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Als Zlatko Junuzovic im Januar 2012 von Thomas Schaaf und Klaus Allofs als Werder-Neuzugang vorgestellt wurde, war klar: In das Werder-Trikot muss er erst noch hineinwachsen.

Die „Entdecker“ Schaaf und Allofs bilanzieren

Er kam als „Ösi-Özil“ und geht als Zlatko Junuzovic

Bremen - Das Trikot wirkt groß. Irgendwie zu groß. Zufrieden lächelnd halten Thomas Schaaf und Klaus Allofs das Werder-Jersey straff gespannt vor die Kameras. So, als würde es um den grünen Stoff gehen, nicht um den jungen Mann, der dahinter steht.

Es ist Zlatko Junuzovic, der beinahe schon seinen Hals recken muss, um über das Trikot hinweg lächeln zu können. Es ist der 30. Januar 2012 – der Tag der Vorstellung des frisch verpflichteten Österreichers bei Werder Bremen. Und das Bild mit dem Trikot hat eine symbolische Aussagekraft: Junuzovic wird in das Werder-Trikot erst noch hineinwachsen müssen. Heute, beinahe sechseinhalb Jahre später und vor seinem letzten Heimspiel im Bremer Weserstadion, lässt sich sagen: Es ist ihm gelungen.

Zlatko Junuzovic wird sich in seinem 187. Bundesliga-Spiel für die Bremer von seinen Fans verabschieden. Der letzte Auftritt vor eigenem Publikum, der letzte Applaus – der Kapitän hat in den vergangenen Tagen oft betont, dass er seinen Abschied genießen will. Ein Interview wollte er indes nicht geben – nicht bevor er nicht verraten hat, wohin er wechseln wird. RB Salzburg gilt als wahrscheinlichste Adresse – es wäre eine Rückkehr in seine österreichische Heimat und in die Liga, aus der Thomas Schaaf und Klaus Allofs den Mittelfeldspieler einst nach Bremen geholt hatten.

Schaaf: „Zlatko hat immer sehr viel von sich erwartet“

Ein Sprung „in eine andere Welt“ hatte Junuzovic damals erwartet. Und Schaaf, der damalige Werder-Trainer erinnert sich an einen 24-Jährigen, der zwar mit schüchternem Blick, aber auch mit viel Biss von Austria Wien an die Weser wechselte. „Er wollte seine Chance auf dem deutschen Markt nutzen. Da war er sehr ehrgeizig. Zlatko hat immer sehr viel von sich erwartet“, sagt Schaaf.

Allerdings haben Medien und Öffentlichkeit in Junuzovic wohl noch mehr gesehen als er selbst. „Ösi-Özil“ wurde der Neue getauft. Der Grund: Eineinhalb Jahre zuvor hatte Werder Mesut Özil für 18 Millionen Euro an Real Madrid verkauft. Als Nachfolger war Mehmet Ekici vorgesehen, für fünf Millionen Euro wurde der Deutsch-Türke verpflichtet. Doch Ekici floppte.

Das Kreativloch im Bremer Mittelfeld klaffte also noch, als Junuzovic kam. Der ablösefreie Transfer war für den Sommer vorgesehen, wurde gegen die Zahlung von 400.000 Euro aber um eine Halbserie vorgezogen. Und dieser Bursche aus Graz in der Steiermark, der so frech grinsen kann, sollte wie Özil sein? Oder wie dessen Vorgänger Diego? Besser noch: wie Johan Micoud? Man muss es so ehrlich sagen: Junuzovic hat diese Reihe exzellenter Bremer Mittelfeldspieler nicht verlängert.

Doch das darf in der Bewertung der zurückliegenden sechseinhalb Jahr nicht der Maßstab sein, meint Schaaf: „Zladdi ist nicht der Passgeber, wie es ein Diego oder ein Özil bei uns war. Zladdi ist schon immer mehr über Einsatz, Laufarbeit und Kampfbereitschaft gekommen. Aber damit allein wird man ihm auch nicht gerecht. Er ist auch technisch stark.“

Abstiegskampf statt Champions League

Klaus Allofs, zur Zeit der Junuzovic-Verpflichtung Manager und Vereinsboss in Personalunion, fand den Özil-Vergleich schon damals unangebracht und tut es auch heute noch. „Özil war bei uns schon ein Spieler im fortgeschrittenen Stadium der Genialität. Zlatko hatte auch diese Momente, aber insgesamt ist er ein anderer Typ Spieler. Zu seinen hervorstechendsten Merkmalen gehören die Laufstärke und sein mannschaftsdienliches Verhalten.“

Als möglichen Spielmacher hatte Werder Junuzovic dennoch geholt. Er sollte ein Baustein einer neuen Mannschaft werden, die Werder wieder zurück ins internationale Geschäft bringt. Doch Junuzovic hat mit den Bremern nie international gespielt. Seine Realität hieß Abstiegskampf nicht Champions League. Und die „10“ hat er auch nicht verkörpert. Schaaf sah ihn „vor allem auf der Halbposition“. Letztlich hat Junuzovic zwischen defensivem Mittelfeld und einziger Spitze alles gespielt, was möglich war.

