Pavel Dotchev, Trainer des FC Erzgebirge Aue, will mit seiner Mannschaft im Heimspiel gegen den Aufstiegskandidaten SV Werder Bremen zum Störfaktor werden.
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Pavel Dotchev, Trainer des FC Erzgebirge Aue, will mit seiner Mannschaft im Heimspiel gegen den Aufstiegskandidaten SV Werder Bremen zum Stressfaktor werden.

Vor Werder-Spiel bei Erzgebirge Aue

Aue-Coach Pavel Dotchev im DeichStube-Interview: „Wir wollen zum Stressfaktor für Werder werden“

Aue – Sportlich ist für den FC Erzgebirge Aue bereits alles gelaufen in der 2. Bundesliga: Seit dem vergangenen Spieltag steht der Verein als Absteiger fest. Gegen Aufstiegsaspirant Werder Bremen wird die Mannschaft von Trainer und Sportdirektor Pavel Dotchev am Sonntag ab 13.30 Uhr ihr letztes Heimspiel vor dem Gang in die Drittklassigkeit absolvieren – und das soll aus Auer Sicht zu einem großen Fest werden.

„Wir müssen nicht mehr auf die Tabelle gucken“, sagt Pavel Dotchev im Gespräch mit der DeichStube – und verspricht: „Wir werden das Spiel annehmen, freuen uns gewaltig darauf und wollen einen hohen Stressfaktor für die Gäste darstellen.“ Natürlich sei Werder Bremen der große Favorit vor dem Spiel, doch der 56-jährige Trainer des FC Erzgebirge Aue weiß: „Fußball kann unberechenbar und brutal sein.“

Herr Dotchev, seit dem vergangenen Spieltag steht fest, dass es für Erzgebirge Aue nicht zum Klassenerhalt reichen wird. Haben Sie den Abstieg Ihrer Mannschaft schon verdaut?

Wir sind nicht am letzten Wochenende abgestiegen, sondern schon viel früher. Am Samstag war es nur offiziell, die amtliche Bestätigung. Wir hatten zuvor viele Möglichkeiten, Punkte zu holen, die wir ungenutzt gelassen haben. Zudem haben wir die Schwäche von Dynamo Dresden nicht ausgenutzt.

Also war die 0:6-Niederlage gegen Darmstadt für Sie gar kein Schock mehr?

Die Niederlage und der dadurch besiegelte Abstieg nicht, jedoch die Höhe der Niederlage.

Erzgebirge Aue-Trainer Pavel Dotchev vor Heimspiel gegen Werder Bremen: „Die Spieler müssen eine Reaktion zeigen“

Wie bereiten Sie Ihre Mannschaft auf die beiden letzten Partien vor, insbesondere auf das nun anstehende Duell mit Aufstiegskandidat Werder Bremen?

Ich habe und werde noch bestimmte Dinge ansprechen, die zuletzt schiefgelaufen sind. Bremen ist der klare Favorit in diesem Match. Doch wir spielen zu Hause und wollen volle Pulle gehen. Die Spieler müssen eine Reaktion zeigen. Mit Pauken und Trompeten unterzugehen wie gegen Darmstadt, das sollte uns nicht noch mal passieren. Die Mannschaft steht in der Pflicht, ganz anders aufzutreten.

Wie zuletzt gegen Darmstadt ist Aue schon öfter gegen die Großen der Liga untergegangen. Auch gegen Werder gab es in der Hinserie ein 0:4…

Wir haben aber auch schon oft gezeigt, dass wir mithalten können, denn wir haben auch in Begegnungen mit den Favoritenteams Punkte geholt. Meine Mannschaft war nicht immer deutlich unterlegen. Dass es uns im Vergleich zu anderen Clubs am Ende jedoch ein wenig an Qualität gefehlt hat, liegt auf der Hand.

Zu Wochenbeginn haben Sie das Ziel für das Aufeinandertreffen mit Bremen so formuliert: Aue möchte zum Stolperstein für Werder werden. Glauben Sie daran?

