Peter Niemeyer spielte von 2007 bis 2010 für den SV Werder Bremen und von 2015 bis 2018 für den SV Darmstadt 98.
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Peter Niemeyer spielte von 2007 bis 2010 für den SV Werder Bremen und von 2015 bis 2018 für den SV Darmstadt 98.

Ex-Werder-Profi Niemeyer im Interview

Ex-Werder-Spieler Niemeyer vor Darmstadt-Spiel: „Ich ziehe den Hut vor Frank Baumann“

Münster - Das Urteil von Peter Niemeyer ist eindeutig. „Ich ziehe den Hut“, sagt er über die Arbeit von Frank Baumann als Sportchef des SV Werder Bremen und bezieht in sein Lob auch Clemens Fritz als Leiter Profifußball mit ein. Natürlich ist auch dem ehemaligen Werder-Profi der Abstieg des Traditionsvereins nicht entgangen, aber die Aufarbeitung danach sei enorm gewesen.

Der 38-Jährige, der selbst als Sportdirektor des Regionalligisten Preußen Münster tätig ist, spricht im Interview mit der DeichStube aber nicht nur über seinen ehemaligen Teamkollegen, sondern vor allem auch über das Spitzenspiel zwischen Werder und Darmstadt am Samstag (20.30 Uhr, im DeichStube-Liveticker). Für die „Lilien“ spielte Peter Niemeyer von 2015 bis 2018, bei Werder Bremen stand er von 2007 bis 2010 unter Vertrag und gehört zu den Pokalsiegern von 2009. 

Sie haben sowohl Werder Bremen als auch Darmstadt 98 kennengelernt. Wie unterscheiden sich die beiden Vereine, Peter Niemeyer?

Ich bin wahnsinnig stolz darauf, für diese Clubs gespielt haben zu dürfen. Werder hat allerdings eine ganz andere Dimension als Darmstadt. Von der Historie her, vom Stadion her, von der Fangemeinde her. Ich habe mich in beiden Clubs sehr wohlgefühlt. Auch Darmstadt hatte und hat einen ganz gewissen Charme. Es ist erstaunlich, wie es diesem Club immer wieder gelingt, aus den begrenzten Möglichkeiten große Dinge zu schaffen. Uns hat doch damals auch niemand zugetraut, dass wir mit Darmstadt in der Bundesliga bleiben. Wir haben es mit der Darmstädter Art geschafft, wie ich es mal nennen würde.

Diese spezielle Art wird auch in dieser Spielzeit deutlich. Oder?

Richtig, Darmstadt spielt eine sensationelle Saison, richtig guten Fußball, vor allem tollen Offensivfußball. Ich bin von der Vorstellung der Mannschaft begeistert.

Werder Bremen-Ex-Profi Peter Niemeyer über Darmstadt-Trainer Torsten Lieberknecht: „Leistet vorzügliche Arbeit“

Ist das vor allem ein Verdienst des Trainers? Hatten Sie mal Kontakt zu Torsten Lieberknecht?

Leider nein, ich kenne nur Dimo Wache, den Torwarttrainer, näher. Er war schon zu meiner Zeit da. Torsten Lieberknecht leistet vorzügliche Arbeit, hat eine stabile Mannschaft aufgebaut – wie damals in Braunschweig übrigens, wo ihm mit der Eintracht der Aufstieg in die 1. Liga geglückt ist. Die Spieler wissen, worum es geht in der 2. Liga. Sie haben auch die nötige Erfahrung und können sich auf die besonderen Gegebenheiten einstellen, die in dieser speziellen Spielklasse gefordert sind.

Sie haben die Offensivabteilung angesprochen. Das Sturmduo Luca Pfeifer und Phillip Tietz zählt in dieser Hinsicht zu dem Besten, was die 2. Liga zu bieten hat.

Die Torquote spricht für sich. Tietz 13 Treffer, Pfeifer 12 Treffer. Beide stehen den Bremer Torjägern kaum nach. Schade, dass Marvin nun wegen einer Corona-Infektion ausfällt. Gerade in einem Spitzenspiel sollten immer die besten Spieler dabei sein. Aber in der Corona-Zeit müssen wir damit leben.

Bei Werder fehlen auch noch Ömer Toprak, Marco Friedl und Mitchell Weiser.

