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Werder-Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald spricht über neue Strukturen und den eigenen Posten.

Hess-Grunewald im Interview über Schaaf

„Eine Konstante, kein Über-Trainer“

Bremen - Wie sieht der SV Werder der Zukunft aus? Mit dieser Frage haben sich in den zurückliegenden Monaten viele Köpfe viele Gedanken gemacht.

Eine zehn Personen umfassende Satzungs- und Strukturkommission hat geprüft, ob und wie Werder der eigenen Führungsetage Umbauten verordnen muss. Und die Geschäftsführung hat darüber nachgedacht, wie auf dem sportlichen Sektor nachhaltige Verbesserungen geschaffen werden können. Das Stichwort „Technischer Direktor“ verbunden mit dem Namen Thomas Schaaf macht nun die Runde. Die DeichStube hat sich mit Werder-Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald getroffen und die Themen besprochen – Schaaf ist dabei nur eines, das den 56-Jährigen bewegt.

Herr Hess-Grunewald, wann wird Thomas Schaaf Technischer Direktor bei Werder?

Hubertus Hess-Grunewald: Das weiß ich nicht, weil noch gar nicht entschieden ist, ob wir diese Position überhaupt schaffen werden. Das Thema gehört zu einem Strategieprozess, mit dem wir uns seit einem Jahr beschäftigen.

Haben Sie schon mit Thomas Schaaf darüber gesprochen?

Hess-Grunewald: Ich persönlich nicht. Aber darum geht es jetzt auch noch nicht. Der Grundgedanke ist: Wir wollen eine größere Nachhaltigkeit im Bereich des Profi-Fußballs und des Leistungszentrums erlangen. Dafür benötigen wir eine Konstante im Verein, die unabhängig von personellen Wechseln auf der Position des Cheftrainers ist. Das könnte ein Technischer Direktor sein, der nicht zur Geschäftsführung gehören soll, sondern eine Ebene darunter – also auf Augenhöhe mit dem Direktor Leistungszentrum – arbeitet. Der neue Mann soll sich um die Ausbildung der Spieler und Trainer kümmern sowie unsere Spielphilosophie prägen.

Wenn der Technische Direktor die Spielphilosophie bestimmt, mischt er sich dann nicht automatisch in die Arbeit des Cheftrainers ein?

Hess-Grunewald: Nein, es geht ja nicht ums Spielsystem. Ob wir mit Dreier- oder Fünferkette spielen, entscheidet allein der Trainer. Der Technische Direktor wird kein Über-Trainer sein und auch kein Trainerflüsterer.

Sondern?

Hess-Grunewald: Nehmen wir unsere Spielphilosophie: Kombinationsfußball, handlungsorientiert, aktiv, offensiv ausgerichtet – so wollen wir unsere Talente ausbilden. Um dies über einen langen Zeitraum hinzubekommen, geht das nur über eine personelle Kontinuität. Es muss jemand sicherstellen, dass diese Inhalte gelehrt und auch vertreten werden.

Ist Thomas Schaaf ein Kandidat?

Hess-Grunewald: Natürlich könnte er das sein.

Ist der Name Thomas Schaaf nicht zu groß für die Aufgabe?

Hess-Grunewald: Thomas hat sich in dieser Frage ja schon bei Ihnen im Gespräch mit der DeichStube geäußert. Das hat er in ganz vernünftiger Art und Weise gemacht. Ich glaube, genau in diese Richtung muss man es auch beantworten. Aber es ist noch nichts entschieden.

Wann wird das passieren?

Hess-Grunewald: Wir haben festgelegt, dass diese Stelle, wenn überhaupt, frühestens ab dem 1. Juli 2018 besetzt wird. Die inhaltliche Ausgestaltung, die Abgrenzung zu den anderen Positionen und die Finanzierbarkeit müssen noch geklärt werden. Wir sind da in einem Prozess, der nicht nur dieses Thema betrifft.

Welche Themen noch?

