Ex-Bundesliga-Keeper Jürgen Rynio (hier im 96-Dress) verzichtete für seinen Arbeitgeber Borussia Dortmund mal auf ein Drittel seines Gehalts.
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Ex-Bundesliga-Keeper Jürgen Rynio (hier im 96-Dress) verzichtete für seinen Arbeitgeber Borussia Dortmund mal auf ein Drittel seines Gehalts.

Zur Rettung seines Vereins

Rückblick: Dieser Profi verzichtete auf Teile seines Gehalts

Von Hans-Günter Klemm. Es ist eines der kontrovers diskutierten Themen in Zeiten der Corona-Krise: Ein Gehaltsverzicht der Fußball-Profis. Auch bei Werder Bremen wird die Möglichkeit von Einsparungen beim üppigen Spieler-Salär in Betracht gezogen. Doch gab es so etwas überhaupt schon einmal?

Unser Autor Hans-Günter Klemm hat ganz tief in den Fußball-Archiven gewühlt und dabei einen Ex-Profi gefunden, der auf große Teile seines Gehalts verzichtete, um seinen Club zu retten - sein Name ist Jürgen Rynio.

„Es ist durchaus legitim, darüber nachzudenken“, sagt Jürgen Rynio über ein Thema, das der finanziell angeschlagene Profifußball in den bedrohlichen Zeiten des Corona-Virus vorläufig am liebsten ausklammern möchte. Gehaltsverzicht der Profis als ein Mittel, um die wirtschaftliche Schieflage in den Griff zu bekommen. Noch ein Tabuthema in Kreisen der Deutschen Fußball-Liga (DFL), wie sich zeigte. Als Markus Söder, Bayerns Ministerpräsident, dies jüngst in die Debatte warf, reagierte mit Horst Heldt, Sportvorstand des 1. FC Köln, ein Vertreter der Branche erzürnt und sprach von Populismus.

Torhüter Jürgen Rynio verzichtete auf 30.000 Mark - zur Rettung seines Vereins Borussia Dortmund

Eine solch heftige Reaktion kann Rynio, der ehemalige Torwart, nicht nachvollziehen. Für ihn ist es nachvollziehbar, dass in der aktuellen Notlage auch derartige Gedankenspiele verfolgt werden. Dabei darf der rüstige Senior, der am 1. April 72 Jahre alt wird, als ausgewiesener Experte in diesen Dingen gelten. 1974, als er im Aufgebot des Zweitligisten Borussia Dortmund stand, hat der Keeper (186 Erstligaspiele) beträchtliche Einbußen beim Gehalt akzeptiert, um seinem Arbeitgeber, bei dem die Lizenzerteilung mehr als fraglich war, aus der finanziellen Klemme zu helfen. 

„Ich habe damals auf etwa 30.000 Deutsche Mark verzichtet“, erzählt der heutige Inhaber eines Heims für geistig und körperlich Behinderte in Bergen bei Celle. Sein jährliches Bruttogehalt habe sich um die 100.000 Mark bewegt. „Der Verein war in einer schlimmen Notlage. Ich wollte nicht, dass die Borussia von der Bildfläche verschwand. Wir waren alle gefordert.“

Jürgen Rynio arbeitete nach seiner Karriere als Bundesliga-Keeper auch als Trainer.

BVB-Präsident forderte Profis zum Gehaltsverzicht auf

Ganz ohne Zwang lief das Ganze nicht ab. Heinz Günther, ein Bergwerksdirektor, neu ins Präsidentenamt gewählt, setzte den Spielern quasi die Pistole auf die Brust. „Wir waren in ein Hotel bestellt“, erzählt Rynio, der sich selbst hochnehmend „Bundesliga-Rekordabsteiger“ nennt, weil er mit fünf verschiedenen Vereinen jeweils nicht den Klassenerhalt geschafft hat. 

„Jeder musste dann einzeln ins Zimmer, wo Herr Günther wartete, der von allen einen Gehaltsverzicht forderte.“ Eine unwirtliche Situation, wie Rynio erinnert, den alle nur „Max“ rufen. Drinnen für jeden der Poker, der einer Erpressung gleichkam, weil gedroht wurde, dass der Vertrag nicht verlängert werden sollte. Draußen wartete der Rest der Truppe. „Wir haben uns abgestimmt, doch ob alle die Wahrheit gesagt haben?“

Ex-Profi Jürgen Rynio verzichtete auf ein Drittel seines Gehalts: „Müsste für die Profis heute leicht sein“

Rynio, kurze Zeit später zu RW Essen gewechselt, jedenfalls hat es getan, rettete somit den BVB vor dem Konkurs. Einige Kollegen sträubten sich, wurden ausgegrenzt und nicht mehr aufgestellt. Und weiter zum Thema Solidarität untereinander, dem zweiten gern umschifften Komplex in diesen Tagen in der Welt des Fußballs: Auch Schalke, der Erzrivale, sprang hilfreich ein, trat zum Benefizspiel im für die WM neu erbauten Westfalenstadion an. 

Ein warmer Geldregen für die darbende Borussia. Auch dank Rynio, der auf ein Drittel seines Lohns verzichtet hatte. Eine andere Dimension im Vergleich zu den heutigen Millionen-Summen. Sein Appell daher: „Die Profis in der heutigen Zeit stecken so voller Geld, profitieren vom jahrelangen Boom, es müsste für sie leicht und selbstverständlich sein, auf etwas Geld zu verzichten.“

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