Impfpass-Skandal um Trainer Markus Anfang beim SV Werder Bremen: Die Werder-Doku „Ein Jahr zweite Liga“ zeigt neue Details.
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Impfpass-Skandal um Trainer Markus Anfang beim SV Werder Bremen: Die Werder-Doku „Ein Jahr zweite Liga“ zeigt neue Details.

Neue Einblicke aus der Werder-Doku

„Wir waren fassungslos“: Ein Club unter Schock - Werder-Doku zeigt Folgen des Impfpass-Skandals um Markus Anfang

Bremen – Es hätte ein ganz normaler Donnerstag sein können, ein Trainingstag wie jeder andere. Doch der 18. November 2021 war besonders. Oder wie es Ömer Toprak, der Ex-Kapitän des SV Werder Bremen, in der Doku „Ein Jahr Zweite Liga“ ausdrückt: „Wir haben gemerkt, dass es gerade ein wenig unruhig ist – aber wir wussten gar nicht warum.“ An anderer Stelle, in den Geschäftsräumen des Wohninvest Weserstadions, war man da schon etwas schlauer. Dort hatte sich nämlich just das Bremer Gesundheitsamt bei Hubertus Hess-Grunewald gemeldet und von Ungereimtheiten im Zusammenhang mit dem Impfausweis von Markus Anfang berichtet.

Bilder gibt es davon nicht zu sehen – was allerdings auch nicht verwundert, weil die Kamera während der Entstehung der Werder-Doku eben nicht dauerhaft als Begleiter aller Protagonisten dabei war. Und so eben auch nicht, als bei Werders Präsident unerwartet das Telefon klingelte. Die daraus resultierenden Ereignisse erschütterten den SV Werder Bremen nachhaltig, es wuchs ein Skandal heran, der nicht nur national Aufmerksamkeit erregte.

Doku zeigt: So sehr hat der Impfpass-Skandal um Markus Anfang den SV Werder Bremen erschüttert

„Wir waren fassungslos, mussten aber auch fast schon schmunzeln, weil das eigentlich völlig aus einer anderen Welt ist. Wir wussten gar nicht, wie wir damit umgehen sollten“, gesteht ein entgeisterter Niclas Füllkrug, als er für die Doku noch einmal über die einschneidenden Tage im Herbst sprechen soll. „Das ist unvorstellbar für uns gewesen.“ Als dann am 19. November die Polizei am Osterdeich anrückte und einen Durchsuchungsbefehl für Markus Anfang mitbrachte, wurde noch einmal eine neue Dimension der Geschehnisse erreicht. Werder Bremen hatte seinen Coach zunächst geschützt, rückte nun aber nach weiteren Erkenntnissen von ihm ab. Anfang bestritt die Vorwürfe, entschied sich am Freitag – einen Tag vor dem Heimspiel gegen den FC Schalke 04 – dann aber doch mit seinem ebenfalls involvierten Co-Trainer Florian Junge zum Rücktritt.

„Ich bin am nächsten Morgen aufgewacht und hatte schon eine Nachricht auf dem Handy, dass ich mich melden sollte“, erinnert sich Toprak. Noch vor dem eigentlichen Treffen des Teams am Weserstadion trommelte der Kapitän des SV Werder Bremen den Mannschaftsrat für eine Besprechung zusammen. Als der gesamte Kader dann kurz darauf und knapp zehn Stunden vor dem Anpfiff zusammensaß, tauchte auch Markus Anfang noch einmal auf. Eine wirkliche Entschuldigung für sein Verhalten, seine monatelange Täuschung der Profis und Verantwortlichen brachte er allerdings nicht mit. Stattdessen meinte er beim filmisch festgehaltenen Abschied mit Blick auf den nun anstehenden Trainerwechsel: „Es tut uns leid, dass solch eine Situation entsteht, aber ich glaube, es ist vom Druck, vom ganzen Drum und Dran einfach nicht möglich, unter diesen Voraussetzungen Leistung zu bringen.“ Und weiter: „Ich wünsche euch alles Gute. Ich glaube auch, dass ihr eine richtig geile Mannschaft seid, die erfolgreich sein wird.“

Werder Bremen-Doku: Wie sich Markus Anfang nach dem Impfpass-Skandal von der Mannschaft verabschiedet hat

In den Gesichtern der anwesenden Spieler ist gut zu sehen, wie sehr sie die Situation mitnimmt. Und nicht nur sie. So urteilt etwa Mannschaftsarzt Dr. Daniel Hellermann unmissverständlich: „Als es sich immer weiter verdichtete, dass Unstimmigkeiten mit dem Impfpass tatsächlich im Raum stehen, war ich vor allem menschlich sehr enttäuscht. Ob das am Ende kriminell ist, sollen andere entscheiden. In einer Position, in der man sich hier befindet und wo man als Cheftrainer eigentlich als Vorbild agiert, darf einem solch ein Fauxpas – wenn man das so harmlos nennen möchte – aber nicht passieren.“ Markus Anfang gestand die Täuschung mit dem gefälschten Impfausweis laut Staatsanwaltschaft schließlich im Januar 2022, das DFB-Sportgericht verhängte später rückwirkend eine einjährige Arbeitssperre als Trainer (seit 1. Juni auf Bewährung) sowie eine Geldstrafe in Höhe von 20.000 Euro. Das Bremer Amtsgericht verurteilte den Ex-Profi darüber hinaus zu 90 Tagessätzen à 400 Euro. Seit diesem Sommer ist der inzwischen 48-jährige Anfang Trainer beim Drittligisten Dynamo Dresden. (mbü)

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