Felix Wiedwald kassierte in den vergangenen zwei Spielen neun Gegentore.
+
Felix Wiedwald kassierte in den vergangenen zwei Spielen neun Gegentore.

Torverhältnis wieder im Minus

Werder: Doch noch Schießbude?

Bremen - Wir erinnern uns: Am 31. Spieltag, also vor gar nicht allzu langer Zeit, gelang Werder etwas Bemerkenswertes. Mit dem 2:0-Sieg über Hertha BSC kletterte das Team nicht nur auf einen Europa-League-Rang, sondern sorgte auch für ein positives Torverhältnis.

52:51 – „das sieht schön aus“, sagte Sportchef Frank Baumann damals. Und: „Es ist ein Ergebnis der letzten Monate, dass wir defensiv stabiler stehen und trotzdem die Qualität nach vorne haben.“ Aber kaum hatte es er ausgesprochen, muss der erste Teil seiner Aussage eigentlich auch schon wieder einkassiert werden.

Denn von defensiver Stabilität konnte in den zwei Spielen nach Hertha überhaupt gar nicht mehr die Rede sein. 3:4 gegen den 1. FC Köln, jetzt 3:5 gegen 1899 Hoffenheim – das macht in der Summe neun Gegentore in zwei Partien. Weshalb sich nicht von der Hand weisen lässt: Die Bremer Schießbude ist noch lange nicht geschlossen. Und man fragt sich: Wo ist sie hin die Stabilität?

Baumann: „Zu wenig Einsatz, zu wenig Bereitschaft“

„Ganz verloren gegangen wird sie nicht sein“, glaubt Kapitän Zlatko Junuzovic und plädiert für einen gemäßigten Umgang mit der aktuellen Flut an Gegentoren. „Die neun Treffer dürfen wir nicht bekommen, das ist zu viel. Ich glaube aber nicht, dass man jetzt alles wieder hinterfragen muss.“ Aber die Balance, von der Baumann gesprochen hatte, ist vorerst weg. Die Suche nach den Gründen führt den Sportchef in die Köpfe und Herzen der Spieler.

Elementare Faktoren hätten – speziell gegen Hoffenheim - gefehlt. „Das war zu lethargisch, zu wenig Einsatz, zu wenig Bereitschaft. Damit können wir nicht zufrieden sein. Das müssen wir jetzt aufarbeiten, denn am Samstag steht uns wieder ein mindestens genauso starker Gegner wie Hoffenheim gegenüber.“ Werder muss in Dortmund, beim Tabellendritten, ran und will dort noch um die Europa-League-Teilnahme kämpfen. Das geht nur mit einer stabilen Defensive. Ob Werder dahin am letzten Spieltag noch einmal zurückfindet? Immerhin kehrt Niklas Moisander nach abgesessener Gelbsperre in die Dreierkette zurück, der am Samstag ungewohnt schwache Robert Bauer fehlt dagegen wegen der fünften Verwarnung.

Werder vergeigt letztes Saison-Heimspiel

Werder gegen Hoffenheim
Was für ein großartiger Empfang,... © nordphoto
Werder gegen Hoffenheim
...den die Werder-Fans ihrer Mannschaft vor dem letzten Heimspiel der Saison gegen Hoffenheim geboten haben. © nordphoto
Werder gegen Hoffenheim
Kurz vor dem Anpfiff wurde Clemens Fritz, der seine Karriere nach der Saison beenden wird, verabschiedet und zum Ehrenspielführer des SV Werder gekürt. © nordphoto
Werder gegen Hoffenheim
Die Bremer Fans hatten sich für ihren Kapitän eine besondere Choreo einfallen lassen.  © nordphoto
Werder gegen Hoffenheim
Außerdem wurden Florian Grillitsch und Santiago Garcia verabschiedet. © nordphoto
Werder gegen Hoffenheim
Der Spielverlauf ist schnell erklärt. Werders Abwehr war offen wie ein Scheunentor. Nach sieben Minuten lag Bremen schon 0:1 hinten. Adam Szalai schoss die TSG in Front. © nordphoto
Werder gegen Hoffenheim
Nur wenige Augenblicke später erhöhte Andrej Kramaric auf 0:2 (11.), der die Kugel nach Vorarbeit von Szalai ins kurze Eck haute. © nordphoto
Werder gegen Hoffenheim
Bis zur 29. Minute hatte es gedauert, ehe Werder das erste Mal gefährlich wurde. Serge Gnabry verzog jedoch knapp recht am Tor vorbei. © nordphoto
Werder gegen Hoffenheim
Auf der Gegenseite hingegen klingelte es dann schon wieder. Steven Zuber hatte auf der rechten Bremer Abwehrseite alle Zeit der Welt, weil Robert Bauer nur halbherzig verteidigte, und erzielte das 0:3 (40.) © nordphoto
Werder gegen Hoffenheim
Schlag auf Schlag ging es weiter. Wieder war es Kramaric, der ins Tor von Werder-Keeper Wiedwald traf - 0:4 (49.). © nordphoto
Werder gegen Hoffenheim
Der nächste Treffer sollte nicht lange auf sich warten lassen. Ermin Bicakcic köpfte eine Eckflanke drei Minuten später zum 0:5 (52.) © nordphoto
Werder gegen Hoffenheim
Und noch immer hatte das Spiel noch was zu bieten. Werder startete zumindest eine kleine Aufholjagd. Theodor Gebre Selassie traf in der 59. Minute zum1:5. © nordphoto
Werder gegen Hoffenheim
Der inzwischen ins Spiel gekommene Philipp Bargfrede erzielte dann das 2:5 (86.). Es war sein fünfter Treffer für die Bremer. Kurios dabei: Vier davon erzielte er gegen Lieblingsgegner Hoffenheim. © nordphoto
Werder gegen Hoffenheim
Kurz vor Abpfiff verkürzte Bauer noch auf 3:5. Es war der Schlusspunkt eines gewaltigen Tor-Spektakels. Werders Traum von Europa rückt durch die Pleite jedoch in die Ferne und ist nicht mehr aus eigener Kraft zu erreichen. © nordphoto

Wichtiger als Namen ist laut Baumann aber die Rückbesinnung auf das kollektive Verhalten in den Spielen vor Köln. „Wegen guter Leistungen hat man nicht plötzlich die Erlaubnis, weniger zu machen“, sagt er. Wenn sich Werder allerdings nochmal vier oder fünf Tore fängt, dann muss man in der Tordifferenz den Unterschied zu den Vorjahren unter anderen Trainern als Alexander Nouri schon mit der Lupe suchen. 50:65 Tore waren es in den Spielzeiten 2015/16 und 2014/15, 42:66 und 50:66 in den beiden Jahren davor.

Aktuell steht die Bilanz bei 58:60 – Werder ist also noch auf dem alten Kurs unterwegs. Mit dem Unterschied, dass die geschossenen Tore den höchsten Stand seit 2010 erreicht haben. Die Qualität nach vorne kann dem Team tatsächlich nicht abgesprochen werden. Zlatko Junuzovic kann sich damit auch ein wenig über die Pleiten gegen Köln und Hoffenheim hinwegtrösten: „Wir haben auch sechs Tore gemacht in diesen Spielen.“

Nouri verlängert beim SV Werder.

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Kommentare