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Mit dem Rad kommt Ehrenpräsident Klaus-Dieter Fischer noch oft am Weserstadion vorbei. Auch Max Lorenz (oben Mitte), Manfred Müller (oben rechts), Willi Lemke (unten Mitte) und Jürgen L. Born (unten rechts) sind dem SV Werder Bremen weiterhin sehr verbunden und machen sich so ihre Gedanken, was den neuen Stadionnamen betrifft.

Werder-Experten beurteilen den Verkauf des Stadionnamens

„Mein Traum war die Beck‘s-Arena“

Bremen - Nur noch einen Monat, dann wird aus dem Weserstadion das Wohninvest Weserstadion. Der SV Werder Bremen wird zum 1. Juli den Stadionnamen an das Immobilienunternehmen Wohninvest Holding GmbH in Fellbach bei Stuttgart verkaufen und dafür in den nächsten zehn Jahren pro Saison drei Millionen Euro kassieren – also zusammen 30 Millionen Euro.

Es fehlen nur noch die Unterschriften unter dem Vertrag. Die Nachricht von der Umbenennung des Weserstadions sorgte am Freitag für viel Aufsehen, es hagelte jede Menge Kritik, aber es gab auch Zustimmung. Die DeichStube hat sich bei prominenten Werderanern umgehört, was sie von der Umbenennung halten.

Besonders interessant sind dabei die Aussagen von Manfred Müller. Der heute 74-Jährige war als damaliger Geschäftsführer für den letzten Umbau des Stadions maßgeblich verantwortlich, machte auch den Deal mit EWE klar. Das Versorgungsunternehmen aus Oldenburg zahlte von 2008 bis 2018 jährlich ebenfalls drei Millionen Euro für den Stadionnamen, ohne ihn tatsächlich zu nutzen. Ein Coup.

Paint lässt grüßen - Netzreaktionen zum neuen Stadion-Logo und Wohninvest

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Umbenennung des Weserstadions notwendig, finden Werder-Bremen-Experten

Müller träumte davon, eine Bremer Brauerei zusätzlich ins Boot zu holen. Doch alle Versuche scheiterten, die erhoffte Beck's-Arena wurde nie Realität, weil sich das Unternehmen lieber in anderen Sportarten engagierte und die Entscheidungen über die Marke, die längst zu einem Weltkonzern gehörte, nicht mehr in Bremen fielen. Müller sieht die aktuelle Umbenennung des Weserstadions als absolut notwendig an – wie übrigens alle Befragten. Aber die eine oder andere kritische Anmerkung ist dennoch dabei:

Manfred Müller (Ex-Geschäftsführer bei Werder): „Es gibt nicht Firmen wie Sand am Meer, die für einen Stadionnamen bezahlen. Und wir sind auch nicht der FC Bayern, bei dem die Sponsoren Schlange stehen. Es ist gut, dass Werder diesen Sponsor gefunden hat. Der wird mit diesem Engagement seine Bekanntheit steigern und vom guten Image Werders profitieren. Mit dem neuen Namen muss man leben. Mein Traum war immer die Beck's-Arena. Der Name wäre sicherlich zu 100 Prozent in Bremen und umzu akzeptiert worden. Leider hat es nicht geklappt, obwohl wir wirklich viel versucht haben.“

Schon gelesen? Kommentar zum Verkauf des Stadionnamens: Der clevere Vornamen-Trick

Das Weserstadion von Werder Bremen bekommt bald einen Vornamen und heißt dann Wohninvest Weserstadion.

Werder Bremen: 30 Millionen Euro für Namensrechte des Weserstadions

Willi Lemke (Ex-Manager und Ex-Aufsichtsratschef von Werder): „Alle, die Werder lieben, lieben auch den Namen Weserstadion. Deshalb ist es eine schwierige Situation, wenn der Name verkauft wird. Aber wenn man über zehn Jahre verteilt 30 Millionen Euro bekommt und die Belastung auf das Stadion kennt, dann ist diese Entscheidung nachvollziehbar. Das sind die Zeichen der Zeit. Trotzdem tut es weh. Für mich und 98 Prozent der Werderaner wird es aber immer das Weserstadion bleiben, egal, was für ein Name am Stadion steht.“

Max Lorenz (Werder-Legende): „Der neue Name für das Weserstadion gefällt mir überhaupt nicht. Aber in der heutigen Zeit muss man wohl damit leben. 30 Millionen Euro in zehn Jahren sind ja auch eine gute Sache. Aber so lange ich lebe, werde ich ins Weserstadion gehen und nichts anderes sagen. Dieses Stadion, wo die Weser einen großen Bogen macht, ist einmalig in Deutschland, wahrscheinlich sogar in der ganzen Welt. Damit muss man ganz vorsichtig umgehen.“

Wohninvest hat sich für die kommenden zehn Jahre die Namensrechte am Weserstadion gesichert. Aber was ist das eigentlich für ein Unternehmen? Mehr hier: Von der Klitsche zum Koloss - das ist der neue Werder-Partner Wohninvest

Werder Bremen verkauft Stadionnamen - Klaus-Dieter Fischer: „Es muss leider sein“

Klaus-Dieter Fischer (Ehrenpräsident und Ex-Geschäftsführer bei Werder): „Mein grün-weißes Herz ist traurig, aber mein Verstand sagt mir: Es muss leider sein. Die Kredite für das Stadion müssen nun einmal finanziert werden. Die drei Millionen Euro im Jahr sind ein vernünftiger Betrag, die Laufzeit mit zehn Jahren ist auch sehr gut. Und zum Glück konnte auch der Name Weserstadion prominent erhalten bleiben. Für mich ist es sowieso keine Änderung: Ich bin 70 Jahre ins Weserstadion gegangen und werde das auch den Rest meines Lebens tun.“

Jürgen L. Born (ehemaliger Werder-Boss): „Wir stehen bei den Finanzen im Bundesliga-Ranking ziemlich weit unten, trotzdem erwarten die Fans erfolgreichen Fußball von Werder. Es gibt aber keinen Sponsor, der 30 Millionen Euro gibt und dafür nichts haben will. Das Wichtigste ist doch, dass der Name Weserstadion erhalten bleibt – und das hat geklappt.“

Mit jährlich drei Millionen Euro reiht sich Werder Bremen übrigens im Bundesliga-Vergleich im oberen Drittel ein: Nur fünf Vereine kassieren mehr als Werder Bremen für verkaufte Stadionnamen. Noch eine Meinung zum Thema kommt von Arnd Zeigler, Werders Stadionsprecher sagt im Interview mit der DeichStube: „Der Verein ist größer als einzelne Sponsoren.“

Und was sagen die Fan-Gruppen in Bremen? Zahlreiche Werder-Ultra-Gruppen schlagen wegen des Verkauf des Stadion-Namens Alarm.

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