Werder Bremens Boss Klaus Filbry spricht nach dem Abstieg über die Gefahr einer Insolvenz, die Spieler-Verträge, Transfers und die finanzielle Zukunft.
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Werder Bremens Boss Klaus Filbry spricht nach dem Abstieg über die Gefahr einer Insolvenz, die Spieler-Verträge, Transfers und die finanzielle Zukunft.

Werder-Boss über die finanzielle Probleme

Werder Bremen vor Insolvenz? Filbry sieht „keine Gefahr“

Bremen – Der Abstieg ist erst wenige Tage alt, viele Fans des SV Werder Bremen sind noch angeschlagen. Auch Profi Theodor Gebre Selassie gibt offen zu, dass er ständig an diese sportliche Katastrophe denken muss. Doch Klaus Filbry hat sich schon geschüttelt oder besser gesagt: schütteln müssen. „Es hilft nichts“, sagt der Werder-Boss im Gespräch mit der DeichStube: „Wir müssen jetzt kühlen Kopf bewahren, die richtigen Entscheidungen treffen und vor allem Vertrauen schaffen.“

Eine Frage taucht dabei immer wieder auf: Droht Werder Bremen als Zweitligist nun noch mehr die Insolvenz als ohnehin schon? „Nein“, antwortet Filbry sofort: „Aktuell sehe ich keine Insolvenzgefahr, weil die kurzfristigen Verbindlichkeiten abgesichert sind.“ Er mag es eigentlich gar nicht laut sagen, aber aus finanzieller Sicht mache es der Abstieg sogar leichter, weil der größte Kostenblock, der Gehaltsetat, automatisch sinkt. „Ich weiß, dass viele gerade in Frank einen Sündenbock sehen“, sagt Klaus Filbry über seinen Geschäftsführer-Kollegen Frank Baumann: „Aber er hat in alle, wirklich in alle Spielerverträge eine Zweitliga-Klausel eingebaut, die eine deutliche Senkung der Gehälter um 40 bis 60 Prozent beinhaltet.“

Werder Bremen: Spieler-Verträge gelten auch für Zweite Liga - Gehälter werden deutlich gesenkt

Das ist nicht unbedingt üblich in der Bundesliga. Mit-Absteiger Schalke 04 erlebt das zum Beispiel gerade ganz anders. Dort gelten nicht nur die Verträge weiter, sondern auch die Gehälter, was bei den viel geringeren Einnahmen als Zweitligist – bei Werder Bremen sind das rund 40 Millionen Euro – zum großen Problem werden kann. Die Spieler haben zudem keinen Druck, den Verein zu verlassen, sie verdienen schließlich weiterhin gut.

Werder hofft dagegen, dass sich einige Profis nun nicht nur aus sportlichen Gründen einen neuen Club suchen. Das würde weiteres Geld sparen, denn selbst einige stark verminderte Gehälter sind für Zweiliga-Verhältnisse noch üppig. Ein Beispiel: Ömer Toprak kassierte bislang als Top-Verdiener geschätzte 3,5 Millionen Euro, künftig sollen es noch zwei Millionen Euro sein. Ein guter Verteidiger wird im Fußball-Unterhaus aber nur mit maximal einer Million Euro veranschlagt. Klingt schön simpel, doch ein Toprak muss mit seinen 31 Jahren auch erst mal einen Verein finden, der ihm zwei Millionen Euro pro Jahr zahlt. In Coronazeiten sitzt das Geld im Fußball nicht mehr so locker.

