Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz spricht im DeichStube-Interview über das DFB-Pokal-Spiel gegen den SV Werder Bremen.
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Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz spricht im DeichStube-Interview über das DFB-Pokal-Spiel gegen den SV Werder Bremen.

Wollitz im DeichStube-Interview

„Wir wollen Werder verunsichern“: „Pele“ Wollitz plant mit Energie Cottbus den Pokalcoup und schwärmt von zwei Bremern

Cottbus – Die Favoritenrolle schiebt Claus-Dieter Wollitz natürlich dem SV Werder Bremen zu – und trotzdem hofft der Coach des Regionalligisten Energie Cottbus am Montagabend (18 Uhr im DeichStube-Liveticker) auf den Pokalcoup gegen den Bundesligisten. „Wir wissen auch, wie der Ball ins Tor muss“, sagt der 56-Jährige, der in Fußball-Deutschland vor allem als „Pele“ Wollitz bekannt ist. Der Ex-Profi verrät im Interview mit der DeichStube, dass ihn Otto Rehhagel einst zu Werder holen wollte, und er schwärmt von Sportchef Frank Baumann genauso wie von Angreifer Leonardo Bittencourt.

Sie sind seit vielen Jahren im Geschäft als Spieler und Trainer. An welche Begegnungen mit Werder Bremen erinnern Sie sich, Claus-Dieter Wollitz?

Im Halbfinale des Pokals sind wir mit Bayer Leverkusen mal auf Werder getroffen. Mit Kaiserslautern habe ich öfter im Weserstadion gespielt, als Otto Rehhagel an der Weser noch trainierte. Und vor allem erinnere ich mich an mein letztes Bundesligaspiel als Profi 2002: 1. FC Köln gegen Werder am 34. Spieltag.

Vor Werder Bremen gegen Cottbus: Energie-Trainer „Pele“ Wollitz im DeichStube-Interview

Wie waren die Aufeinandertreffen?

Immer gut, immer bestens. Auch die Freundschaftsspiele mit dem VfL Osnabrück gegen die Bremer mit Trainer Thomas Schaaf. Es war immer ein angenehmer Austausch mit den Bremern, die ein hohes Maß an Respekt verkörpert haben.

Gab es mal in Ihrer Karriere einen Moment, in dem Sie engeren Kontakt zu Werder Bremen hatten?

Otto Rehhagel hatte mal großes Interesse, mich zu verpflichten. Er erkundigte sich seinerzeit auch bei meinem ehemaligen Trainer Rolf Schafstall. Doch es ist nicht zu einem Transfer gekommen – warum auch immer. Ich bin damals bei der Berliner Hertha gelandet.

Wie beurteilen Sie die letzten Jahre von Werder?

Natürlich habe ich Werder stets besonders verfolgt, immer schon, allein wegen der legendären Europacupabende. Und eine Persönlichkeit wie Thomas Schaaf hat naturgemäß für große Sympathien gesorgt, gerade bei mir und den Trainerkollegen. Ich finde es toll, dass Bremen wieder in der 1. Liga spielt. Es ist bewundernswert, dass sie es auf Anhieb wieder geschafft haben, erstklassig zu werden. Wie schwierig dies ist, zeigt das Beispiel HSV. Es freut mich für alle, besonders für Frank Baumann.

Kennen Sie ihn persönlich?

Wir haben mal den Wechsel eines Talents aus Cottbus ausgehandelt: Malte Karbstein. Leider ist seine Entwicklung in Bremen nicht so verlaufen, wie wir beide gedacht haben. Die Gespräche waren auf einem hohen Niveau. Frank Baumann gab sich sehr bodenständig und ohne Allüren. In keiner Weise ließen die Bremer uns spüren, dass sie Bundesliga sind und wir 3. Liga. Daher freue ich mich, dass Frank Baumann am Ende mit dem Wiederaufstieg belohnt worden ist. Dass er durchgehalten hat, denn er stand ja heftig in der Kritik.

Vor DFB-Pokal-Spiel: Cottbus-Trainer „Pele“ Wollitz will Werder Bremen verunsichern

Wie häufig haben Sie nun den SV Werder Bremen beobachtet?

Sie können sicher sein, dass wir wie vor jedem Spiel bestens vorbereitet sind. Das ist meine Auskunft, alles andere wird man am Montag sehen.

Wird das Energie-Stadion ausverkauft sein?

Ja, es wird mit 20.000 Zuschauern gerechnet. Es wird eine fantastische Stimmung sein. Der Montagabend ist ideal. Der Anstoß etwas später so um 20.30 Uhr unter Flutlicht wäre noch besser gewesen. Die Leute hier lechzen nach solchen Spielen. Übrigens: Zu Erstligazeiten war hier gegen Werder kein volles Haus. Das beweist, wie dieses Los unsere Anhänger euphorisiert hat.

Was ist Energie – krasser Außenseiter oder möglicher Überraschungssieger?