Hess-Grunewald: Wir haben uns auf fünf Feldern mit der Strategie der Kapitalgesellschaft auseinandergesetzt - vor allem mit dem Bereich Profifußball und Leistungszentrum. Was können wir da tun? Eine Antwort war, den Fußball in der Geschäftsführung in eine Hand zu legen. Bislang ist Frank Baumann für die Profis und die U23 zuständig, ich für den Rest. Eine Zentralisierung macht aber absolut Sinn. Um das an dieser Stelle aber klar zu sagen: Die Stelle des Technischen Direktors, so sie denn geschaffen werden sollte, ist kein Teil dieser Pläne und hat mit der Umverteilung innerhalb der Geschäftsführung oder einer Entlastung für Frank Baumann nichts zu tun. Die Umverteilung haben wir dem Aufsichtsrat bereits vorgestellt. Dort wurde der Vorschlag sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen. Aber wir müssen dabei die Satzung des Vereins beachten.

Netzreaktionen: „Wenn Jupp das kann, warum ein Schaaf nicht auch?“

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Warum?

Hess-Grunewald: Die Satzung sagt eindeutig, dass der vom Verein entsendete Geschäftsführer (aktuell ist das Hess-Grunewald, d. Red.) automatisch für das Leistungszentrum zuständig ist. Deswegen müssen wir nun die Satzung ändern, um eine neue Struktur zu schaffen.

Wie soll die aussehen?

Hess-Grunewald: Es gibt drei Säulen. Für den Sport ist Frank Baumann zuständig – also für jeglichen Fußball außer Frauen-Fußball. Das Kaufmännische, also Finanzen, Marketing, Kommunikation, macht wie gehabt Klaus Filbry. Und ich kümmere mich um die anderen Sportarten inklusive Frauen-Fußball – zudem um die Themen Infrastruktur, Organisation, Verwaltung, Recht und Personal. Es ist wie in einer Klinik: ärztlicher Direktor, Verwaltungsdirektor, Pflegedirektor.

Wie muss dafür die Satzung geändert werden?

Hess-Grunewald: Das Aufgabengebiet des vom Verein entsendeten Geschäftsführers darf nicht mehr festgeschrieben sein, sondern soll – wie bei den anderen beiden Geschäftsführern auch – vom Aufsichtsrat festgelegt werden. Einzige Ausnahme: Der entsendete Geschäftsführer soll sich auch weiterhin um die aus dem Verein ausgegliederten Leistungsteams im Tischtennis, Handball und Schach kümmern.

Ihr Vorgänger Klaus-Dieter Fischer hat vor einem Jahr gefordert, die Geschäftsführung auf zwei Mitglieder zu verkleinern und auf eine Entsendung durch den Verein zu verzichten.

Hess-Grunewald: Die extra eingerichtete Strukturkommission hat klar gesagt, dass es weiter einen entsendeten Geschäftsführer geben soll – allerdings mit ein paar Veränderungen. Zum einen wie erwähnt das Aufgabengebiet, zum anderen muss der Geschäftsführer nicht mehr zwangsläufig aus dem dreiköpfigen geschäftsführenden Präsidium stammen. Das Präsidium soll frei sein, wen es entsendet. Es kann also auch ein Externer sein.

Es ging bei dem Vorschlag, die Geschäftsführung zu verschlanken, auch um Ihre Person. Sind Sie nun erleichtert?

Hess-Grunewald: Als der Antrag gestellt wurde, musste ich natürlich damit rechnen, dass ich am Ende nicht mehr Geschäftsführer sein könnte. Ich bin aber immer noch Jurist und habe in den letzten drei Jahren meine Fortbildungen gemacht, so dass ich meine Tätigkeit als Rechtsanwalt jederzeit wieder aufnehmen könnte. Diesen Plan B habe ich immer noch. Schließlich gilt mein Anstellungsvertrag bis zum 31. Dezember 2018, davor gibt es Neuwahlen. Was mich in den vergangenen Monaten aber unglaublich gefreut hat, war der enorme Rückhalt, den ich aus den verschiedenen Gremien, aus der Mitgliederschaft und von Sponsoren bekommen habe.

Tut es Ihnen weh, den wichtigen Bereich Leistungszentrum abgeben zu müssen?

Hess-Grunewald: Ein Stück weit ja. Aber die Frage musste ja auch sein, wie es nach mir irgendwann weitergehen könne. Dann habe ich gesagt, ich akzeptiere, dass man den Bereich gerne beim Geschäftsführer Sport aufgehoben wissen will. Von daher ist es auch in Ordnung für mich.

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