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Beim letzten Saison-Spiel von Werder Bremen verabschiedet sich Sportchef Frank Baumann (li.) von Max Kruse.

Werder-Sportchef Baumann fordert Realismus

Kruse-Ersatz gesucht: Darum ist ein Mega-Transfer für Werder Bremen nicht möglich

Bremen – Frank Baumann macht es zunächst wie immer. Zu Transfergerüchten äußert sich der Sportchef von Werder Bremen nicht. Also auch nicht zur Personalie Michael Gregoritsch.

Laut „Bild“ ist der Österreicher Michael Gregoritsch der Top-Kandidat von Werder Bremen auf die Nachfolge des abgewanderten Max Kruse. 14 bis 16 Millionen Euro Ablöse dürfte der 25-jährige Angreifer vom FC Augsburg wohl kosten. Natürlich kennt Baumann die Preise, die inzwischen für Spieler dieser Qualität aufgerufen werden. Und deshalb will er im Gespräch mit der DeichStube etwas Grundsätzliches zur Vorgehensweise beim SV Werder klären. 

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„Ich wünsche mir wieder etwas mehr Realismus. Wir sind immer noch der SV Werder Bremen, dessen Transferbilanz in den vergangenen Jahren meistens ausgeglichen war. Dabei sind wir auch schon gewisse Risiken eingegangen. An den Voraussetzungen und der Herangehensweise wird sich auch in Zukunft nicht viel verändern“, erklärt der 43-Jährige und führt aus, dass aktuell schon ein Missverhältnis zwischen Einnehmen und Ausgeben entstanden ist. 

„Für die neue Saison haben wir in Niclas Füllkrug bereits einen Spieler mit einer höheren Ablöse verpflichtet, bei einem weiteren stehen wir kurz davor. Verkauft haben wir aber noch keinen – und wollen es eigentlich auch nicht. Da kann man sich auch ohne Mathe-Abitur ausrechnen, dass keine Transfers im zweistelligen Millionenbereich möglich sein werden.“

Thema Michael Gregoritsch bei Werder Bremen wahrscheinlich erledigt 

Hat sich damit das Thema Gregoritsch schon erledigt? Zu dem aktuell bekannten Kurs wahrscheinlich schon. Bislang wurden von Werder 6,5 Millionen Euro Ablöse in Stürmer Füllkrug von Hannover 96 investiert. Dazu soll Abwehrspieler Marco Friedl fest verpflichtet werden, eine Einigung mit dem FC Bayern steht kurz bevor. Es wird mit einer Ablöse von drei Millionen Euro für den 21-jährigen Österreicher gerechnet. 

Für Michael Gregoritsch fehlt Werder das nötige Geld. 

Es sind auch nicht allein die Ablösesummen, die Wirkung zeigen, sondern auch das Gehalt der Spieler. Die Vertragsverlängerungen mit Maximilian und Johannes Eggestein waren zum Beispiel auch nicht ganz günstig, die Brüder dürften nun deutlich mehr verdienen als vorher.

Milos Veljkovic bei Werder Bremen vielversprechender Verkaufskandidat

In der Vergangenheit hatte Werder oft von guten Verkäufen profitiert. Im Vorjahr machte der Transfer von Thomas Delaney zu Borussia Dortmund für 20 Millionen Euro die Kasse voll, vor der Saison 2016/17 sorgten Jannik Vestergaard (für 12,5 Millionen Euro zu Borussia Mönchengladbach) und Anthony Ujah (für 11,5 Millionen Euro zu Liaoning FC in China) für finanziellen Spielraum. Dazwischen gab es immerhin acht Millionen Euro vom FC Bayern für Serge Gnabry. In diesem Sommer sollen alle Leistungsträger gehalten werden. Kruse konnte ablösefrei gehen, weil sein Vertrag ausläuft. Als vielversprechender Verkaufskandidat gilt eigentlich nur Milos Veljkovic. Der serbische Nationalspieler ist für die Premier League in England oder La Liga in Spanien nicht uninteressant. Werder würde ihn bei einer passenden Ablöse vielleicht ziehen lassen, müsste das Geld aber wohl zum größten Teil für einen Nachfolger ausgeben.

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Gibt es also keinen Ersatz mehr für Kruse? „Wir können nicht mit aller Macht etwas erzwingen und dabei ein zu großes Risiko für den Verein eingehen“, betont Baumann, schließt aber weitere Transfers deshalb nicht aus: „Wir müssen vernünftig, kreativ und clever sein.“

Werder-Verpflichtung Niclas Füllkrug „kann in der Bundesliga zweistellig treffen“

Das hört sich nach Leihgeschäften an oder auch nach anderen Möglichkeiten. Ein Serge Gnabry wechselte vor drei Jahren etwas überraschend vom FC Arsenal zum SV Werder, um dann ein Jahr später wie selbstverständlich zu den Bayern zu gehen. Ganz offensichtlich war dieser Weg zuvor schon so abgemacht gewesen und hat es für Werder überhaupt erst möglich gemacht, Gnabry zu bekommen.

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Baumann lässt sich nicht in die Karten blicken. Auf die Anmerkung, dass er und Trainer FlorianKohfeldt nach Kruses Entscheidung gegen Werder Bremen so wirkten, als hätten sie bereits einen Nachfolger in der Hinterhand, erwidert der Ex-Profi in seiner typischen Art an: „Wir hatten doch sogar einen Spieler in der Vorderhand: Niclas Füllkrug. Er hat bereits unter Beweis gestellt, dass er in der Bundesliga zweistellig treffen kann.“ Dazu zählt Baumann die anderen Angreifer auf: Milot Rashica, Yuya Osako, Johannes Eggestein, Claudio Pizarro, Fin Bartels, Martin Harnik und Josh Sargent. „Wir haben genug Offensivspieler, viele können auch noch den nächsten Schritt machen. Im Vergleich zu anderen Mannschaften mit ähnlichen Ambitionen sehe ich uns auch hier bereits jetzt gut aufgestellt.“

Werder Bremen steht an der Schwelle zu Europa

Um bei den Topclubs personell mithalten zu können, fehle schlichtweg das Geld. Dieser Nachteil müsse über das Kollektiv wettgemacht werden. Wie schon in der vergangenen Saison, als Werder an das Tor zu Europa klopfte – allerdings mit einem elffachen Torschützen und elffachen Vorbereiter Max Kruse im Team.

Werder Bremen sondiert natürlich weiter den Markt, sucht nach möglichen Schnäppchen. Neue Einnahmequellen in Form von weiteren Sponsoren zu erschließen, wäre auch eine Möglichkeit, Mittel frei zu bekommen. Keine ganz abwegige. Schließlich ist Werder Bremen so angesagt wie lange nicht mehr – nicht nur in Bremen, sondern bundesweit. Da sollte eigentlich etwas gehen.Der Club steht an der Schwelle zu Europa. Diese schon gute Mannschaft weiter zu verstärken, ist wahrlich nicht günstig, wie das Beispiel Michael Gregoritsch zeigt. Das macht den Bremer Transfer-Sommer noch ein bisschen spannender, als er es ohnehin schon gewesen wäre.

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