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Zeigt sich da ein kleines Lächeln im Gesicht von Alexander Nouri? Der Werder-Trainer reagierte insgesamt verhalten auf den Sieg in Mainz.

Werder-Erfolg gegen Mainz

Einfach nur ein Sieg - aber Nouri hat wieder mehr Ruhe

Bremen/Mainz - Von Carsten Sander. Werder Bremen hat bei Mainz 05 den ersten Bundesliga-Sieg 2017 geholt und den zweiten Trainerwechsel der Saison abgewendet - vorerst jedenfalls. Denn noch ist es nur ein Sieg.

Die Vorahnungen waren dunkel gewesen. Am Tag nach dem Spiel bei Mainz 05 würde Alexander Nouri sehr viel Zeit für Privates haben – dann, wenn Werder Bremen auch dieses Spiel verloren hätte. Was Werder nicht tat. Werder gewann 2:0 (2:0), Nouri behält folglich seinen Job – und gönnte sich am Tag danach doch das, was ihm die Schwarzseher prophezeit hatten: eine große Portion Privates. Nouri begleitete den eigenen Nachwuchs zu einem Fußball-Hallenturnier nach Syke – der Trainer war einfach mal Papa, fernab des Bundesliga-Stresses.

Von der ganz großen Fußball-Bühne runter auf die ganz kleine – auch so kann Entspannung aussehen. Wobei von Entspannung bei Nouri in Mainz keine Rede sein konnte. Dem 37-Jährigen war der Druck, der auf ihm und der Mannschaft gelastet hatte, auch nach dem Abpfiff noch deutlich anzumerken gewesen. Als der erste Sieg im Jahr 2017 feststand, blies der Coach nur kurz die Wangen auf, kein Lächeln zeigte sich auf seinem Gesicht.

Anschließend sprach der sonst so emotionale Nouri auch nur zögerlich, fast widerwillig von Erleichterung. Lieber wählte er das Wort Bescheidenheit, um seinen Umgang mit dem ersten Erfolg nach zuvor vier Niederlagen am Stück zu beschreiben. „Es bedarf gar nicht vieler Worte. Es freut mich einfach für die Mannschaft, dass sie den Lohn für eine ansprechende Leistung bekommen hat“, sagte der 37-Jährige und lobte Geschlossenheit, Disziplin und Teamspirit der Spieler. Über sich sprach er dagegen nicht.

Der Trainerwechsel ist abgewendet - vorerst jedenfalls

Das übernahmen andere. Robert Bauer zum Beispiel. Er entschuldigte sich quasi im Namen der Spieler dafür, dass die Partie in Mainz schon zum vermeintlichen Nouri-Endspiel geworden war. „Wir Spieler müssen uns hinterfragen, wenn der Trainer in der Kritik steht. Wenn wir unsere Leistung gebracht hätten, wäre es nicht so weit gekommen“, sagte der Außenverteidiger und bekannte: „Wir wussten alle, was für uns auf dem Spiel stand.“ Womöglich der zweite Trainerwechsel der Saison.

Doch der ist abgewendet. Jedenfalls vorerst. Nouri forderte, dass nach dem „ersten Schritt“ nun weitere folgen müssen. Logisch. Denn, so Bauer, „wir sind da unten noch lange nicht raus“. Eigentlich hat Werder mit dem Sieg sogar nur Schadensbegrenzung betrieben. Der 2:0-Überraschungscoup des FC Ingolstadt bei Eintracht Frankfurt hätte die Bremer ohne eigenen Sieg auf einen direkten Abstiegsplatz gezogen. So bleibt Werder auf dem Relegationsrang, rückte aber immerhin bis auf einen Zähler an den HSV heran.

Nouris Rettung nur eine Begleiterscheinung

Auch wenn die Tabelle durch das 2:0 nicht auf links gekrempelt wurde, sei der Sieg doch „richtig gut für den Kopf“, meinte Robert Bauer und analysierte: „Wir haben ekelig gewonnen – mit Standards.“ Serge Gnabry per Kopf nach einer Ecke (16.) und Thomas Delaney per Freistoß (23.) hatten für Werder getroffen. Der Rest war Kampf, den Sportchef Frank Baumann mit voller Berechtigung „aufopferungsvoll“ nannte.

