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Dominik Kupilas, eSports-Verantwortlicher bei Werder Bremen, und Fifa-Profi „Dr.Erhano“ (r.) im Gespräch.

Werder Bremen in Zeiten von Corona

eSports - das Entertainment und die Krise

Eigentlich ist es ganz einfach, eigentlich braucht es nur zwei Dinge. Eine Spielekonsole und eine gute Internetverbindung. Dann kann man von zu Hause aus mit anderen das Videospiel „Fifa 20“ spielen – oder ihnen per Live-Stream dabei zugucken. Gute Voraussetzungen für die eSportler von Werder Bremen.

Sie könnten krisensicheres Entertainment in von derCoronavirus-Pandemie geschüttelten Zeiten bieten, virtueller Fußball für ein nach echtem Fußball lechzendes Publikum. Eigentlich.

Aber auch im eSports ist zurzeit der Stecker gezogen. Die offiziellen Turniere sind abgesagt, darunter das Grand Final der Virtual Bundesliga (VBL), das große Final-Turnier einer Saison, in der sich Werder Bremen mit seinen Spielern Michael „MegaBit“ Bittner und Erhan „DrErhano“ Kayman zum Deutschen Club-Meister gekrönt hat.

Werder Bremen findet Spielpause im eFootball wegen Coronavirus vernünftig

Es ist zurzeit auch im eSports nicht so einfach. Schließlich finden die internationalen und großen nationalen Turniere eben nicht zu Hause statt, sondern sind sogenannte Offline-Events, in einer Halle, oft vor Zuschauern, und ganz wichtig: nicht über das Internet, sondern direkt nebeneinander vor der angeschlossen Konsole. Das soll das Spiel fair machen. Bei Online-Übertragungen könnte es Probleme geben mit Internetausfällen oder unterschiedlich schnellen Datenübertragungen.

Dominik Kupilas, Werders eSports-Verantwortlicher, befürwortet die Spielpause im eFootball. „Es ist vernünftig zu sagen, man setzt es aus, damit man die Gefährdung nicht eingeht“, erklärt er mit Blick auf die Corona-Krise. Die Offline-Turniere nun als Geister-Events ohne Zuschauer auszutragen, wäre für ihn „eher Kompromiss als Ersatz“.

Trotz Coronavirus-Pandemie: Kleine Turniere für Werder Bremens eSportler

„Die Entwicklung von Fifa-eSports erwartet es, dass man es zugänglich macht“, erklärt Kupilas über eine rasant wachsende Branche. „Es ist auch eine Wertschätzung für die Spieler, wenn dieOffline-Turniere vom TV übertragen werden und Zuschauer kommen können.“ Das mache den Reiz eines Grand Finals aus. Und auch wenn Kupilas das nicht anspricht: Geld spielt auch keine kleine Rolle.

Ganz Pause ist bei Werders Gamern aber nicht. Der Club will jetzt Testspiele austragen, gegen andere Profis, auch gegen Fans und Hobbyspieler. Darunter ist die „Bundesliga Home Challenge“, ein kurzfristig von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ins Leben gerufenes Turnier gegen andere Erst- und Zweitligisten. In einem Match gegen den 1. FC Nürnberg am Sonntag (15 Uhr, Twitch.tv) wird sogar Bundesliga-Profi Maximilian Eggestein gegen einen Nürnberger Spieler antreten. Für die eSportler ist das alles nichts Hochoffizielles, sondern eher ein Im-Rhythmus-Bleiben. Immerhin etwas Fußball also in der spielfreien Zeit, virtueller Fußball zumindest.

Bei Bundesliga-Abstieg: Was würde mit Werder Bremens eSports-Abteilung passieren?

Vielleicht kann Werder sogar neue Fans gewinnen, die aktuell wegen der Corona-Pandemie gelangweilt in ihre eigenen vier Wände eingesperrt sind. eFootball, Entertainment in Krisenzeiten. Wobei Krisenzeiten, die herrschen bei Werder Bremen zurzeit sowieso. Das Team, also das echte, mit elf Spielern auf dem Rasen, ist vom Bundesliga-Abstieg bedroht. Und das ist auch eine Gefahr für Werders eSports-Abteilung. Denn es könnte Einiges kaputtgehen.

Im Moment sind die Hanseaten die dominierende eFootball-Macht unter den Bundesliga-Clubs in Deutschland. Zwei Mal wurde bisher die VBL ausgespielt, zwei Mal hieß der Sieger Werder Bremen, im vergangenen Jahr kam mit Mohammed „MoAuba“ Harkous sogar der Fifa-Weltmeister aus dem grün-weißen Lager. Die vielen Titel sind ein Standard geworden, den Werder bei einem Bundesliga-Abstieg nur schwer halten könnte. Ob die Spieler bleiben würden, ist völlig unklar. „DrErhano“ etwa war 2019 zu Werder gekommen, nachdem der VfB Stuttgart aus der Bundesliga abgestiegen war und der Verein seiner eSports-Sparte die Gelder zusammengestrichen hatte.

Werder Bremen zufrieden mit eSports-Engagement: „Nachweislich viele junge Menschen erreicht“

Für Werder Bremen war eSports eine Investition in die Zukunft, und der Club hat gemerkt, dass es funktioniert. „Wir sind insgesamt sehr zufrieden mit unserem Engagement. Nicht zuletzt die Erfolge des ersten Jahres haben zur weiteren Akzeptanz des Themas beigetragen“, sagt Kupilas. „So haben wir nachweislich sehr viele Menschen in der jungen Zielgruppe erreicht und auch Aufklärung leisten können, wie der Umgang mit dem eSports auszusehen hat.“

Klar ist dennoch: Corona-Pandemie und ein möglicher Bundesliga-Abstieg – für Werder Bremen kann es in Zukunft finanziell ganz schön eng werden. Aufgeben würden die Grün-Weißen eSports zwar nicht, aber der Club würde mit engerem Etat Prioritäten setzen müssen. Das würde auch den eSports-Bereich treffen. Zocken ist zwar sicheres Entertainment in der Krise, aber deswegen noch lange nicht sicher vor der Krise. (han)

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