Werder Bremen: Neue Rechnungen nach dem Abstieg - Klaus Filbry: „Können alle Rechnungen zahlen“

Das könnte auch Werders Problem auf dem Transfermarkt werden. Filbry macht keinen Hehl daraus, dass dort schnell Erlöse erzielt werden müssen. Im Wertpapierprospekt für die Mittelstandsanleihe steht eine Summe von 9,4 Millionen Euro, die durch Spielerverkäufe bis Ende Juni reinkommen muss. Ansonsten geht der Finanzierungsplan nicht auf. Wenngleich: Dieser Plan ist ohnehin schon hinfällig, weil ein Punkt nicht erreicht worden ist: der Klassenerhalt. Muss nun ein neuer Wertpapierprospekt her? Wieder sagt Klaus Filbry ganz deutlich „Nein!“ In dem Prospekt sei auch das Szenario eines Abstiegs behandelt worden – nicht so ausführlich, aber ausreichend. „Natürlich sind wir darauf vorbereitet“, versichert Filbry. Dass nun überall von Verbindlichkeiten in Höhe von 75 Millionen Euro geschrieben wird, ärgert den Werder-Boss. Die Summe stehe zwar so im Wertpapierprospekt, gelte nun durch den Abstieg aber nicht mehr und müsse auch genauer betrachtet werden.

Allein durch die nicht mehr gültige Kaufverpflichtung für Davie Selke, der nach dem verpassten Klassenerhalt zur Hertha BSC zurückkehrt, sinken die Verbindlichkeiten von 75 auf etwa 61 Millionen Euro. In dieser Summe seien dann auch der über eine Landesbürgschaft abgesicherte 20-Millionen-Euro-Kredit und die Anleihe mit einer erhofften Höhe von 20 Millionen Euro enthalten. Weil es sich dabei um langfristige Verbindlichkeiten handelt, die erst in den nächsten fünf Jahren zurückgezahlt werden müssen, verbleiben kurzfristige Verbindlichkeiten von nur 20 Millionen Euro. Und ein Großteil dieser 20 Millionen Euro würde wiederum durch die Anleihe abgesichert, so Filbrys Rechnung. „Wir spielen da wie immer fair“, betont der Boss des SV Werder Bremen: „Wir können alle Rechnungen bezahlen, das ist das Entscheidende.“

Werder Bremen und das Geld: 20 bis 25 Millionen Euro müssen im Sommer durch Transfers eingenommen werden

Ein wichtiges Signal. Denn bis Anfang Juni kann die Anleihe noch gezeichnet werden. Es winken jährliche Zinsen von sechs bis 7,5 Prozent. Die von Werder Bremen erhofften 20 Millionen Euro sind weiterhin möglich, aber noch nicht erreicht. Der Abstieg war da keine gute Werbung. Anleger brauchen Sicherheiten – und eine gute Story für die Zukunft. Die versucht Filbry zu liefern, indem er offensiv vom Wiederaufstieg spricht. Aber noch viel mehr von einer völlig neu zusammengestellten Mannschaft, die angetrieben von einem neuen Trainer richtig viel Spaß machen soll. Sportchef Frank Baumann und Clemens Fritz als Leiter Profi-Fußball hätten schon gute Vorarbeit geleistet, interessante Spieler an der Angel. Der Markt würde durch die Corona-Pandemie einige Möglichkeiten bieten, gerade auch bei ablösefreien Spielern oder Leihgaben. Andere Verpflichtungen seien nicht denkbar. Denn es müssen in diesem Sommer unbedingt Transfererlöse her.

20 bis 25 Millionen Euro hat Werder veranschlagt. Ein ambitioniertes Ziel in diesen Zeiten. Doch Klaus Filbry will sich seinen wiedererlangten Optimismus nicht nehmen lassen. Er ist auch davon überzeugt, die Lizenzauflagen der Deutschen Fußball-Liga zu erfüllen und damit einen drohenden Sechs-Punkte-Abzug zu vermeiden: „Wir werden das schaffen und in einer sehr attraktiven Zweiten Liga tolle und hoffentlich erfolgreiche Spiele erleben.“ Wenn dann ab September die Stadien wieder voll sind, wovon Filbry ausgeht, würde der Abstieg vielleicht allen nicht mehr ganz so weh tun. (kni) Auch interessant: Klaus Filbry kritisiert Ex-Werder-Trainer Florian Kohfeldt!

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