Zlatko Junuzovic: Seine Karriere in Bildern

Zlatko Junuzovic
Zlatko Junuzovics Karriere begann in seiner Heimat Österreich. Nach seiner Jugendzeit in Graz wechselte „Zladdi“ im Sommer 2007 zu Austria Kärnten. Dort blieb er zwei Jahre.  © imago
Zlatko Junuzovic
Dann schloss er sich dem 24-fachen Meister Austria Wien an, wo er für drei Jahre spielte. © imago
Zlatko Junuzovic
Im Januar 2012 holten Trainer Thomas Schaf und Manager Klaus Allofs den Mittelfeld-Allrouner an die Weser. Bei Werder unterschrieb Junuzovic bis Sommer 2015. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Der Österreicher war bei Werder direkt gefordert... © nordphoto
Zlatko Junuzovic
...und stand in der Rückrunde der Saison 15 Mal auf dem Platz - meistens über die volle Spielzeit. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
In der Saison 2013/14 schoss der Österreicher den 1:0-Siegtreffer im Nordderby gegen den Hamburger SV. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Im Februar 2015 verlängerte Junuzovic seinen Vertrag vorzeitig bis 2018. Werder-Anhänger machten sich zuvor mit Sprechchören und Plakaten für den Verbleib von Junuzovic stark. Unter dem Hashtag #JunobleibtBremer fanden viele Fans zusammen. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Seine wohl beste Saison bei den Grün-Weißen spielte der Mittelfeldspieler 2014/15. Am Ende dieser Spielzeit standen sechs Treffer und 16 Torvorlagen auf Junuzovics Konto. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Der österreichische Nationalspieler biss immer auf die Zähne und zählt zu den Führungsspielern in Bremen. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Nach dem Karriereende von Clemens Fritz wurde Junuzovic von Cheftrainer Alexander Nouri zum Kapitän ernannt. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Seit der Saison 2017/18 trägt er nun die Binde als neuer Spielführer. Ganz neu ist das für den Profi aber nicht. Zuvor war er schon Vizekapitän gewesen. © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Am 13. Oktober 2017 gab Junuzovic überraschend sein Karriere-Ende in der österreichischen Nationalmannschaft bekannt. Er kam auf 55 Einsätze in der ÖFB-Elf. © imago
Zlatko Junuzovic
In der Rückrunde der Saison 2017/18 hat Junuzovic trotz Kapitänsbinde seinen unangefochtenen Stammplatz verloren und musste das eine oder andere Mal - besonders bei Auswärtsspielen - auf der Bank Platz nehmen. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Ein ganz wichtiges Tor für Werder schoss Junuzovic gegen Schalke 04, als er in der Nachspielzeit den Ball zum 2:1-Auswärtssieg über die Linie stocherte. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Dank Junuzovics Treffer bejubelte Werder einen ganz wichtigen Sieg im Kampf um den Klassenerhalt. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Nach Jahren voller Wechsel-Spekulationen geht im Sommer 2018 das Kapitel Junuzovic bei Werder zu Ende. Dass der Kapitän von Bord geht, teilte der SV Werder am 23. April 2018 mit. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Junuzovic wurde beim letzten Heimspiel der Saison im Weserstadion offiziell verabschiedet. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Der 30-Jährige genoss die letzten Momente im Weserstadion gemeinsam mit Sohn Clemens. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Die Werder-Fans bescherten Junuzovic einen schönen Abschied. © gumzmedia
Zlatko Junuzovic
Junuzovic wechselt zurück in seine österreichische Heimat. Ziel ist Serienmeister RB Salzburg. © gumzmedia

Die persönliche Ausbeute dabei: 21 Tore und 52 Torvorbereitungen in bislang 186 Bundesliga-Spielen. Für einen, der auf dem Transfermarkt einst ein Schnäppchen war, ist das mehr als in Ordnung, findet Klaus Allofs. „Zlatko Junuzovic hat Werder viel zurückgegeben. Das ist ein Transfer gewesen, den man heute sicher nochmal so machen würde“, meint der 61-Jährige: „Zlatko hat Fähigkeiten, die Werder in schwierigen Momenten entscheidend geholfen haben.“

Die Freistöße in der Saison 2014/15 waren solche Fähigkeiten. Fünfmal traf Junuzovic in jener Spielzeit per direkt verwandeltem Freistoß – seither gilt er als Freistoß-Spezialist. Die Quote hat er aber nie mehr bestätigen können, die Diskussion darüber ging ihm irgendwann „du weißt schon wohin“.

Ein letztes Mal noch Weserstadion...

Grantelig kann er eben auch werden, der Zlatko Junuzovic. Meistens lächelt er aber, ist fröhlich, gut gelaunt. Ein Charming Boy wie Clemens Fritz, sein Vorgänger als Werder-Kapitän, ist der 55-malige Nationalspieler freilich nicht. Sein zwischenzeitlicher Status als Fan-Liebling mit speziellen Aktionen für eine Vertragsverlängerung Anfang 2015 hat unter den regelmäßigen Wechselgerüchten in quasi jeder Transferphase gelitten.

Da hat sich der Österreicher nicht immer ganz glücklich verhalten. Trug er das Trikot, war er als Kämpfer durchaus ein Vorbild und ein bis heute angesehener Profi. Schaaf sagt es so: „Er hat sich auf dem Platz der Verantwortung gestellt. Dafür braucht es Qualität.“

Diese Qualität kann Zlatko Junuzovic dem Bremer Publikum am Samstagnachmittag gegen Bayer 04 noch ein letztes Mal zeigen. Es folgt noch das Auswärtsspiel bei Mainz 05, dann ist die Werder-Zeit für ihn vorbei, und der Mann, der als „Ösi-Özil“ kam, geht als Zlatko Junuzovic.

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