Diego, der ehemalige Star-Spielmacher des SV Werder Bremen, hängt noch ein Jahr bei Flamengo Rio de Janeiro dran.
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Diego, der ehemalige Star-Spielmacher des SV Werder Bremen, hängt noch ein Jahr bei Flamengo Rio de Janeiro dran.

Ex-Werder-Profi Diego: Bald Karriereende?

Lange erste Reihe, jetzt zweite Geige: Ex-Werder-Star Diego verlängert Vertrag bei Flamengo - ein letztes Mal?

Rio de Janeiro - Die erste Geige spielt er längst nicht mehr. Lange Zeit der Solist im Starensemble von Flamengo Rio de Janeiro, muss sich Diego fügen und im Orchester des brasilianischen Vorzeigeclubs in den Hintergrund treten. Eine Rolle als Ergänzungsspieler, die der frühere Star des SV Werder Bremen, der auf die Zielgerade seiner beispiellosen Laufbahn in Europa und Südamerika eingebogen ist, längst akzeptiert hat. Die Nummer 10 lässt ihre Karriere langsam auslaufen bei den Rot-Schwarzen vom Zuckerhut, wo Diego Ribas da Cunha noch vor dem letzten Meisterschaftsspiel gegen Atletico Goianense (0:2) seinen Vertrag um ein Jahr verlängert hat.

„Zu diesem Club habe ich eine starke Verbindung aufgebaut“, erklärte der in Sao Paulo geborene Edeltechniker in diesen Tagen. Er könne sich vorstellen, so Diego weiter, bei Flamengo den letzten Schritt als Fußballer zu machen. Der alte Kontrakt, der ihm laut Medienberichten rund 3,5 Millionen Euro pro Jahr eingebracht hat, wäre zum Jahresende ausgelaufen. Der ehemalige Nationalspieler hätte demnach ablösefrei wechseln können. Ex-Trainer Rogerio Ceni, nun beim FC Sao Paulo engagiert, ein ausgewiesener Diego-Freund, soll Interesse bekundet haben, stieß aber auf Ablehnung.

Zunächst war es nicht gerade ausgemacht, dass Flamengo den alternden Diego weiterbeschäftigt. Etliche Muskelverletzungen, zuletzt ein Ödem in der rechten Wade, verhinderten, dass der 36-Jährige auf kaum mehr als 30 Spiele gekommen ist. Zudem hat der augenblicklich eher im defensiven Zentrum eingesetzte Mittelfeldspieler im Spätsommer seiner Schaffenskraft extrem an seiner Torgefahr eingebüßt: nur einen Treffer erzielt, einen Assist verbucht. Die Bosse des Rio-Clubs um Präsident Rodolfo Landim und Vize Marcos Braz schwankten.

Ex-Werder-Bremen-Star Diego: Bei Flamengo vom Leistungsträger zum Edeljoker

Schließlich gab Braz, der Entscheider im Präsidium, Anfang November bekannt, dass Flamengo weiter setzt auf die „85. Generation“. Ein Trio, das im Jahr 1985 geboren wurde. Außer Diego noch zwei ebenfalls früher in Europa beschäftigte Profis: Linksverteidiger Filipe Luis, ehedem bei Chelsea und Atletico Madrid, seit zwei Jahren in Rio, sowie Torwart Diego Alves, der einst für Valencia und Atletico Madrid spielte und seit 2017 zurück nach Brasilien und zum Lieblingsverein der Nation wechselte. Das Duo zählt noch zu den Leistungsträgern und stand in der Mannschaft, die im Finale der Copa Libertadores mit 1:2 gegen Palmeiras unterlag.

