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Bremer Schlussjubel nach dem Kraftakt bei 1899 Hoffenheim - durch den Sieg hat sich Werder die Chance auf Europa aufrechterhalten.

Endspiel um Europa

Ein Team, ein Traum, ein letzter Kraftakt

Sinsheim – Es war Sommer, der Super-Sommer sogar. Und als Frank Baumann und Florian Kohfeldt im August 2018 das mutige Saisonziel Europa ausriefen, da glaubten nicht wenige an einen Sonnenstich bei der sportlichen Leitung des SV Werder Bremen.

Schließlich lagen kalte und schattige Jahre des Abstiegskampfs hinter dem Traditonsclub. Gut neun Monate später wird es aber wieder heiß in Bremen, sogar richtig heiß. Mit dem leidenschaftlich erkämpften 1:0-Sieg bei 1899 Hoffenheim haben sich die Bremer ihr Euro-Endspiel gegen RB Leipzig im Weserstadion verschafft.

Kohfeldts besonderer Trick in die Trickkiste

Werder will sich nun auch nicht mehr aufhalten lassen, Kohfeldt denkt sogar an einen ganz besonderen Griff in die Trickkiste. „Können wir gegen Leipzig auch falsche Ergebnisse einblenden?“, fragte er nach dem Erfolg in der Sinsheimer Arena und lachte. Der ernste Hintergrund des Scherzes: Werder braucht am letzten Spieltag nicht nur einen eigenen Sieg, sondern auch viel Schützenhilfe, um das eigene Saisonziel noch zu erreichen.

Dass es überhaupt möglich ist, ließ Kohfeldt in Sinsheim beinahe vor Stolz platzen. Mit einem arg dezimierten Team hatte er es geschafft, den Traum am Leben zu halten. Trotz der Ausfälle von Leistungsträgern wie Max Kruse, Davy Klaassen, Philipp Bargfrede und früh im Spiel auch noch Theodor Gebre Selassie holten sich die Bremer dank einer tollen Teamleistung und des Tores von Johannes Eggestein (39.) die drei Punkte – und das bei einem auf Champions League ausgerichteten Gegner.

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„Werder ist ganz klar Schuld an diesem Sieg“: Die Netzreaktionen zur Partie #TSGSVW

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Werder der Löwe, der die Elefanten der Branche attackiert

Weil Euro-Mitbewerber Wolfsburg in Stuttgart mit 0:3 stolperte, wird es am Samstag nochmal richtig spannend und die Anzeigetafel zum Übermittler wichtiger Botschaften werden. Denn die Konkurrenten Wolfsburg (gegen Augsburg) und Hoffenheim (in Mainz) dürfen ihre Spiele nicht gewinnen, damit Werder mit einem Sieg noch auf Platz sieben springen und damit zumindest die Qualifikation zur Qualifikation der Europa League erreichen kann. Drei Runden mit Hin- und Rückspiel würden dann zwar die Sommer-Vorbereitung erheblich beeinflussen, aber wer will daran jetzt schon denken?

Schon gar nicht wird Werder freiwillig auf diese Chance verzichten. Damit würden sich die Verantwortlichen intern wie extern total unglaubwürdig machen. Wer mutige Ziele ausgibt, muss sie am Ende auch erreichen wollen. Egal, ob es danach etwas unangenehmer werden kann. Denn mit ihrer Vorgabe haben Baumann und Kohfeldt nicht nur die Mannschaft, sondern einen ganzen Club und die Fans nach vorne getrieben. Werder ist nicht mehr diese ängstliche graue Maus, sondern ein Löwe, der sogar die Elefanten der Branche attackiert.

Die Wahl der Mittel ist dabei sehr unterschiedlich. Mal ist es Ballbesitzfußball, dann aber auch eine Kontertaktik basierend auf einer starken Abwehr – so wie in Hoffenheim. Doch Werder stellte sich nicht nur stumpf hinten rein, sondern verteidigte schon am gegnerischen Strafraum. Damit hatten die Hoffenheimer im letzten Heimspiel ihres nach Leipzig wechselnden Trainers Julian Nagelsmann wohl nicht gerechnet. „Unser Plan ist aufgegangen“, freute sich Kohfeldt, wollte damit aber keineswegs sich in den Mittelpunkt stellen. Sofort lenkte er den Fokus aus sein Team: „Ich bin sehr, sehr stolz auf diese Mannschaft. Egal, wer auf dem Platz steht, wir verändern nicht unsere Art zu spielen.“

Außerdem überschreiten viele Spieler im Dienst der Mannschaft ihre physischen Grenzen. Theodor Gebre Selassie spielte trotz großer Probleme in beiden Beine und schleppte sich nach 25 Minuten bemitleidenswert vom Platz. Milot Rashica hatte sich vor dem Spiel in der Kabine übergeben, weil er etwas Falsches gegessen oder sich einen Virus eingefangen hatte. Trotzdem holte er bis zur 60. Minute alles aus seinem Körper heraus, bereitete sogar das Siegtor vor. Die Beispiele zeigen: Da lebt eine Mannschaft, da kämpft eine Mannschaft für ihren Traum.

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Kohfeldt will eigene Hausaufgaben erledigen

Der Showdown steigt am Samstag, 15.30 Uhr, Weserstadion. „Bei den vielen geilen Spielen, die wir in dieser Saison schon hatten, gilt doch: Einmal müssen wir es noch machen und mit aller Macht dieses Spiel gewinnen. Und danach schaue ich auf die Tabelle“, kündigte Kohfeldt an. Aber was ist mit den Ergebnissen der Konkurrenz? Könnten die – bei für Werder positiven Zwischenständen – als Einblendung auf der Leinwand nicht wie ein Energy-Drink gegen den Tabellendritten aus Leipzig wirken? 

„Da muss ich mal Rücksprache mit unserem Psychologen halten“, antwortete Kohfeldt und grinste. Dann beendete er dieses Thema, um wieder die nötige Ernsthaftigkeit in die Geschichte zu bekommen: „Das Einzige, was noch richtig bitter für uns werden kann, ist doch: Die Anderen spielen für uns, und wir machen nicht unsere Hausaufgaben. Deshalb denken wir nur an uns!“ Bei aller Freude, Werder ist noch nicht fertig.

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