Werder-Talent in der Medienrunde

Sonderschichten für den Blitz: Werder-Talent Eren Dinkci wartet auf sein zweites Profi-Tor – und einen Spitznamen

Bremen – Der Onkel war da, die Schwester auch und die Eltern waren es sowieso. Dazu etliche Freunde. Sie alle wollten im Weserstadion gemeinsam mit Eren Dinkci über dessen erstes Zweitliga-Tor jubeln. Doch genau das fiel einfach nicht, obwohl gegen Darmstadt 98 genügend Chancen vorhanden waren. Stattdessen gelang ihm die sehenswerte Vorlage zum Siegtreffer für Werder Bremen – und somit ein Ausrufezeichen nach schwierigen Wochen.

„Die Saison hatte für mich Höhen und Tiefen“, räumte Eren Dinkci am Mittwoch während einer Medienrunde ein. „Am Anfang habe ich viel gespielt und viele ordentliche, aber auch schlechte Spiele gemacht.“ Doch dann spielte er irgendwann gar nicht mehr. Oder allenfalls noch ein paar Minuten. Auch zuletzt gegen Darmstadt hätte er wohl nicht in der Startelf des SV Werder Bremen gestanden, wenn in Leonardo Bittencourt und Marvin Ducksch nicht gleich zwei offensive Stammkräfte aufgrund einer Corona-Infektion ausgefallen wären. Da das Duo nun wieder fit ist, dürfte es für Eren Dinkci gegen den SV Sandhausen (Sonntag, 13.30 Uhr, DeichStube-Liveticker) zurück auf die Bank gehen – womit dieser jedoch kein Problem hat. „Ich mache mir da gar keinen Stress“, meinte er. „Wenn ich spiele, dann spiele ich. Wenn nicht, dann ist es halt so.“

Was gleichgültig klingt, entspringt vielmehr einem gesunden Realismus, der den gebürtigen Bremer auszeichnet. Und der auch seinem Trainer beim SV Werder Bremen gefällt. Gerade nach einem guten Auftritt wie gegen Darmstadt. „Ich habe im Nachgang nicht noch einmal länger mit ihm gesprochen. Ich kenne Eren aber als jemanden, der einen ganz guten Blick auf seine Leistungen hat und sich gut einschätzen kann“, urteilt Ole Werner. „Er ist weder jemand, den man auf den Boden der Tatsachen runterholen müsste, noch jemand, der sich in ein Loch buddelt, wenn mal Dinge nicht funktionieren.“

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Werder Bremen: Eren Dinkci will endlich wieder treffen - und schiebt Extra-Schichten nach dem Training

Wer als Beweis eine Kostprobe benötigt, der muss sich mit Eren Dinkci nur über dessen Torausbeute austauschen. Damals, im Dezember 2020, brauchte er bei seiner Bundesliga-Premiere gerade einmal fünf Minuten, um den Siegtreffer beim Auswärtsspiel in Mainz 05 zu erzielen. Es war der Moment, in dem Dinkcis Stern aufging. Doch ganz so glanzvoll ging es nicht weiter. Genauer gesagt traf der Angreifer des SV Werder Bremen seither gar nicht mehr in einem Pflichtspiel. Eine dürftige Quote für einen Stürmer, die fraglos an ihm nagen könnte. Doch der 20-Jährige schaltet – quasi positionsgetreu – in den Offensivmodus: „Ich habe schon ein Bundesliga-Tor. Es gibt Spieler bei uns in der Mannschaft, die keines haben“, entgegnete er selbstbewusst. „Deswegen nervt mich das grundsätzlich eigentlich nicht. Jetzt nach dem Darmstadt-Spiel hat es mich kurz genervt, aber das ist schon abgehakt.“

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Trotzdem schiebt er Extra-Schichten, um sich in dieser Disziplin zu verbessern. „Nach dem Training nehmen uns die Co-Trainer raus und machen noch ein paar Abschlüsse mit uns. Das finde ich sehr gut“, verriet Eren Dinkci. „Das ist der Pflicht-Teil und freiwillig kommt auch noch etwas dazu.“ Wobei ihm kaum jemand etwas vormacht, ist das Thema Geschwindigkeit. Das mussten auch die Darmstädter leidvoll erfahren – allerdings mit etwas Verzögerung. „Ich habe nach langer Zeit mal wieder von Anfang an gespielt, deshalb habe ich vor allem versucht, zunächst wenige Fehler zu machen und ins Spiel hineinzukommen“, erinnerte sich das Offensiv-Talent des SV Werder Bremen. Als das gelungen war, bereitete er seinem Gegenspieler einige Probleme. „Ich kenne natürlich meine Stärken und habe gemerkt, dass ich diese ausnutzen kann“, sagte Dinkci. „Schön, dass es beim Tor und in anderen Situationen geklappt hat.“

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Werder Bremen: Die neue Rakete Eren Dinkci wartet noch auf einen Spitznamen

In der jüngeren Vergangenheit wurden in solchen Fällen bei Werder Bremen direkt Spitznamen erfunden. Als beispielsweise Milot Rashica regelmäßig aufs Tempo drückte, riefen ihn die Kollegen kurze Zeit später nur noch „Rocket“. Eren Dinkci, der es in der Spitze auf mehr als 35 Stundenkilometer bringt, ist nun so etwas wie die neue Rakete im Team – jedoch eine unbetitelte. In den sozialen Medien taucht rund um seine Person zwar immer wieder ein Blitz auf, doch „The Flash“ nennt ihn bislang niemand. „In der Schule haben damals Freunde einen Blitz zwischen das E und das D gemacht, weil es wie ein S aussieht“, sagte Dinkci, der neben Eren noch den Vornamen Sami trägt. „Von anderen Freunden habe ich zudem mal einen Speedy-Gonzales-Schlüsselanhänger bekommen. In der Mannschaft habe ich aber noch keinen Spitznamen.“

Vielleicht braucht es dazu noch ein paar Leistungen wie zuletzt gegen Darmstadt. Der Stürmer des SV Werder Bremen wünscht sich, dass sein aktuelles Hoch noch länger anhält. „Im Training läuft es auch sehr gut, aber von einem Spiel allein kann ich nicht viel ablesen“, betonte Eren Dinkci. „Ich fühle mich gut und hoffe, dass es so bleibt, aber es ist auch nicht so einfach als junger Spieler, konstant seine Leistung zu halten.“ Womöglich kommt er ja bald trotzdem, dieser große Moment, wenn er im Weserstadion sein erstes Tor erzielt. In seiner Heimatstadt. Jubeln würde dann sicher nicht nur Dinkcis Familie. (mbü)

Rubriklistenbild: © gumzmedia

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