Dixie Dörner, früherer Bundesliga-Trainer des SV Werder Bremen, sitzt seit Jahren im Aufsichtsrat von Dynamo Dresden.
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Dixie Dörner, früherer Bundesliga-Trainer des SV Werder Bremen, sitzt seit Jahren im Aufsichtsrat von Dynamo Dresden.

Vor Werder Bremen gegen Dresden

Dynamo-Legende Dixie Dörner vor dem Wiedersehen mit Werder Bremen: „Ich habe die Bundesliga genossen“

Dresden/Bremen – Nein, ins Stadion wird Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner am Sonntag nicht gehen. Dabei ist die Partie zwischen Dynamo Dresden und Werder Bremen für die DDR-Fußball-Legende eine sehr spezielle. Bei Dynamo hat er seine gesamte aktive Karriere verbracht, bei Werder Bremen wurde er später der erste aus der DDR stammende Bundesliga-Trainer. Es lässt sich also leicht vorstellen, dass Dörner - mittlerweile 70 Jahre alt – ein willkommener Besucher und Gesprächsgast wäre, wenn die beiden Clubs erstmals seit mehr als 26 Jahren wieder aufeinander treffen. Doch Dörner wird fehlen. Nach einem längeren Krankenhausaufenthalt erholt er sich derzeit noch zu Hause. „Ich werde das Spiel nur im Fernsehen verfolgen“, sagt er in einem Telefonat mit der DeichStube.

Obwohl seine Stimme brüchig klingt und es deutlich herauszuhören ist, dass keine einfache Zeit hinter ihm liegt, ist er gerne bereit, über die Partie zu plaudern. Dass es ihm nicht gutgeht, will er dabei nicht thematisieren. „Ich bin auf dem Weg der Besserung“, erklärt er – Thema beendet. Fußball geht dagegen immer. Also Dynamo Dresden gegen Werder Bremen – wer gewinnt? „2:1 für Dresden“, sagt Dörner, aber er gibt zu, dass das ein der Pflicht und Verbundenheit geschuldeter Tipp ist.

Schließlich sitzt der DDR-Rekordnationalspieler (100 Einsätze) schon seit acht Jahren im Dynamo-Aufsichtsrat, bestimmt also immer noch mit, was in Dresden in Sachen Fußball passiert. Ein 2:1 wäre aus seiner Sicht ein Außenseitersieg, denn Favorit ist in dem Duell zwischen Aufsteiger Dynamo und Absteiger Werder ganz klar der Gast von der Weser: „Die Bremer haben eine sehr gute Mannschaft, peilen den sofortigen Wiederaufstieg an. Natürlich sind sie der Favorit.“ Dass Werder durch die Nordderby-Niederlage gegen den HSV möglicherweise einen Knacks wegbekommen hat, spielt aus der Sicht von Dixie Dörner „keine Rolle“.

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Werder Bremen gegen Dynamo Dresden - Dixie Dörner: „Hier wird viel von der Bundesliga geträumt“

Dynamo selbst hat nach einem Traumstart mit zehn Punkten aus vier Spielen zuletzt dreimal in Folge verloren. Für Dörner ein Spiegelbild der vergangenen Jahre. „Es ging immer auf und ab, zwischen der 2. und 3. Liga hin und her. Unser Ziel ist es jetzt, uns in der 2. Liga zu stabilisieren“, erklärt er. Die Mannschaft, in der vergangenen Saison Meister in Liga drei, sei gut, die Vereinsführung auch – die Vorzeichen stimmen also aus seiner Sicht. Doch bis Dynamo Dresden, das zuletzt in der Saison 94/95 erstklassig war, wieder an die Bundesliga denken darf, „wird es noch Jahre dauern“, meint Dörner. Aber klar: „Hier in Dresden wird immer viel von der Bundesliga geträumt.“

Dixie Dörner selbst hatte einst bei Werder Bremen die Chance bekommen, in der Bundesliga als Trainer arbeiten zu können. Im Rückblick nennt er die 19 Monate bei Werder „eine schöne Zeit. Ich habe die Bundesliga genossen. Es war eine gute Erfahrung, die mir viel gegeben hat.“ Erfolgreich war sie aber nicht. Im Januar 1996 verpflichtete Werder den damaligen DFB-Nachwuchstrainer als Nachfolger des krachend gescheiterten Aad de Mos. Es war nach dem mutigen Projekt mit dem Niederländer der nächste gewagte Versuch, das Erbe von Otto Rehhagel zu regeln. Dörner hatte zuvor noch keinen Verein trainiert. Und so ging die Sache in Bremen auch schief. 66 Spiele brachten keine positive Entwicklung. Nachdem die Mannschaft den Start in die Saison 1997/98 verpatzt hatte und nach drei Spielen am Tabellenende stand, gab ein Testspiel-Trip nach Spanien den Ausschlag für die Entlassung. 0:4 gegen CD Teneriffa, 0:8 gegen Atletico Madrid – die Mannschaft ließ Dörner hängen. Es folgte die Trennung von dem Mann, der zu seiner aktiven Zeit als „Beckenbauer des Ostens“ gefeiert worden war. Ein Vergleich übrigens, den Dörner nie mochte.

Dixie Dörner lobt Lars Lukas Mai von Werder Bremen: Schritt zum FC Bayern „keine schlechte Entscheidung“

In der Bundesliga hat es der ehemalige Libero nach seinem Werder-Engagement nicht noch mal probiert. Es ging zurück in die Heimat, zurück nach Sachsen. Heute gibt es weder Kontakte noch eine emotionale Verbindung zum SV Werder Bremen. „Das ist alles verblasst, hat sich natürlich aufgelöst“, sagt Dörner, „im ersten Jahr nach der Entlassung habe ich noch alles verfolgt, doch das hat mit der Zeit immer mehr nachgelassen.“ Jetzt, da Dynamo Dresden und Werder mehr als 26 Jahre nach dem letzten Aufeinandertreffen (Werder gewann am 18. Februar 1995 durch ein Elfmetertor von Andreas Herzog mit 1:0) wieder in einer Liga spielen, wird seine Vergangenheit wieder aktuell. Aber Dörner hat noch einen anderen Grund, seit geraumer Zeit wieder nach Bremen zu schauen.

Seit dem Sommer trägt in Lars Lukas Mai ein Dresdner Junge das Werder-Trikot. Vater Lars Mai (51) saß vier Jahre lang mit Dörner im Dynamo-Aufsichtsrat, Bruder Sebastian Mai ist Kapitän der aktuellen Dresdner Mannschaft. Und natürlich würde Dörner auch den jüngsten Spross der Familie liebend gerne im Dynamo-Trikot sehen. Doch als Lars Lukas als Jugendlicher zum FC Bayern wechselte, war der Club chancenlos. „Für die Entwicklung des Spielers war es keine schlechte Entscheidung“, meint Dixie Dörner und bekennt: „Dynamo war damals noch nicht so aufgestellt, ihn halten zu können.“ (csa) Lest auch: Christian Groß fällt lange aus - Schock für Werder Bremen, Chance für Ilia Gruev! Auch interessant: So seht Ihr das Zweitliga-Spiel Werder Bremen gegen Dynamo Dresden live im TV und im Live-Stream!

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