Dominik Kaiser (l., heute Hannover 96) und Davie Selke (heute Werder Bremen) haben gemeinsam für RB Leipzig gespielt. Kaiser hat Selke „als einen guten Typen kennengelernt, der immer Vollgas gibt“.
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Dominik Kaiser (l., heute Hannover 96) und Davie Selke (heute Werder Bremen) haben gemeinsam für RB Leipzig gespielt. Kaiser hat Selke „als einen guten Typen kennengelernt, der immer Vollgas gibt“.

Vor DFB-Pokal-Halbfinale Werder Bremen gegen RB Leipzig

Ex-Leipzig-Kapitän Dominik Kaiser im Interview: „Werders Negativlauf, das ist schon happig“

Nicht gerade mit großer Freude erinnert er sich an das Pokalspiel gegen Werder Bremen kurz vor Weihnachten. „Bremen war damals gut in Form“, blickt Dominik Kaiser zurück und attestiert den Hanseaten eine mehr als stabile Hinserie. Der ehemalige Kapitän von RB Leipzig, der nun für den Zweitligisten Hannover 96 aufläuft, kann den Formeinbruch bei der Kohfeldt-Elf nicht so ganz verstehen: „Werder hat nun einen Negativlauf, ganz schön happig. Dennoch traue ich dem Club den Klassenverbleib zu.“

Der 32-Jährige, von 2012 bis 2018 beim Bremer Pokalgegner unter Vertrag, spricht über seine Zeit bei RB Leipzig, vergleicht die Spielweise der Red-Bull-Schule mit der Herangehensweise bei Florian Kohfeldt und beleuchtet die den Weggang von Julian Nagelsmann zu Bayern München. Für ihn ist Werder Bremen im DFB-Pokal-Halbfinale der krasse Außenseiter, zumal das Team noch auf der Suche nach der „richtigen Balance“ zwischen Defensive und Offensive ist.

Freuen Sie sich, dass Sie mit Hannover 96 in der nächsten Saison auf einen ruhmreichen Traditionsverein wie Schalke 04 in der 2. Liga treffen, Dominik Kaiser?

Ich würde mich mehr freuen, wenn ich mit Hannover in der Bundesliga gegen Schalke spielen könnte. Das wäre die weitaus bessere Variante. Doch die Voraussetzungen dafür konnten in dieser Spielzeit von beiden Seiten nicht geschaffen werden. So herrscht in den beiden Clubs sicher Unzufriedenheit vor.

Wie sieht es mit einem anderen Traditionsklub aus? Könnte es Nord-Vergleiche mit Werder Bremen geben?

Alles ist möglich, in der Bundesliga sind einige Mannschaften im Tabellenkeller in der Verlosung, was den Abstieg betrifft. Werder neuerdings auch wieder, mit Hertha BSC Berlin eine weitere Topadresse aus dem Oberhaus, dazu Köln. Es steht jedenfalls fest, dass es in der kommenden Spielzeit eine recht starke 2. Liga geben wird. Für uns in Hannover wird es auf jeden Fall nicht leichter, den ersehnten Aufstieg zu verwirklichen.

Wie sehen Sie konkret die Bremer Chancen auf den Klassenerhalt?

Momentan hat Werder Bremen einen Negativlauf, sieben Spiele nicht gesiegt, das ist schon happig. Es zeigt, wie schnell es gehen kann, unten reinzurutschen. Werder hat eine einigermaßen stabile Hinrunde gespielt. Ich kann mich noch gut an unser Pokalspiel vor Weihnachten erinnern, als die Bremer gut in Form waren und uns keine Chance ließen. Zwischenzeitlich hatten sie sich auch ein scheinbar sicheres Polster zu den Abstiegsrängen aufgebaut. Ich vermute, dass sie sich nicht zu früh in Sicherheit gewogen haben. Doch nun sind sie in eine Abwärtsspirale geraten. Dennoch traue ich ihnen zu, den Verbleib sicherzustellen.

Dominik Kaiser über Werder Bremen: „Ich halte Florian Kohfeldt für einen guten Erstliga-Coach“

Sie haben die letzten Bremer Vorstellungen verfolgt. Welchen Eindruck haben Sie gewonnen?

Generell schätze ich Florian Kohfeldt so ein, dass er einen offensiven und attraktiven Fußball spielen lassen möchte. In seiner ersten kompletten Saison als Cheftrainer hat er dies auch getan. Inzwischen nach dem letzten Jahr, das nicht so optimal gelaufen ist, hat er einen etwas defensiveren Ansatz gewählt. Mehr Sicherheit, auf Kosten des Angriffsspiels, dabei haben die Bremer noch nicht die perfekte Balance gefunden.

Vor drei Jahren wurde Kohfeldt zum Trainer des Jahres gekürt. Passt dieser Vertreter der jungen Trainer-Generation in die Reihe der vor allem durch die Red-Bull-Schule geprägten Fußballlehrer?

Ich halte Kohfeldt für einen guten Erstliga-Coach. Im Vergleich zu der Spielweise beispielsweise bei RB Leipzig, der Zeit vor Julian Nagelsmann, als ich noch dort spielte, setzt Kohfeldt indes doch mehr auf Ballbesitz. Früher war der Stil bei Red Bull extrem durch Pressing und Konter geprägt.

In Leipzig haben Sie mit Davie Selke zusammengespielt. In Bremen als Hoffnungsträger geholt, kann Selke diesem Anspruch nicht gerecht werden. Wie sehen Sie den Torjäger mit Ladehemmung?

