Den Adler auf der Brust wird Zlatko Junuzovic nicht mehr tragen, der Österreicher ist aus der Nationalmannschaft zurückgetreten.
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Den Adler auf der Brust wird Zlatko Junuzovic nicht mehr tragen, der Österreicher ist aus der Nationalmannschaft zurückgetreten.

Rücktritt als Investition in den eigenen Körper

Doppelt schmerzhafte Zeit für Junuzovic

Bremen - Wenn Zlatko Junuzovic in diesen Tagen den Trainingsplatz betritt, dann lächelt er noch mehr als früher. So groß ist die Erleichterung, dass der so lange streikende Fuß wieder hält.

Doch gesundheitlich ist längst noch nicht wieder alles gut beim Werder-Kapitän. Der 30-jährige Österreicher sorgt deshalb schon mal vor, indem er am Donnerstag überraschend seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft verkündet – und zwar nicht nur aus Rücksicht auf die Familie, sondern vor allem aus Rücksicht auf seinen Körper. Es geht um seine Zukunft als Profi-Fußballer. Und ob die in Bremen liegt, ist ziemlich offen. Trotzdem riskiert Junuzovic viel für seinen Club.

Das Comeback vor zwei Wochen in Hamburg kam schnell, Junuzovic war erst wenige Tage zuvor ins Mannschaftstraining zurückgekehrt – nach monatelanger Pause. Doch der Kapitän wird dringend gebraucht. „Ich weiß, welch hohe Verantwortung ich habe“, sagt der Österreicher, der seit dieser Saison die Binde trägt. Er hat auf die Zähne gebissen, unter Schmerzen gespielt – und Eindruck hinterlassen.

Junuzovic hat dem lahmen Bremer Angriffsspiel Beine gemacht. So soll es weitergehen – und das am Sonntag gegen Mönchengladbach schon von Anfang an. So der Plan oder besser die Wunschvorstellung, denn Junuzovic selbst sagt zu seiner Verletzung: „Ich muss von Tag zu Tag schauen. Das ändert sich bei mir auch nicht. Der Fuß hält momentan die Belastung aus. Wir müssen aber sehen, wie es über einen längeren Zeitraum sein wird.“

Die Probleme an Achillessehne und Sprunggelenk, wo durch Entzündungen immer wieder Flüssigkeit auftaucht, sind noch nicht abschließend behoben. Junuzovic kämpft dagegen mithilfe der Physiotherapeuten an. Auf dem Platz rennt er diesem Problem quasi davon. Das ist irgendwie auch sein Dilemma. „Mein Spiel ist körperlich sehr belastend“, sagt der Mittelfeldspieler.

Der Druck wird immer größer

Er ist der Kilometerfresser im Team, selten läuft einer im Spiel mehr als Junuzovic. „Man muss manchmal Entscheidungen treffen, damit man die Belastungen schafft“, sagt Junuzovic und erklärt damit seinen Rücktritt aus der österreichischen Nationalmannschaft. Es ist sicherlich der Hauptgrund, wenngleich Junuzovic betont, dass er sich auch mehr um die Familie, also Ehefrau Katharina und Sohn Clemens (1), kümmern möchte. Die haben Mann und Papa künftig bei Länderspielpausen für sich – und der wiederum kann seinen Fuß hochlegen.

Optimale Belastungssteuerung ist das Stichwort. Nichts Neues bei Werder, auch weitere Ü 30-Spieler wie Lamine Sane und Niklas Moisander befinden sich in dem Programm, genauso wie der in der Vergangenheit von Knieverletzungen geplagte Philipp Bargfrede. Die Bundesliga ist eine Knochenmühle, in der die Profis immer mehr auf sich aufpassen müssen.

Gleichzeitig wird der Druck immer größer. Junuzovic soll spielen und will auch spielen. Dabei geht es nicht nur um Werder, seine persönliche Zukunft steht ebenfalls auf dem Spiel. Im Sommer läuft sein Vertrag aus. „Es ist wichtig, dass der Kapitän an Bord bleibt“, sagt Sportchef Frank Baumann: „Es ist ja bekannt, dass wir mit Zlatko gerne verlängern wollen, und dass auch er sich vorstellen kann, zu bleiben. Die Grundvoraussetzungen stimmen also.“

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Im Juli hat Junuzovic das Angebot zur Vertragsverlängerung abgelehnt, weil er künftig wesentlich weniger verdienen soll. Etwas ungewöhnlich bei einem Spieler, der gerade zum Kapitän aufgestiegen war. Die Folge: Junuzovic wäre beinahe zu Trabzonspor gewechselt. Die Türken lockten mit viel Geld. Die Gerüchte über einen Wechsel hielten sich so hartnäckig wie die in der Vorbereitung aufgetauchten Fußprobleme. Doch Werder winkte ab. Die angebotene Ablöse von fünf Millionen Euro reichte nicht, um schwach zu werden. Das könnte sich jetzt auszahlen, wenn der Österreicher gesund bleibt und durchstartet.