Werder – auf dem Platz wieder zum 4-4-2 mit Kapitän Clemens Fritz als Teil der Doppelsechs zurückgekehrt – gab alles. Aber ein Sieg explizit für Nouri sei es laut Fritz nicht gewesen: „Jetzt zu sagen, wir hätten für den Trainer gespielt, würde ja bedeuten, wir hätten vorher gegen ihn gespielt. Und das ist totaler Blödsinn.“ Nouris Rettung war demnach nur eine Begleiterscheinung.

Hintergrund: "Guter Effekt"

Das Kurztrainingslager in Wiesbaden hatte Werder Bremen am Donnerstag mit einem lockeren Teamabend samt Trainern und allen Betreuern in einem Steakhouse garniert – war das Gesamtpaket vielleicht sogar der Schlüssel zum Erfolg in Mainz? „Wir haben dadurch sicher nochmal den Ernst der Situation unterstrichen, sind enger zusammengerückt“, meinte Sportchef Frank Baumann und erklärte: „Es war ein guter, wichtiger Effekt, man sollte es aber nicht überbewerten.“ So sah es auch Verteidiger Robert Bauer: „Ich glaube nicht, dass der Einfluss des Trainingslagers so groß war.

Einzelkritik: Ein bissiger Bauer und ein fitter Fritz 

Was für eine Antwort auf die Torwartfrage! Wiedwald spielte so stark wie selten zuvor. Drei richtig gute Paraden gegen Cordoba (31.) und De Blasis (50./88.). Die kleine Unsicherheit kurz vor Schluss blieb folgenlos, weil Torschütze Cordoba im Abseits stand. Note 1,5
Was für eine Antwort auf die Torwartfrage! Wiedwald spielte so stark wie selten zuvor. Drei richtig gute Paraden gegen Cordoba (31.) und De Blasis (50./88.). Die kleine Unsicherheit kurz vor Schluss blieb folgenlos, weil Torschütze Cordoba im Abseits stand. Note 1,5 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie: Zurück in der Startelf – und das mit viel Aggressivität. Der rechte Verteidiger bekämpfte den schnellen Jairo und gewann die wichtigsten Duelle. Auf den Vorwärtsgang verzichtete der Tscheche. Note 2,5
Theodor Gebre Selassie: Zurück in der Startelf – und das mit viel Aggressivität. Der rechte Verteidiger bekämpfte den schnellen Jairo und gewann die wichtigsten Duelle. Auf den Vorwärtsgang verzichtete der Tscheche. Note 2,5 © nordphoto
Lamine Sane: Hatte es nicht leicht gegen Cordoba, der ihm einmal ganz böse entwischte, aber dann das 1:1 verpasste (31.). Der Senegalese ist längst noch nicht in Topform, aber auf dem Wege der Besserung. Note 3,5
Lamine Sane: Hatte es nicht leicht gegen Cordoba, der ihm einmal ganz böse entwischte, aber dann das 1:1 verpasste (31.). Der Senegalese ist längst noch nicht in Topform, aber auf dem Wege der Besserung. Note 3,5 © nordphoto
Niklas Moisander: Der eiskalte Finne ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen und hätte beinahe sogar getroffen (51.). Ein richtig guter Abwehrchef. Note 2
Niklas Moisander: Der eiskalte Finne ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen und hätte beinahe sogar getroffen (51.). Ein richtig guter Abwehrchef. Note 2 © nordphoto
Robert Bauer: Wenn der Gegenspieler zur Pause in der Kabine bleibt, dann ist das eine Auszeichnung. Mit Öztunali-Ersatz De Blasis hatte der bissige Bauer dann aber mehr Mühe. Trotzdem: Bauer macht auch als Rechtsfuß die linke Abwehrseite besser dicht als Santiago Garcia. Note 2,5
Robert Bauer: Wenn der Gegenspieler zur Pause in der Kabine bleibt, dann ist das eine Auszeichnung. Mit Öztunali-Ersatz De Blasis hatte der bissige Bauer dann aber mehr Mühe. Trotzdem: Bauer macht auch als Rechtsfuß die linke Abwehrseite besser dicht als Santiago Garcia. Note 2,5 © nordphoto
Fin Bartels: So viel unterwegs wie kein anderer Bremer (11,47 Kilometer), dabei war er im rechten Mittelfeld gar nicht so auffällig. Bei den Kontern agierte er manchmal etwas zu fahrig. Note 3,5