Grundsätzlich ist ein Regionalligist immer Außenseiter. Doch alle können sicher sein, dass wir alles versuchen werden. Ich kann nur die letzten drei Pokal-Begegnungen erwähnen: Gegen den VfB Stuttgart haben wir erst im Elfmeterschießen verloren, genauso wie gegen den SC Freiburg. Und 2019 sind wir mit 1:3 am FC Bayern München gescheitert. Und die Bayern sind damals mit voller Kapelle angetreten. Also: Der Favorit heißt Werder. Wenn alles normal läuft, gewinnt auch der Favorit. Aber was ist im Fußball schon normal?

Also ist Energie Cottbus immer für eine Überraschung gut?

Wenn es eine Belohnung für harte Arbeit gibt, dann würde ich sie gerne nehmen. Wir trainieren unter Profibedingungen, wir wissen auch, wie der Ball ins Tor muss. Werder ist, wie gesagt, der Favorit, doch wir wollen die Bremer verunsichern. Ob uns das gelingen wird, kann ich nicht sagen.

Cottbus spielt als ehemaliger Erstligist nur noch in der 4. Liga. Im letzten Jahr sprang der dritte Platz heraus. Ist der Aufstieg nun das Ziel?

Eines vorweg: Das Saisonziel in der vergangenen Spielzeit lautete, eine neue Mannschaft zusammenzustellen. Unbedingt aufzusteigen, das war nicht das Ziel, sondern vielmehr ein Wunsch. Wir haben die meisten Tore geschossen, 85 an der Zahl. Wir hatten die meisten Toraktionen und den größten Ballbesitz. Wir streben an, uns zu verbessern. Ich möchte nicht gerne Zweiter werden, denn es ist der Platz des ersten Verlierers.

Der Härtetest gegen Hertha BSC ging mit 1:5 verloren.

Wer das Spiel gesehen hat, der weiß: Es war ein Spiel auf Augenhöhe in spielerischer Hinsicht. Wir mussten allerdings ohne Stürmer antreten, hatten nur 13 Mann zur Verfügung. Dieser Test kam zu früh, doch ich wollte ihn unbedingt.

Einen Werder-Akteur kennen Sie besonders: Leonardo Bittencourt. Sie haben ihn zum Jungprofi gemacht in Ihrer ersten Zeit als Cottbus-Coach.

Stimmt, ich habe ihn zu den Senioren geholt. Er war einer der jüngsten Spieler in der Historie der 2. Liga. Mit 16 Jahren hat er bei mir damals schon mittrainiert. Es war einfach meine Pflicht, ihn auf die Platte zu bringen. Ein toller Spieler, ein toller Mensch, unbekümmert, positiv frech und leidenschaftlich – ein Instinktfußballer, wahrlich ein Straßenfußballer. Bis heute hat er sich diese Einstellung und diese Fähigkeiten bewahrt. Es ist seine spezielle Art, Fußball zu spielen. Ich hoffe, dass er in seiner Laufbahn von schweren Verletzungen verschont bleibt. Dann wird Werder noch mehr Freude an ihm haben, als es bisher schon der Fall gewesen ist.

So könnte die Startelf-Aufstellung des SV Werder Bremen gegen Energie Cottbus aussehen!

Cottbus Trainer „Pele“ Wollitz schwärmt von Werder Bremen-Star Leonardo Bittencourt

Sie bezeichnen ihn als Straßenfußballer – ist er so ein Typ wie einst „Pele“ Wollitz?

Boah, er ist noch einen Tick unbekümmerter, als ich es war, noch etwas geschmeidiger in seinen Bewegungen. Ich hatte vielleicht einen besseren Abschluss, aber er hat noch einen besseren Instinkt, entwickelt aus dem Bauch heraus außergewöhnliche Spielsituationen. Ich hätte ihn damals als Spieler jeden Tag in den Arm nehmen können, weil er immer Freude ausgestrahlt hat – einfach unglaublich. Ich betone immer: Leo ist heute gemeinsam mit Nils Petersen der beste Botschafter für Energie. Beide sprechen auch jetzt noch mit Respekt und Anerkennung über den Club und die Region.

Einen ähnlichen Status in der Lausitz besitzen Sie. Sie sind zum dritten Mal Coach bei Energie – nur Zufall?

Es hat sich so ergeben. Beim ersten Mal 2009 habe ich viele deutsche Spieler geholt. Ich war der Meinung, Cottbus ist der ideale Standort für einen Zweitligisten. Doch im Club träumten Sie von der Bundesliga. Ich habe es nicht so gesehen, also konnte ich die hohen Erwartungen nicht erfüllen. So bin ich freiwillig im Dezember 2011 gegangen, da bin ich konsequent. Ich war dann 2016 überrascht, als sie mich noch mal zurückgeholt haben. Es wurden schöne dreieinhalb Jahre. Doch ich hatte nicht das Gefühl, dass meine Arbeit die nötige Wertschätzung erfahren hat. Also war ich weg. Es kam später ein neuer Vorstand, der mich vor einem Jahr erneut engagiert hat. Ich sei der Richtige für den Neuaufbau, hieß es – und ich habe den Job übernommen.

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