Bis zur Vertragsverlängerung bleibt es dennoch ein weiter Weg. So sehr sich Junuzovic über sein sportliches Comeback freut, so kühl begegnet er den Aussagen Baumanns zum Thema. „Schau‘n wir mal, was bei den Gesprächen herauskommt.“ Fest steht nur, dass er – Fuß hin oder her – Vollgas geben und seine Nationalmannschaft nach 55 Einsätzen in über zehn Jahren vermissen wird. „Ich habe dort Freunde fürs Leben gefunden“, sagt: „Aber manche Entscheidungen sind eben schmerzhaft.“ Und sollen gleichzeitig in der Zukunft aber auch Schmerzen vermeiden.

Zlatko Junuzovic: Seine Karriere in Bildern

Zlatko Junuzovic
Zlatko Junuzovics Karriere begann in seiner Heimat Österreich. Nach seiner Jugendzeit in Graz wechselte „Zladdi“ im Sommer 2007 zu Austria Kärnten. Dort blieb er zwei Jahre.  © imago
Zlatko Junuzovic
Dann schloss er sich dem 24-fachen Meister Austria Wien an, wo er für drei Jahre spielte. © imago
Zlatko Junuzovic
Im Januar 2012 holten Trainer Thomas Schaf und Manager Klaus Allofs den Mittelfeld-Allrouner an die Weser. Bei Werder unterschrieb Junuzovic bis Sommer 2015. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Der Österreicher war bei Werder direkt gefordert... © nordphoto
Zlatko Junuzovic
...und stand in der Rückrunde der Saison 15 Mal auf dem Platz - meistens über die volle Spielzeit. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
In der Saison 2013/14 schoss der Österreicher den 1:0-Siegtreffer im Nordderby gegen den Hamburger SV. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Im Februar 2015 verlängerte Junuzovic seinen Vertrag vorzeitig bis 2018. Werder-Anhänger machten sich zuvor mit Sprechchören und Plakaten für den Verbleib von Junuzovic stark. Unter dem Hashtag #JunobleibtBremer fanden viele Fans zusammen. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Seine wohl beste Saison bei den Grün-Weißen spielte der Mittelfeldspieler 2014/15. Am Ende dieser Spielzeit standen sechs Treffer und 16 Torvorlagen auf Junuzovics Konto. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Der österreichische Nationalspieler biss immer auf die Zähne und zählt zu den Führungsspielern in Bremen. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Nach dem Karriereende von Clemens Fritz wurde Junuzovic von Cheftrainer Alexander Nouri zum Kapitän ernannt. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Seit der Saison 2017/18 trägt er nun die Binde als neuer Spielführer. Ganz neu ist das für den Profi aber nicht. Zuvor war er schon Vizekapitän gewesen. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Am 13. Oktober 2017 gab Junuzovic überraschend sein Karriere-Ende in der österreichischen Nationalmannschaft bekannt. Er kam auf 55 Einsätze in der ÖFB-Elf. © imago
Zlatko Junuzovic
In der Rückrunde der Saison 2017/18 hat Junuzovic trotz Kapitänsbinde seinen unangefochtenen Stammplatz verloren und musste das eine oder andere Mal - besonders bei Auswärtsspielen - auf der Bank Platz nehmen. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Ein ganz wichtiges Tor für Werder schoss Junuzovic gegen Schalke 04, als er in der Nachspielzeit den Ball zum 2:1-Auswärtssieg über die Linie stocherte. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Dank Junuzovics Treffer bejubelte Werder einen ganz wichtigen Sieg im Kampf um den Klassenerhalt. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Nach Jahren voller Wechsel-Spekulationen geht im Sommer 2018 das Kapitel Junuzovic bei Werder zu Ende. Dass der Kapitän von Bord geht, teilte der SV Werder am 23. April 2018 mit. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Junuzovic wurde beim letzten Heimspiel der Saison im Weserstadion offiziell verabschiedet. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Der 30-Jährige genoss die letzten Momente im Weserstadion gemeinsam mit Sohn Clemens. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Die Werder-Fans bescherten Junuzovic einen schönen Abschied. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Junuzovic wechselt zurück in seine österreichische Heimat. Ziel ist Serienmeister RB Salzburg. © gumzmedia

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