Ich habe das gesagt, weil ich davon überzeugt bin, dass die Mannschaft das Potenzial hat, einen Topfavoriten wie Werder zu ärgern. Ich glaube an meine Mannschaft. Natürlich ist es eine riesige Herausforderung, doch wir können sie meistern. Wir müssen nicht mehr auf die Tabelle gucken. Wir spielen vor einer tollen Kulisse. Aktuell sind schon mehr als 11.000 Karten weg. Das sollte Ansporn für uns sein, uns ehrenvoll aus der 2. Liga zu verabschieden.

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Erzgebirge Aue-Trainer Pavel Dotchev vor Heimspiel gegen Werder Bremen: „Fußball kann manchmal unberechenbar und brutal sein“

Werder muss gewinnen, am besten sogar hoch, weil im engen Aufstiegsrennen am Ende auch die Tordifferenz den Ausschlag geben könnte. Stürmer Niclas Füllkrug hat öffentlich einen deutlichen Sieg seiner Mannschaft in Aue eingefordert. Ist das eine Extramotivation für Ihr Team?

Ich sage nur: Fußball kann manchmal unberechenbar und brutal sein. Wir jedenfalls werden das Spiel annehmen, freuen uns gewaltig darauf und wollen einen hohen Stressfaktor für die Gäste darstellen.

Wie bewerten Sie die Werder-Vorstellungen, vor allem, seit Ole Werner Trainer ist?

Für mich war Werder von Beginn an der Topfavorit. Auch schon unter Markus Anfang habe ich die Bremer hoch eingeschätzt. Zu Beginn hatten sie noch einige Ausfälle. Als dann alle Spieler einsatzfähig waren, fing die Maschinerie unter Werner an auf Hochtouren zu laufen. Ich betrachte Werder wie eine Erstliga-Mannschaft. Wer sich das Aufgebot anschaut, findet viele erfahrene Akteure mit unzähligen Einsätzen in der Bundesliga und nur ganz wenige, die noch nicht oben gespielt haben.

Wie lautet Ihr Tipp? Wer steigt direkt auf? Und wer schafft es in die Relegation?

Für mich sind die drei Mannschaften favorisiert, die aktuell vorn stehen. Darmstadt, Schalke und Bremen machen es unter sich aus. Auf eine Reihenfolge kann ich mich nicht festlegen. Es ist so verdammt eng.

Erzgebirge Aue-Trainer Pavel Dotchev glaubt daran, dass Werder Bremen auf den ersten drei Plätzen der 2. Liga landet

Kommen wir nochmal zurück zu Aue. Sie haben schon vor Wochen Ihren Rücktritt als Trainer angekündigt. Bleibt es dabei? Und bleiben Sie nach dem Abstieg Sportchef?

Ja, beides trifft zu.

Wie gehen Sie den Neuaufbau in der 3. Liga an?

Es wird keine einfache Sache. Ich habe den Vorteil, dass ich als Rekord-Trainer in der 3. Liga diese Spielklasse ganz genau kenne. Ich weiß, was uns erwartet. Ich nenne diese Klasse stets die „Mini-Zweitliga“. Es gibt keinen qualitativ so großen Unterschied zwischen diesen beiden unteren Profiklassen. Wir müssen vorbereitet sein, um nicht böse überrascht zu werden – wie zuletzt die Würzburger. Mein Plan sieht so aus: Zwölf Spieler haben gültige Verträge. Das Gerippe steht also. Einige Akteure werden uns verlassen, andere neu hinzukommen. Wichtig ist in erster Linie, dass wir einen passenden Trainer finden.

Knapp 1.800 Fans werden Werder in Aue unterstützen, also nur die Menge an Zuschauern gemäß dem Pflichtanteil im 15.500 Zuschauer fassenden Erzgebirgsstadion. Obwohl die Partie längst nicht ausverkauft ist, hat der Club Vorkehrungen getroffen und „aus Sicherheitsgründen“, wie es heißt, nur einen „geschlossenen Verkauf der Tickets“ bewilligt. Aue will so einen Ansturm des Bremer Anhangs verhindern. Hat der Verein aus den Fehlern beim Europa-League-Spiel in Barcelona gelernt? Ist Erzgebirge cleverer als das ruhmreiche Barca?

Diese Frage kann ich nicht beantworten. Es ist nicht mein Aufgabenbereich. (hgk)

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