Eine Partie, die Diego wie so viele andere wichtige Begegnungen in diesem Jahr von der Reservebank aus verfolgen musste. Vor zwei Jahren beim Titelgewinn in der lateinamerikanischen Königsklasse gegen River Plate Buenos Aires avancierte er als Joker noch zum Matchwinner, diesmal kam er nicht mal als Einwechselspieler zum Zuge. Zuspruch gab es hinterher von Sohn Davi, der seinen Vater mit einem Eintrag in den sozialen Netzwerken würdigte: „Hallo Papa! Du spielst viel, auch wenn Du nicht mitmachst. Verlieren gehört dazu, trotzdem liebe ich Dich sehr.“

Werder Bremen: Ex-Star Diego hat seinen Stammplatz bei Flamengo verloren

Diegos Platz im Team ist neuerdings vergeben an einen Mann, der als Leihgabe von Manchester United zu dem Zico-Verein wechselte. Andreas Pereira, 25 Jahre jung, in Belgien geborener Brasilianer, der als Dirigent und Standardspezialist sein Erbe angetreten hat. Diego akzeptiert diesen Rollentausch. Fair und kameradschaftlich nahm er Andreas in Schutz, nachdem dieser mit einem katastrophalen Fehler die Niederlage im Endspiel gegen Palmeiras verschuldet hatte: Es könne jedem passieren, verteidigte der ehemalige Star des SV Werder Bremen den von den Flamenguista, den heißblütigen Fans, verteufelten Kollegen. Andreas werde dies bald wieder gutmachen.

Wer das Copa-Finale verfolgt hat, wird sich in der zweiten Hälfte gefragt haben, ob etwas mit seinen Augen sei. Einwechselung in der 63. Minute, ein neuer Mann für Everton Ribeiro, den blassen Selecao-Künstler, ein neuer Impuls. Durch Diego? Der Star doch auf dem Feld? Nein, es kam ein Akteur, der in mancher Hinsicht wie ein Double des einstigen Bundesliga-Profis wirkte. Ähnliche Statur, gleicher Laufstil, analoger Bewegungsablauf, deckungsgleiche Spielauffassung. Sein Name: Michael Richard Delgado de Oliveira, einfach Michael genannt. 25 Jahre jung, seit einem Jahr im Kader, aus Goias gekommen, für 7,5 Millionen Euro Ablöse verpflichtet, Gewinner der Bola da Prata 2019, der Auszeichnung für den besten Newcomer.

Karriereende naht: Bleibt Werder Bremens Ex-Star Diego dem Fußball erhalten?

Bei Flamengo hat die Zukunft begonnen. Eine Zukunft mit Diego, dem Zweiten, der gelungenen Kopie. Ohne Diego, den I., Diego, den Großen, ohne das Original, das 2022 noch als Edelreservist auftritt, sich ansonsten vorbereitet auf den Ruhestand. Im Nobelvorort Barra da Tijuca, unweit des Olympia-Geländes, hat sich der Oldtimer ein sündhaft teures Grundstück gekauft, auf dem er eine Luxusimmobilie zu bauen beabsichtigt. Ein exklusives Penthouse mit einem Pool und einem Fußballplatz. Stolzer Preis allein für das Gelände, wie kolportiert wird: mehr als eine halbe Million Euro. Sein Ruhesitz, wo der Pensionär mit seiner Familie leben möchte, die in diesem Jahr größer geworden ist. Ehefrau Bruna, auch in der Werder-Zeit schon an seiner Seite, brachte Töchterchen Leticia auf die Welt, Zuwachs zu den Söhnen Davi und Matteo.

Was er mal machen werde, lässt Diego weiterhin offen. Als Buchautor probierte er sich jüngst, veröffentlichte kurz vor Weihnachten seine Biographie. Ein Job bei Flamengo, den sie der Legende mit Sicherheit anbieten werden, könnte möglich sein, ist aber noch nicht verbrieft. Nach fast 20 Jahre im Berufsfußball ist sich Diego noch nicht sicher, ob er sich den Stress in diesem Berufszweig weiter antun möchte. Er sagt lediglich: „Fußball ist in meinem Blut.“ (hgk)

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