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Ex-HSV-Profi Michael Gravgaard im Duell mit Werder-Legende Claudio Pizarro (Archivbild).

Der Mann mit dem Makel

Michael Gravgaard: Die Papierkugel verfolgt ihn bis heute

Es war nur ein winzig kleiner Fehltritt, eine Szene, in der Michael Gravgaard einfach nur Pech hatte - und mit der er Fußballgeschichte schrieb. Im Rückspiel des UEFA-Cup-Halbfinals zwischen dem HSV und Werder stolperte der Hamburger Verteidiger den Ball ins Toraus, nachdem dieser über eine mittlerweile legendäre Papierkugel gesprungen war. Ecke für Werder, Tor zum 3:1 - die Entscheidung.

Es war der mit Abstand kurioseste Moment in ohnehin schon kuriosen 19 Tagen im Frühjahr 2009, als sich Werder und der HSV in DFB-Pokal, UEFA-Cup und Liga gleich vier mal duellierten. Am 22. April begann damals die „Vierschanzentournee“ der etwas anderen Art - kurz vor ihrem zehnten Jahrestag hat sich Gravgaard gegenüber der „Bild“ an die Derbys erinnert.

„Bis heute habe ich mir keines dieser Spiele je angeschaut. Es ist zu hart für mich“, verrät der dänische Verteidiger, den der HSV damals für eine Saison vom FC Nantes ausgeliehen hatte - und der miterleben musste, wie sein Club gegen Werder alles verspielte. „Wenn es gegen Frankfurt und Leverkusen gewesen wäre: schlimm. Aber es war gegen Werder. Schlimmer hätte es nicht sein können“, sagt Gravgaard. „Ich habe gespürt, wie sehr sich die Stadt nach einem Titel sehnt. Und dann haben wir alles verloren. Es war der Start für die Talfahrt der nächsten Jahre.“

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Ehemalige Kollegen piesacken Gravgaard noch heute

Der Abwehrspieler verließ den HSV nach der Saison wieder - die Papierkugel verfolgt ihn allerdings noch immer. „Ich war heute Vormittag mit Daniel Jensen beim Altherrenfußball und er kam auch damit an“, berichtet Gravgaard. Ex-HSV-Spieler Stig Töfting geht sogar noch einen Schritt weiter: „Er nennt mich Papierkugel.“

Auch in seiner späteren Funktion als Manager des dänischen Erstligisten Randers FC ließ das Thema „Papierkugel“ Gravgaard keine Ruhe - denn eines Tages hatte er plötzlich Werders damaligen Torschützen und heutigen Sportchef Frank Baumann am Telefon. „Wir wollten einen Spieler leihen. Und ich hatte die ganze Zeit in meinem Kopf: Du bist der Grund, dass meine Karriere in Hamburg nur an diesem einem Moment festgemacht wird. Ich wollte es ihm sagen, habe es dann aber doch gelassen.“

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