Fin Bartels: So viel unterwegs wie kein anderer Bremer (11,47 Kilometer), dabei war er im rechten Mittelfeld gar nicht so auffällig. Bei den Kontern agierte er manchmal etwas zu fahrig. Note 3,5 © nordphoto
Clemens Fritz: Der Kapitän ist zurück – und Werder auf dem richtigen Kurs. Stark, wie er Krkic bearbeitete. Kämpferisch klasse, spielerisch okay. Sein abgeklärtes Auftreten ist für die Mannschaft extrem wichtig. Note 2,5
Clemens Fritz: Der Kapitän ist zurück – und Werder auf dem richtigen Kurs. Stark, wie er Krkic bearbeitete. Kämpferisch klasse, spielerisch okay. Sein abgeklärtes Auftreten ist für die Mannschaft extrem wichtig. Note 2,5 © nordphoto
Thomas Delaney (bis 54.): Jetzt trifft er auch noch! Und wie! Traumhafter Freistoß zum 2:0. Schon beim 1:0 hatte der Däne mitgewirkt und Torschütze Gnabry freigeblockt. Bitter, dass er schon nach 54 Minuten nach einem Zusammenprall mit Ramalho mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ausgewechselt werden musste. Note 1,5
Thomas Delaney (bis 54.): Jetzt trifft er auch noch! Und wie! Traumhafter Freistoß zum 2:0. Schon beim 1:0 hatte der Däne mitgewirkt und Torschütze Gnabry freigeblockt. Bitter, dass er schon nach 54 Minuten nach einem Zusammenprall mit Ramalho mit Brüchen im Gesicht ausgewechselt werden musste. Note 1,5 © nordphoto
Zlatko Junuzovic (bis 89.): Auf seiner eher ungeliebten linken Seite probierte der Österreicher wirklich alles – sogar eine Schwalbe, für die es Gelb gab (25.). Seine lange Ecke führte zum 1:0, sein Flugkopfball auf der Linie verhinderte Bells Anschlusstreffer (60.). Note 2,5
Zlatko Junuzovic (bis 89.): Auf seiner eher ungeliebten linken Seite probierte der Österreicher wirklich alles – sogar eine Schwalbe, für die es Gelb gab (25.). Seine lange Ecke führte zum 1:0, sein Flugkopfball auf der Linie verhinderte Bells Anschlusstreffer (60.). Note 2,5 © nordphoto
Serge Gnabry (bis 76.): Die hängende Spitze mit allen Freiheiten – den Plan fanden offenbar auch die Mainzer gut und ließen ihn ungehindert das 1:0 köpfen (16.). Ansonsten nicht so auffällig, konnte nur selten für Entlastung sorgen. Note 3
Serge Gnabry (bis 76.): Die hängende Spitze mit allen Freiheiten – den Plan fanden offenbar auch die Mainzer gut und ließen ihn ungehindert das 1:0 köpfen (16.). Ansonsten nicht so auffällig, konnte nur selten für Entlastung sorgen. Note 3 © nordphoto
Max Kruse: Wenn aus dem Spiel heraus nach vorne etwas ging, dann eigentlich nur über ihn. Machte die Bälle gut fest, holte den Freistoß zum 2:0 heraus. Nach dem Wechsel vorne nicht mehr so präsent. Note 3
Max Kruse: Wenn aus dem Spiel heraus nach vorne etwas ging, dann eigentlich nur über ihn. Machte die Bälle gut fest, holte den Freistoß zum 2:0 heraus. Nach dem Wechsel vorne nicht mehr so präsent. Note 3 © nordphoto
Maximilian Eggestein (ab 54.): Kam für den verletzten Delaney und agierte nicht so spektakulär wie der Däne. Ihm fehlte ein wenig die Überzeugung, gute Ansätze zu vollenden. Note 3,5
Maximilian Eggestein (ab 54.): Kam für den verletzten Delaney und agierte nicht so spektakulär wie der Däne. Ihm fehlte ein wenig die Überzeugung, gute Ansätze zu vollenden. Note 3,5 © Archivbild / nordphoto
Milos Veljkovic (ab 76.): Stammplatz weg, aber für die Schlussphase wichtig. Note -
Milos Veljkovic (ab 76.): Stammplatz weg, aber für die Schlussphase wichtig. Note - © nordphoto
Santiago Garcia (ab 89.): Auch er ist raus aus der Startelf, aber wenigstens noch kurz dabei. Note -
Santiago Garcia (ab 89.): Auch er ist raus aus der Startelf, aber wenigstens noch kurz dabei. Note - © nordphoto

Quelle: kreiszeitung.de

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