Ich habe Davie als einen guten Typen kennengelernt, der immer Vollgas gibt, der sich stets in den Dienst der Mannschaft stellt. Seine Gefährlichkeit entwickelt er im Strafraum. Wenn er in guter Verfassung ist, macht er dort seine Tore. So hat er sich bei uns im Jahr des Aufstiegs in der Bundesliga bewährt. Leider ist er momentan nicht in dieser Form. Und auch wichtig: Bei Werder kommt er nur selten in die Situationen im Sechszehner, in denen er seine Qualitäten zeigen kann.

Werder hat nach tagelangen Beratungen Kohfeldt auf Bewährung das Vertrauen ausgesprochen, hat somit als einziger Verein nicht zu dem üblichen Mittel der Beurlaubung gegriffen. Wie bewerten Sie dies?

Für diese Frage bin ich der falsche Ansprechpartner.

Werder Bremen-Gegner RB Leipzig will DFB-Pokal als ersten Titel holen: „Das vorrangige Ziel“

Zu den aktuellen Personalien bei Ihrem Ex-Club Leipzig: Manager Markus Krösche hört vorzeitig im Sommer auf, Trainer Julian Nagelsmann wechselt zu den Münchner Bayern. Ihr Kommentar?

Dass Julian Nagelsmann ein Kandidat beim Rekordmeister würde, konnte ich mir gut vorstellen. Er hat sowohl in Hoffenheim als auch in Leipzig seine Qualitäten bewiesen. Somit ist es quasi folgerichtig, dass er bei den Bayern der Nachfolger von Flick wird. Für mich überraschend kommt der Abschied von Markus Krösche.

Sind die Leipziger inzwischen zur Nummer zwei in Deutschland aufgerückt? Haben sie Dortmund überholt?

So weit würde ich noch nicht gehen. Es ist eine Momentaufnahme, dass sie in dieser Saison lange der einzige Verfolger der Bayern waren, bevor auch sie abreißen lassen mussten. Doch ich würde die Dortmunder Borussia noch auf eine Stufe mit den „Bullen“ stellen.

Leipzig ist im letzten Jahr erst im Pokalfinale an Bayern gescheitert. Nun winkt erneut der Einzug ins Endspiel. Kann Rasenballsport nun den ersten Titel holen?

Es ist das vorrangige Ziel, zumal in der Liga nichts mehr geht. Bayern ist schon raus aus dem Cup. Es erhöht die Chancen auf den Titel.

Vorher muss die Hürde Werder übersprungen werden. Sind die Leipziger im Halbfinale, obwohl sie ein Auswärtsspiel haben, der klare Favorit?

Natürlich, wenn alles normal läuft, sollten sie gewinnen. Doch im Pokal ist, wie viele Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, alles drin.

Werder Bremen mit vollem Fokus auf DFB-Pokal? Dominik Kaiser: „Wer im Halbfinale steht, will auch nach Berlin“

Werder in Abstiegsangst, nun das Highlight im DFB-Pokal.

Zwei unterschiedliche Wettbewerbe, am Freitag werden sich die Bremer voll auf den Pokal konzentrieren. Ich kann nur aus Sicht eines Spielers sprechen: Wer im Halbfinale steht, der will auch nach Berlin.

(Verfolgt das DFB-Pokal-Halbfinale zwischen Werder Bremen und RB Leipzig im Liveticker der DeichStube)

Sie gelten als das Gesicht der atemberaubenden Erfolgsgeschichte in Leipzig, haben als Stammspieler den Aufstieg von der Regionalliga bis in die Bundesliga mitgemacht. Welche Erinnerung haben Sie daran?

Ich habe vor allem die Spielzeit im Gedächtnis, als der erste Aufstieg, der in die 3. Liga, am seidenen Faden hing. Wir mussten in die Relegation gegen die Sportfreunde Lotte. Ein schweres Stück Arbeit und der wichtigste Schritt.

Danach lief alles wie von selbst?

Es ging dann sehr rapide nach oben, schneller, als wir es erwartet haben. Es wurden viele gute Entscheidungen getroffen, der Club hat sich famos entwickelt, auch was die Infrastruktur und die wirtschaftlichen Möglichkeiten betrifft. Somit wuchs kontinuierlich die Wahrscheinlichkeit, dass es immer weiter nach vorn geht.

In der Öffentlichkeit, in den Medien, aber auch bei den Fußballfans wird oft abfällig vom „Konstrukt“ RB Leipzig gesprochen. Können Sie die Diskussionen und die Kritik nachvollziehen?

Es begann schon, als ich noch für Leipzig spielte. Ich habe mich darauf eingestellt. Ich wusste damit umzugehen. Kritik gehört nun mal dazu, wenn sie im fairen Rahmen bleibt. Ich habe die enorme Entwicklung von RB hautnah erlebt und kann es ganz gut beurteilen: Der Club ist von Jahr zu Jahr gewachsen und tut dies weiterhin. Leipzig ist auf einem sehr guten Weg. Inzwischen empfange ich auch schon mehr und mehr ein positives Feedback über die Entwicklungsschritte und Erfolge bei meinem Ex-Club, bei dem ich fantastische Jahre erlebt habe. Damals habe ich mich voll auf den Sport konzentriert und versucht, alles andere auszublenden. Damit bin ich persönlich gut gefahren.

(Auch interessant: Die Werder-Aufstellung im DFB-Pokal gegen RB Leipzig: Mit Ömer Toprak in der Startelf, aber wohl ohne Milot Rashica - und so seht Ihr das DFB-Pokal-Halbfinale Werder Bremen gegen RB Leipzig live im TV und im Live-Stream!)

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