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Die Ultras des FC Bayern München enthüllten am Wochenende ein beleidigendes Spruchband gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp. Werden die Ultras des SV Werder Bremen es ihnen gleichtun?

Vor DFB-Pokal-Spiel gegen Eintracht Frankfurt

Wegen der Proteste gegen Hopp: Werder Bremen sucht Nähe zu den Fans

Bremen – Vernunft statt Fadenkreuze! Der SV Werder Bremen rechnet am Mittwoch im Rahmen des DFB-Pokal-Viertelfinals bei Eintracht Frankfurt nicht mit geschmacklosen und beleidigenden Protesten seiner etwa 6.000 mitreisenden Fans.

Zwar geht Sportchef Frank Baumann davon aus, dass auch die Bremer Ultras mit ihren Meinungen zur Verhängung von Kollektivstrafen durch den Deutschen Fußball-Bund nicht hinter dem Berg halten werden, doch dass die Kundgebungen im Bremer Block derart eskalieren wie zuletzt bei den Fans von Bayern München und Union Berlin, glaubt er wiederum nicht. Plakate, auf denen das Gesicht von Hoffenheim-MäzenDietmar Hopp im Fadenkreuz zu sehen ist, kann er sich bei den Fans von Werder Bremen zum Beispiel „beim besten Willen nicht vorstellen“, erklärt Baumann: „Unsere Fans sind auch kritisch und haben ihre Punkte, gegen die sie protestieren. In den allermeisten Fällen geschieht das aber auf eine sehr vernünftige Art und Weise.“

Baumann setzt darauf, dass es auch in Frankfurt so sein wird. Deshalb entwirft der Club auch kein Was-wäre-wenn-Szenario, droht – anders als Schalke 04 – nicht mit Spielabbruch, falls es doch anders kommen sollte, sondern vertraut einfach darauf, dass die Fans die Grenzen einhalten. Wenn nicht, dann müsse man mit dem gegnerischen Verein und dem Schiedsrichter die Lage prüfen und entscheiden, so Baumann.

Werder Bremen nach Hopp-Beleidigungen: Weitere Fan-Eskalation „bringt niemandem etwas“

Einzelfallbewertung statt pauschaler Drohungen – das ist ohnehin die grün-weiße Linie in dem sich immer weiter verschärfenden Konflikt zwischen Fan-Gruppen und dem DFB. Wie er aus Bremer Sicht zu lösen ist, hatte der SV Werder Bremen schon am Montag kommuniziert. Baumann wiederholte nun auf der Pressekonferenz vor dem DFB-Pokal-Viertelfinale von Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt: „Wir müssen das Problem angehen. Und dabei ist es sehr wichtig, alle Beteiligten in den Dialog zu bringen und Lösungsansätze zu finden. Wir müssen auch den Druck aus der Situation nehmen. Es bringt niemandem etwas, die Situation weiter eskalieren zu lassen.“

Letzteres wirkte fast schon wie ein Aufruf des Werder-Sportchefs, in den Viertelfinal-Spielen des DFB-Pokals keine neuen Negativ-Schlagzeilen zu produzieren. Kritik, die ohne Beleidigungen und Schmähungen auskommt, „müssen wir dagegen als Werder Bremen und als Fußball-Deutschland aushalten können – und das können wir auch.“ (csa)

Zur letzten Meldung vom 2. März 2020:

Nach Hopp-Beleidigungen: Was machen Werder- und Eintracht-Ultras im DFB-Pokal?

Bremen – Nein, Bremen war am Wochenende kein „Tatort“. Während in Sinsheim einige Bayern-Ultras und in Berlin eine gleichgesinnte Fraktion Union-Fans ihren Beleidigungsfeldzug gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp und den Deutschen Fußball-Bund starteten, hatte der SV Werder Bremen spielfrei.

Die Partie gegen Eintracht Frankfurt war aus terminlichen Gründen verschoben worden, die Ultras beider Lager konnten sich also gar nicht öffentlich zum Thema verhalten. Dass das am Mittwoch, wenn beide Teams im DFB-Pokal-Viertelfinale in Frankfurt aufeinandertreffen, so bleibt, kann nicht garantiert werden. Die Führung des SV Werder Bremen hat in einer Pressemitteilung vorsorglich an seine Anhänger appelliert, dass „Proteste in einem rechtlichen Rahmen und gewaltfrei bleiben“ müssten.