Das ist ein schwerer Schlag für Werder. Jetzt zeigt sich die Breite eines Kaders. Es gibt auch andere Spieler mit einer hohen Qualität, wobei ich in erster Linie an Milos Veljkovic denke. Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft diese Ausfälle kompensieren kann und am Ende oben stehen wird.

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Werder Bremen gegen Darmstadt 98: Ex-Profi Peter Niemeyer lobt Ole Werner - „macht einen fantastischen Job“

Werder hat unter Ole Werner in Heidenheim die erste Niederlage kassiert. Kann die Mannschaft diesen Rückschlag verkraften?

Ich glaube schon. Dafür wird schon der Trainer sorgen, der aus meiner Sicht einen fantastischen Job macht.

Was zeichnet Werner besonders aus?

Wie ich ihn aus der Ferne wahrnehme, passt Ole Werner mit seiner ruhigen Art perfekt nach Bremen. Er passt einfach zur Werder-Philosophie, er verkörpert die Werte, für die Werder gemeinhin steht. Er lebt vor allem diese Demut vor, die wichtig ist. Kompliment an ihn, dass er so schnell eine gewisse Ruhe in die Mannschaft und somit auch in den Club und ins Umfeld bekommen hat. Dabei hat ihm natürlich die Erfolgsserie geholfen.

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Mit Frank Baumann haben Sie einst zusammengespielt. Er stand in Bremen mehrfach in der Kritik. Wie beurteilen Sie seine Arbeit?

Erstmal erinnere mich noch gerne an meine Werder-Zeit - vor allem an meine Einwechslung im Pokalfinale 2009. Ich kam für Frank, der damals in Berlin sein letztes Spiel gemacht hat. Eigentlich halte ich mich mit öffentlichen Urteilen über andere Personen sehr zurück. Doch wenn ich sehe, was im letzten Sommer bei Werder nach dem Abstieg passiert ist, kann ich die Kritik an Frank Baumann nicht nachvollziehen.

Können Sie das konkretisieren?

Es musste unter schwierigen Voraussetzungen ein Kader zusammengestellt werden. In Theodor Gebre Selassie wechselte ein alter Haudegen und Publikumsliebling in seine Heimat, auch Niklas Moisander ging weg. Die besten Spieler wie Milot Rashica, Josh Sargent, Maximilian Eggestein und Ludwig Augustinsson mussten verkauft werden. Auch Johannes Eggestein und Yuya Osako sind nicht mehr da. Es blieben Spieler, denen das Etikett „Absteiger“ um den Hals baumelte. Gemeinsam mit Clemens Fritz hat Frank es dennoch geschafft, einen ambitionierten Kader zusammenzustellen, der den sofortigen Wiederaufstieg schaffen kann. Der unfreiwillige Trainerwechsel hat auch noch mal frischen Wind gebracht. Werder ist gut in die Spur gekommen. Das ist auch das Werk von Frank und Clemens. Ich ziehe den Hut davor..

Werder Bremen-Ex-Profi Peter Niemeyer vor Darmstadt-Spiel über Frank Baumann: „Kann die Kritik nicht nachvollziehen“

Steigt Werder auf?

Ich hoffe es. Genauso wie ich mich freuen würde, wenn auch Darmstadt aufsteigen sollte.

Wie sehen Sie insgesamt das spannende Aufstiegsrennen im Unterhaus?

Die 2. Liga ist einfach geil. Maximale Spannung, dabei wird auch guter Fußball geboten – von jeder der Spitzenmannschaften auf eine andere Art. Ich schaue momentan lieber die 2. Liga als die Bundesliga, sie macht mir mehr Spaß. 

Ihr Club Preußen Münster führt die Tabelle der Regionalliga West an. Schafft das Gründungsmitglied der Bundesliga den Aufstieg?

Es ist noch alles offen - wie in der 2. Liga. Wir spielen eine gute Saison und stehen an der Spitze, doch das Tabellenbild ist durch die vielen Nachholspiele verzerrt. Leider ist die Regionalliga in gewisser Weise ein Nadelöhr, weil es nur einen Aufsteiger gibt und viele namhafte Vereine sich etwas erhoffen. (hgk) Schon gelesen? So könnte die Startelf-Aufstellung von Werder Bremen gegen Darmstadt 98 aussehen!

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