+
Florian Kohfeldts Team hatte am vergangenen Spieltag den Topwert in Sachen Laufleistung.

Werder-Spieler sind topfit

Laufend erfolgreich

Bremen - Werder Bremen ist eines der fittesten Teams der Bundesliga – und das ist auch Verdienst des Ex-Trainers.

Alexander Nouri hat es damals getan, öffentlich und damit sehr medienwirksam: Kurz nachdem er im Herbst 2016 das Traineramt bei Werder von Viktor Skripnik übernommen hatte, stellte er den Fitness-Zustand der Mannschaft in Frage. „Unsere Analysen zeigen, dass wir uns im Fitnessbereich weiterentwickeln müssen“, sagte Nouri damals. 

Dann kam er zu dem Schluss: „Das Konzept in der Sommervorbereitung ging nicht auf wie geplant.“ Es war durchaus deftige und in der Branche ungewöhnliche Kritik an der Arbeit des Vorgängers. Ziemlich genau ein Jahr liegen diese Aussagen nun zurück. Werders Trainer heißt inzwischen Florian Kohfeldt – und der betreut eine der fittesten Mannschaften der Liga. Am Dienstag hat der 35-Jährige erklärt, wie die starken Laufwerte zustandekommen und warum auch Nouri großes Lob dafür gebührt.

125,5 – mehr hat in der laufenden Bundesliga-Saison nur eine Mannschaft geschafft: der SC Freiburg. Bei der 1:3-Niederlage in Wolfsburg liefen die Profis aus dem Breisgau kürzlich stolze 128,8 Kilometer – Spitzenwert (siehe Tabelle unten). Dann kommt schon Werder, mit besagten 125,5 Kilometern, abgespult am vergangenen Samstag beim so wichtigen 1:0-Heimerfolg gegen den VfB Stuttgart. „In dem Spiel war es das Mittel, das notwendig war, um das Spiel zu gewinnen“, sagte Kohfeldt zur starken Laufleistung seines Teams.

Kohfeldt schickt Grüße an Vorgänger Nouri

Werder hatte nicht in allen Phasen der Partie gegen den Ball den nötigen Zugriff auf den Gegner, „dementsprechend war es notwendig, die Räume zuzulaufen. Das haben die Jungs überragend gemacht“, lobte Kohfeldt, der natürlich weiß, dass es im Abstiegskampf auch auf die berühmten Grundtugenden ankommt. „Viele Bundesliga-Spiele werden in wenigen Momenten entschieden. Mal sind es spielerische, am Samstag waren es kämpferische.“

Genau das erwartet der Coach von seinem Team: „Wenn das eine nicht so gut funktioniert, dann muss man es anders reparieren.“ Dass Werder fußballerisch in der Lage ist, Gegner vor Probleme zu stellen, hat die Mannschaft unter Kohfeldt schon bewiesen. Seit Samstag ist klar: Körperlich ist sie auch fit genug – und an diesem Punkt kommt Nouri ins Spiel. Kohfeldt will das Lob für die hohen Laufwerte nämlich gar nicht haben, schiebt es direkt zu seinem Vorgänger weiter.

„Das auf mich zu beziehen, halte ich für sehr verwegen. Die Spieler sind körperlich in einem sehr guten Zustand. Die Grundlagen dafür wurden im Sommer gelegt. Ich habe eine topfitte Mannschaft übernommen“, sagte der Coach – und betonte: „Da muss ich mich nicht mit fremden Federn schmücken.“ Pikant: Kohfeldt war damals Skripniks Co-Trainer, heißt: Ein Teil der Nouri-Kritik ging im Herbst 2016 auch in seine Richtung.

Florian Kohfeldt: Seine Karriere in Bildern

Viktor Skripnik und Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt spielte von 2001 bis 2009 in Werders dritter Mannschaft, wechselte dann ins Trainerfach. Als Co-Trainer von Viktor Skripnik war er vier Jahre lang bei der U17 tätig, in der Saison 2013/14 dann auch bei Werders U23. © nordphoto
Viktor Skripnik, Florian Kohfeldt und Torsten Frings
Im Oktober 2014 wurde Skripnik nach der Entlassung Robin Dutts Cheftrainer bei den Profis. Seine Co-Trainer bei der U23, Kohfeldt und Torsten Frings, folgten ihm in die Bundesliga. © Gumz
Florian Kohfeldt und Viktor Skripnik
In 70 Pflichtspielen der Profis saß Kohfeldt auf der Werder-Bank. © nordphoto
Florian Kohfeldt
Nachdem Skripnik im September 2016 gehen musste und U23-Trainer Alexander Nouri seinen Posten übernahm, kehrte Kohfeldt zu Werders U23 zurück.  © nordphoto
Florian Kohfeldt
Seit Oktober 2016 ist er dort als Trainer tätig und schaffte in der Saison 2016/17 den Klassenerhalt. © Gumz
Alexander Nouri und Florian Kohfeldt
Nach der Entlassung von Alexander Nouri (l.) am 30. Oktober 2017 übernahm Fußballlehrer Kohfeldt die Bundesliga-Mannschaft interimsweise als Cheftrainer. © nordphoto
Florian Kohfeldt
Kohfeldt genießt bei Werder eine sehr hohe Wertschätzung. „Er kann Spieler weiterentwickeln. Er hat eine klare Ansprache. Er ist ein intelligenter, junger, innovativer Trainer“, lobte Sportchef Frank Baumann nach Kohfeldts Beförderung. © Gumz
Florian Kohfeldt
Zwar setzte Kohfeldt in seinem ersten Erstliga-Spiel als Cheftrainer mit Werder neue Impulse, das Spiel gegen Eintracht Frankfurt ging durch ein spätes Gegentor trotzdem mit 1:2 verloren. © Gumz
Florian Kohfeldt
Doch unter Kohfeldt ging es aufwärts. Am 10. November meldete Werder Vollzug: Kohfeldt bleibt Cheftrainer - zunächst bis zur Winterpause. © nordphoto
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt hatte Erfolg, wurde fest als Cheftrainer installiert und führte Werder aus der Abstiegszone in der Bundesliga. © Gumz
Florian Kohfeldt
Anfang April 2018 unterschrieb Kohfeldt einen Vertrag bei Werder bis 2021. © Gumz
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt blieb in der Saison 2017/2018 in allen zwölf Heimspielen als Cheftrainer ungeschlagen. © Gumz
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt hat Werder eine neue Handschrift und Mentalität verpasst. Mit ihm soll es nun wieder dauerhaft aufwärts gehen. © Gumz