Stürmer Davie Selke versucht unterdessen zu verdeutlichen, wie deplatziert die Fan-Kritik an Dietmar Hopp ist. Als ganz junger Kerl spielte Selke in der Jugend der TSG 1899 Hoffenheim – von 2009 bis 2013. In der Zeit lernte er den Verein und auch seinen großen Förderer kennen. Seitdem denkt der Werder-Profi so über den Mann, den die Ultras anfeinden: „Ich habe gesehen, was Dietmar Hopp alles für die Region getan hat und was für ein toller Mensch er ist.“

Werder Bremen: Davie Selke fordert härteres Vorgehen gegen Schmähplakate

Deshalb hat Selke null Verständnis für die Schmähplakate und Beleidigungsbanner des Wochenendes. Dass die Spieler von 1899 Hoffenheim und des FC Bayern München auf die Vorkommnisse im Bayern-Block reagierten und ihr Aufeinandertreffen nach der zweiten Spielunterbrechung in ein Ballgeschiebe verwandelten, wertet Selke als richtige Reaktion: „Da stehe ich zu hundert Prozent hinter.“ 

Er propagiert sogar ein härteres Vorgehen bei eindeutig grenzüberschreitenden Plakaten. „Wenn so etwas aufkommt, sollte man direkt durchgreifen. Wenn man klare Kante zeigt, verkürzt man eine solche Sache“, erklärt der 25-Jährige.

Werder Bremen verlangt Dialogbereitschaft aller Beteiligten

Mit dieser Forderung nach einem sofortigen Spielabbruch geht Selke deutlich weiter als sein aktueller Arbeitgeber. Der SV Werder fordert in dem am Montag veröffentlichten Schreiben weder Konsequenzen und Strafen für beleidigende Proteste noch kündigt er an, im Falles des Falles den Platz zu verlassen.

Hubertus Hess-Grunewald ruft im Namen der gesamten Geschäftsführung vielmehr dazu auf, zur Dialogbereitschaft zurückzukehren – heißt: Fans, Vereine und Verbände müssen wieder an einem Tisch zusammenkommen, um die an der Person Dietmar Hopp entbrannten Themen wie Kollektivstrafen für Fans und ausufernder Kapitalismus im Fußball zu besprechen.

Werder Bremen hat selbst Probleme mit der eigenen Ultra-Szene

Die am Wochenende gezeigten Banner „verurteilen wir als Verantwortliche von Werder Bremen deutlich“, heißt es zwar im grün-weißen Beitrag zum Thema der Woche. Doch – so steht es zwischen den Zeilen – ist kollektives Besprechen besser als kollektives Bestrafen. Zitat aus dem Werder-Schreiben: „Unsere Erfahrungen der letzten zehn Jahre zeigen sehr deutlich, dass Differenzierung und Dialog im Verhältnis zwischen Fans und Vereinen sehr wichtig sind und keine Einbahnstraße sein dürfen. ... Denn nur durch einen gemeinsamen Diskurs kann der Versuch unternommen werden, Lösungen zu erarbeiten.“

Werder Bremen selbst hat seit geraumer Zeit Probleme mit der eigenen Ultra-Szene. Die ist grundsätzlich alles andere als unpolitisch und gewiss auch meinungsstark, bislang ist sie aber nicht dadurch aufgefallen, dass sie sich Dietmar Hopp als Schuldigen für alles herausgesucht hat. Weshalb aus dem Werder-Block am Mittwoch vermutlich eher allgemeinere Kritik kommen wird als die gezielte Schmähung eines einzelnen.

Werder Bremen: Davie Selke würde bei rassistischen Beleidigungen sofort das Feld verlassen

Davie Selke würde es begrüßen. Und noch ein anderes (Fußball-)Thema dieser Zeit ist ihm wichtig. Sollte er jemals von den Rängen rassistisch beleidigt werden, würde er sofort und ganz ohne Vorwarnung den Platz verlassen: „Meinen Standpunkt habe ich klar gemacht: Ich würde direkt vom Feld gehen. In dem Moment wäre es mir auch egal, wer da mitzieht und wer nicht. Da muss man ganz klar dagegengehen und signalisieren, dass das nicht normal ist. Ich denke, dass auch alle mitziehen würden.“

Der SV Werder würde es machen – jedenfalls sollte man das annehmen. Denn Hess-Grunewald wünscht sich, dass in den Stadien der Bundesliga „mit gleicher Deutlichkeit wie am vergangenen Wochenende auch rassistische, sexistische, homophobe oder antisemitische Verfehlungen abgelehnt werden“. (csa/kni)

Zur letzten Meldung vom 2. März 2020, 18 Uhr:

So reagiert Werder Bremen auf die Anfeindungen gegen Hopp

Der SV Werder Bremen war am vergangenen Bundesliga-Spieltag zum Zuschauen verurteilt, hat aber nach der Absage des Heimspiels gegen Eintracht Frankfurt nicht weggeschaut – im Gegenteil.

Am Montagabend reagierte der SV Werder Bremen in einem offiziellen Statement auf die Anfeindungen gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp im Spiel gegen den FC Bayern München, aber auch in anderen Stadien.

„Wir appellieren nach den Vorkommnissen am vergangenen Wochenende in der Fußball-Bundesliga an alle beteiligten Interessengruppen, die Ereignisse differenziert zu betrachten und von Pauschalisierungen in jede Richtung abzusehen. Zudem würden wir uns wünschen, dass mit gleicher Deutlichkeit wie am vergangenen Wochenende auch rassistische, sexistische, homophobe oder antisemitische Verfehlungen abgelehnt werden“, wird Werders Präsident und Geschäftsführer Dr. Hubertus Hess-Grunewald auch im Namen seiner Geschäftsführer-Kollegen zitiert.

Anfeindungen gegen Dietmar Hopp bei Spiel TSG 1899 Hoffenheim gegen FC Bayern München

Beim Bundesliga-Spiel zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und dem FC Bayern München waren in der zweiten Halbzeit im Gästeblock Plakate aufgetaucht, die 1899-Mäzen Dietmar Hopp diffamierten. Dazu gab es beleidigende Gesänge. Der Schiedsrichter unterbrach die Partie zweimal, drohte mit Abbruch. Am Ende schoben sich beide Teams die Bälle nur noch zu, die Beteiligten beider Clubs erklärten sich mit Hopp solidarisch. In dieser Form hatte es das in der Bundesliga noch nicht gegeben.

Auch in anderen Stadien wie zum Beispiel bei Union Berlin war es zu Anfeindungen gegen Hopp gekommen. Offensichtlich hatten sich verschiedene Ultra-Gruppen abgesprochen. In Bremen konnte nichts passieren, weil die Deutsche Fußball-Liga das Werder-Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt abgesagt hatte. Das Frankfurter Europa-League-Spiel in Salzburg war wegen eines Orkans um einen Tag verschoben worden, die Hessen hätten somit zweimal innerhalb von 48 Stunden spielen müssen.

Werder Bremen verurteilt beleidigende Banner gegen Dietmar Hopp

„Im Rückblick auf das vergangene Wochenende unterstreicht der SV Werder Bremen aber ebenfalls, dass Gewalt und Aufrufe zur Gewalt genauso wie gewaltverherrlichende Banner und massive Beleidigungen gegen Einzelpersonen weder etwas in unserer Gesellschaft noch in unseren Stadien zu suchen haben. Dazu zählt der SV Werder Bremen auch einige der gezeigten Banner, die sich gegen den Hoffenheimer Funktionär Dietmar Hopp richteten. Diese Banner verurteilen wir als Verantwortliche von Werder Bremen deutlich“, heißt es im offiziellen Statement.

Und weiter: „Es zeigt sich, dass sich die Kluft zwischen den aktiven Fanszenen und den Vereinen und Verbänden zuletzt wieder zunehmend vertieft hat. Unsere Erfahrungen der letzten zehn Jahre zeigen sehr deutlich, dass Differenzierung und Dialog im Verhältnis zwischen Fans und Vereinen sehr wichtig sind und keine Einbahnstraße sein dürfen und wir möchten an diese Dialogbereitschaft auf allen Seiten appellieren. Denn nur durch einen gemeinsamen Diskurs kann der Versuch unternommen werden, Lösungen zu erarbeiten.“

Werder Bremen wünscht sich Dialog zwischen Fans und Vereinen

Der SV Werder lobt dabei das Engagement der aktiven Fanszene gegen Rassismus, Ausgrenzung und rechtsextremes Gedankengut. „Andererseits müssen wir von diesen Fangruppen klar einfordern, dass die Wege des Protestes immer in einem rechtlichen Rahmen und gewaltfrei bleiben“, schreibt Hubertus Hess-Grunewald. Er wünscht sich einen weiteren Dialog der Beteiligten: „Der SV Werder Bremen unterstützt deshalb die Forderung der bundesweiten Vereinigung ‚Unsere Kurve‘ nach einer außerplanmäßigen Sitzung der AG Fankultur.“

Spannend wird es am Mittwochabend. Dann wird sich beim DFB-Pokal-Viertelfinale in Frankfurt zeigen, wie sich die Ultra-Gruppen des SV Werder Bremen, aber auch der Eintracht zu diesem Thema verhalten werden. (kni)

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