Erwin Kostedde spielte von 1980 bis 1982 bei Werder Bremen und schoss in 92 Partien 47 Tore für die Grün-Weißen.
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Erwin Kostedde spielte von 1980 bis 1982 bei Werder Bremen und schoss in 92 Partien 47 Tore für die Grün-Weißen.

47 Tore in 92 Partien für Werder

Ex-Werder-Torjäger Erwin Kostedde wird 75: „Ich bin einsam und allein“

Münster – Am Freitag wird Erwin Kostedde, ehemaliger Bundesliga-Torjäger und Nationalspieler, 75. Er sagt: „Ich dachte, ich werde mal um die 60. Ich wundere mich über mich selber, dass ich noch nicht gestorben bin.“ Tiefe Einblicke eines Mannes, der eine besondere Rolle spielte im deutschen Fußball - und damit auch bei Werder Bremen.

Er war 1975 der erste „schwarze Nationalspieler“. Man nannte ihn zu seiner Zeit auch den „braunen Bomber“, es war anerkennend gemeint, er empfand es schon damals als mindestens unglückliche Bezeichnung. Weil er wusste, wie es ist, aufgrund seiner Hautfarbe wahrgenommen und kategorisiert zu werden. Nicht nur wegen seines Geburtstags befasst man sich nun mit dieser Figur Erwin Kostedde. Er kommt auch vor in der Dokumentation „Schwarzer Adler“, die Rassismus im Fußball thematisiert. Und nach fünf Jahren kommt seine mit dem Journalisten Alexander Heflik entstandene Biografie auf den Markt. Darum geht es in einem Gespräch mit Christian Sprenger. Der frühere Premiere/Sky-Moderator widmet sich in seinem Podcast „Sprenger spricht“ der Literatur. Die Folge mit Kostedde erscheint kommende Woche. Sprenger, der den Profifußball seit Jahrzehnten begleitet, war spürbar angefasst. Er musste den über Video geführten Talk mit Erwin Kostedde auch unterbrechen.

Werder Bremen gehört zu den wichtigsten Profistationen von Erwin Kostedde

Kostedde kam als „Besatzungskind“ in Münster zur Welt. Seinen Vater kannte er nicht, und die Mutter hat ihm die Frage nie beantwortet, ob er einer Liebschaft oder einer Vergewaltigung entsprang. In seiner Kindheit bekam Erwin Kostedde „von den Kriegsheimkehrern, den Landsern“ immer wieder zu hören, „dass ich abhauen soll nach Amerika wegen meiner Hautfarbe“.

Auch als Fußballer – wichtigste Profistation: Kickers Offenbach, außerdem Borussia Dortmund, Werder Bremen, Standard Lüttich, Torschützenkönig in Frankreich – wurde er wegen seiner Hautfarbe immer angemacht. „Es hieß ,Passt auf Kostedde auf’ – und dann ging es los mit der Hautfarbe.“ Er hat Gegenspieler darauf angesprochen, warum sie ihm diese rassistischen Gemeinheiten entgegenschleudern. Sie hätten sich gerechtfertigt, das sei nur „psychologisches Fertigmachen, damit der Gegner seine Leistung nicht bringt. Doch ich denke, es kam aus dem Herzen, wenn sie mich Hurensohn nannten.“

Werder Bremen: Ex-Profi Erwin Kostedde fühlt sich „einsam und allein“

Er machte nicht die große, aber eine gute Karriere (mehr als drei Länderspiele werden es nicht, dann sucht man andere Gerd-Müller-Nachfolger), in Offenbach wurde er zur Kultfigur, ist es bis heute. „Meiner Frau habe ich gesagt: Wenn der Fußball vorbei ist, werden wir leben.“ Er hat das Versprechen nicht einhalten können. „Das Geld war weg, durch den Steuerberater. Aber das war meine Schuld. Meine Frau ist ärmlich gestorben – meine Schuld.“

„Ich bin einsam und allein“, sagt Kostedde. „Wenn die Frau stirbt, da müssen Sie erst einmal drüber wegkommen.“ Er lebt allein mit „meinem kleinen Hund Jimmy. Aber er ist nicht nach Jimmy Hartwig benannt.“ Hartwig war der zweite "schwarze Adler" – und auch seine Laufbahn war voller Demütigung und Diskriminierung.

Erwin Kostedde spielte von 1980 bis 1982 bei Werder Bremen

Das Leben, das Erwin Kostedde geführt hat, wirkt in ihm nach. „Ich bin ein Haufen Elend, ganz anders, als ich auf dem Platz getan habe“, sagt er. Oder: „Innerlich war ich eine arme Sau.“ Er sei eigentlich „zufrieden, wenn ich in meinem Sessel sitze und über früher nachdenke. Aber überwiegend kommen die schlechten Erinnerungen.“ Auch wenn er durch Dokumentation und Buch gerade Öffentlichkeit habe – er suche sie nicht. Er will auch nicht über die Sache zwischen Jens Lehmann und Dennis Aogo reden: „Ich gehe nicht unter Leute und führe keine großen Debatten.“

Sein Biograf Alexander Heflik spürt „bei ihm eine Grundtraurigkeit. Er ist melancholisch.“ Er spielt aber mit dem Gedanken, seinen Protagonisten, der in Münster lebt, einfach mal spontan ins Auto einzuladen und an die alte Wirkungsstätte zu fahren, die die einzige ist, die Kostedde etwas bedeutet: Es ist nicht das Weserstadion, nicht der SV Werder Bremen, für den er im Herbst seiner Karriere von 1980 bis 1982 spielte und 47 Tore in 92 Partien erzielte. Sondern Offenbach, der Bieberer Berg. Kostedde sagt: „Da möchte ich noch einmal hin.“ Auch interessant: Bei Abstieg Ausverkauf! Wer Werder Bremen verlassen, wer bleiben würde.

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