Nach Abstieg des SV Werder Bremen

„Wille schlägt Talent“: Dieter Schatzschneider, der „Mister 2. Liga“, warnt den SV Werder Bremen vor Fehlern, die 96 und der HSV gemacht haben

Hannover/Bremen – „Werder Bremen wird den sofortigen Wiederaufstieg schaffen“, sagt einer, der als „Mister 2. Liga“ gilt. Optimistisch sieht Dieter Schatzschneider, mit in 201 Spielen erzielten 154 Toren für Hannover 96 und Fortuna Köln der Rekordtorschütze dieser Spielklasse, der Bremer Aufgabe im Unterhaus entgegen.

Der Hannoveraner, bekannt als Vertrauter des 96-Chefs Martin Kind und bei dem Zweitligisten aus der niedersächsischen Landeshauptstadt vertraglich als Berater gebunden, macht indes eine wesentliche Einschränkung: „Die Werder-Mannschaft muss die neue Spielklasse schnell annehmen und den Fußball spielen, der verlangt wird.“ Wie seine eigene Westentasche kennt Dieter Schatzschneider die 2. Liga. Intensiv verfolgt er das Geschehen seiner beiden Ex-Clubs, die sich zuletzt vergeblich versucht haben an dem Vorhaben, den Wiederaufstieg zu schaffen: Der Hamburger SV, bei dem „Schatz“ ebenso wie bei Schalke 04 in der 1. Liga engagiert war, scheiterte gleich dreimal, Hannover 96 zweimal. Bei beiden Kandidaten erkennt der 63-Jährige den gleichen Fehler: „Die Teams sind von oben runtergekommen und haben sich etwas vorgemacht. In diesem Sinne: ,So schlecht haben wir doch gar nicht gespielt, uns haben nur ein paar Tore oder einige Punkte gefehlt. Wir kommen wieder, das schaffen wir locker.‘“

Dieter Schatzschneider warnt den SV Werder Bremen

Mit dieser Einstellung sind die Nord-Rivalen der Bremer grandios am Ziel vorbeigerauscht. Demut vor der 2. Liga, Respekt vor den Kontrahenten und der rustikalen Spielweise sind verlangt. Schatzschneider spricht somit diese Warnung an die Adresse von Werder Bremen aus: „Ein ,Weiter so‘ kann und darf es nicht geben, damit erleidet jeder Absteiger gewaltigen Schiffbruch.“

Der Kardinalfehler bei den missglückten Aufstiegsversuchen in der jüngsten Vergangenheit, wie der ehemalige Torjäger betont, bestehe darin, „die 2. Liga zu unterschätzen.“ Mit ansehnlichem Fußball, mit taktischen Varianten oder spielerischen Optionen sei nichts zu gewinnen. Der Fußball, der im Unterhaus verlangt und angesagt wird, der allein Erfolg verspricht, ist ganz anderer Natur. „Es ist Robustheit und Kampf, lange Bälle und Durchsetzungsvermögen.“ Oder mit anderen Worten, die Schatzschneider für diese Marke Fußball einfällt: „Wille schlägt Talent.“

Dieter Schatzschneider hält Markus Anfang für den richtigen Trainer von Werder Bremen

Am Beispiel des gescheiterten Experiments Hannover 96 verdeutlicht es der Zweitliga-Experte. Zuvor mit Mirko Slomka und Jan Schlaudraff, danach mit Trainer Kenan Kocak sollte ein Umbruch eingeleitet werden. Torwart Zieler, Kapitän Bakalorz und Leitfigur Prieb wurden abgegeben. „Mentalitätsspieler, die jede Mannschaft braucht“, wie Schatzschneider rekapituliert. „Dafür wurden Neue geholt, bessere Fußballer, die jedoch nicht mit dem nötigen Herzblut für 96 dabei waren.“

Einen anderen Prozess registrierte der frühere Torjäger beim HSV, wo allerdings das Projekt aus diversen Gründen scheiterte. Nach den ersten Bemühungen, die unter dem Manager Ralf Becker sowie den Trainern Hannes Wolf und Dieter Hecking erfolglos blieben, sei Jonas Boldt, der neue Sportvorstand, auf der richtigen Spur gewesen. Gemeinsam mit Daniel Thioune, dem neuen Coach, verpflichtete er zwei alte Haudegen, die als Prototypen für Moral und Willensstärke stehen: Toni Leistner, aus England geholt, und Klaus Gjasula, den Kämpfer aus Paderborn. „Ein richtiger Ansatz, der leider fehlgeschlagen ist, weil beide verletzungsanfällig waren und kaum gespielt haben.“

Die Lage bei Werder Bremen schätzt Schatzschneider dabei so ein: Ein guter Anfang sei gemacht mit der Wahl des Trainers. Markus Anfang hält er für einen fähigen Coach, der schon mal, wie der Kind-Adjutant verrät, auch bei 96 auf der Wunschliste gestanden habe. „Vor einem Jahr hat Hannover mit Anfang gesprochen, es ist nicht zum Abschluss gekommen.“

Dieter Schatzschneider sieht die Zukunft nicht so düster wie viele Beobachter

Einen Rat für Geschäftsführer Frank Baumann hat „Der Lange“, wie der 1,87 Meter große Kopfballspezialist auch gerufen wurde, auch noch parat: „Wie gesagt: Es kommt nicht nur auf die Qualität der Spieler an, sondern mehr noch auf Charakter und Mentalität.“
Sollte die Art der Zusammenstellung des Kaders in dieser Hinsicht erfolgen, so sieht Dieter Schatzschneider die Bremer Zukunft nicht ganz so düster wie viele Beobachter. In der „vom Namen her attraktivsten 2. Liga seit langem“ sollten sich am Ende die Favoriten durchsetzen, die beiden Absteiger Schalke 04 und Werder Bremen. „Ich halte sie für stark genug trotz aller Vorbehalte.“ Und Platz drei, der Relegationsplatz? „Mein Traum ist nach wie vor, dass Hannover es schafft.“ Wo bleibt der ruhmreiche HSV? Schatzschneider schmunzelt: „Die haben den vierten Platz sicher – wie gehabt.“ (hgk) Lest dazu: Giganten, gefährliche Gegner und ein Zwerg - was Werder in der 2. Liga erwartet.

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