Am Dienstag stellte der 35-Jährige nun klar, dass er einen Vergleich mit Nouri „unter allen Umständen“ vermeiden möchte. „So etwas gehört sich nicht.“ Allerdings gibt es da durchaus einen Fitness-Punkt, in dem Werder unter Kohfeldt statistisch noch ein Stück besser geworden ist. Etwa sechs Kilometer mehr läuft die Mannschaft nun während ihrer Spiele. Warum das so ist, hat Kohfeldt sehr anschaulich erklärt.

„Wir haben in den Vordergrund gestellt, dass wir in Ballbesitz sehr hoch nach vorne rücken. Dadurch entsteht gerade für die Innenverteidiger eine deutlich höhere Laufleistung.“ Im Schnitt führe das eben auch dazu, dass der Gesamtwert der Mannschaft steige. Gegen Stuttgart lief Innenverteidiger Niklas Moisander 11,26 Kilometer, sein Nebenmann Milos Veljkovic brachte es auf 11,06. Nouri ließ seine Dreierkette nie weit aufrücken, setzte lieber auf Sicherheit.

Zum Vergleich: In Nouris letztem Spiel gegen Augsburg kam Moisander auf 9,93 Kilometer, Lamine Sane auf 9,58. Wenn Nouri im Sommer also die körperlichen Grundlagen geschaffen hat, dann setzt Kohfeldt sie jetzt richtig ein. Auch in der nun bevorstehenden englischen Woche sieht der Coach körperlich kein Problem auf seine Elf zukommen. Er weist aber trotzdem darauf hin, dass es „kein Selbstläufer“ wird. Passt ganz gut, dieses Wort.

Werder-Laufleistungen unter Kohfeldt in der Übersicht

Rang

11. Spieltag

12. Spieltag

13. Spieltag

14. Spieltag

01.

TSG Hoffenheim (120,1 km)

SC Freiburg (128,8 km)

Borussia Mönchengladbach (123,5 km)

Werder Bremen (125,5 km)

02.

Mainz 05 (119,5 km)

VfL Wolfsburg (123,6 km)

Werder Bremen (121,7 km)

Hannover 96 (123,2 km)

03.

Werder Bremen (119,2 km)

TSG Hoffenheim (120,9 km)

RB Leipzig (120,6 km)

VfL Wolfsburg (120,4 km)

04.

SC Freiburg (119,1 km)

VfB Stuttgart (119,8 km)

SC Freiburg (120,1 km)

TSG Hoffenheim (120,3 km)

05.

Borussia Mönchengladbach (118,1 km)

Eintracht Frankfurt (119,5 km)

Bayern München (119,1 km)

VfB Stuttgart (118,0 km)

06.

Eintracht Frankfurt (118,0 km)

Borussia Mönchengladbach (119,0 km)

Bayer Leverkusen (118,2 km)

Borussia Dortmund (117,0 km)

07.

Schalke 04 (117,8 km)

Borussia Dortmund (118,4 km)

Eintracht Frankfurt (118,0 km)

Bayern München (116,8 km)

08.

Hannover 96 (115,1 km)

Hamburger SV (118,2 km)

Hertha BSC (117,8 km)

Schalke 04 (116,8 km)

09.

Hertha BSC (114,8 km)

Werder Bremen (117,6 km)

Schalke 04 (117,3 km)

Bayer Leverkusen (116,3 km)

10.

Bayer Leverkusen (114,3 km)

Mainz 05 (117,5 km)

Hannover 96 (117,0 km)

Eintracht Frankfurt (115,4 km)

11.

RB Leipzig (114,3 km)

Schalke 04 (116,6 km)

Mainz 05 (116,2 km)

Borussia Mönchengladbach (115,2 km)

12.

Hamburger SV (113,8 km)

1. FC Köln (116,3 km)

Borussia Dortmund (115,7 km)

RB Leipzig (114,2 km)

13.

VfL Wolfsburg (113,6 km)

Hannover 96 (115,5 km)

FC Augsburg (115,3 km)

SC Freiburg (114,0 km)

14.

1. FC Köln (112,9 km)

Hertha BSC (115,4 km)

VfB Stuttgart (113,9 km)

Hamburger SV (113,3 km)

15.

FC Augsburg (112,0 km)

RB Leipzig (114,7 km)

1. FC Köln (113,3 km)

FC Augsburg (112,9 km)

16.

Borussia Dortmund (111,9 km)

Bayer Leverkusen (111,2 km)

Hamburger SV (113,2 km)

1. FC Köln (112,7 km)

17.

Bayern München (109,7 km)

FC Augsburg (108,3 km)

TSG Hoffenheim (112,9 km)

Hertha BSC (112,5 km)

18.

VfB Stuttgart (105,8 km)

Bayern München (106,9 km)

VfL Wolfsburg (107,7 km)

Mainz 05 (111,4 km)

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare