+
Fabian Ernst, früher Profi bei Werder Bremen, wurde nach seiner Landung in Istanbul im Februar 2009 von den Besiktas-Fans empfangen wie ein König.

Früherer Werder-Profi über die Türkei und den Kruse-Wechsel

Ex-Bremer Ernst: „Istanbul kann dich fertigmachen“

Hannover/Bremen – Fabian Ernst, Ex-Profi von Werder Bremen, spricht über die „beste Zeit meiner Karriere“ in der Türkei und den Wechsel von Max Kruse zu Fenerbahce Istanbul.

Erst von irgendwoher das schwarz-weiße Trikot, dann schnell noch den schwarz-weißen Schal – hastig angereicht, übergestreift und umgehangen: Es dauerte damals, am 2. Februar 2009, nur ein paar Sekunden, und Fabian Ernst hatte den Dresscode erfüllt. War plötzlich mehr als angemessen gekleidet für die große Willkommensparty am Istanbuler Flughafen, deren Hauptfigur er schließlich war. In der Winterpause war der ehemalige Werder-Profi von Schalke 04 zu Besiktas Istanbul gewechselt.

Ein Abenteuer, ein Neuanfang auch – noch im Terminal schlug Ernst dann die volle Breitseite türkischer Begeisterung entgegen. Brüllende Männer, singende Männer – und ein Fußballer, der auf ihnen thront, der von ihnen auf Schultern getragen wird. „Es war unbeschreiblich“, erinnert sich Ernst, der mit Besiktas in dreieinhalb Jahren drei Titel gewinnen sollte. Die Zeit in der Türkei nennt er heute „die beste meiner Karriere“. Im Gespräch mit der DeichStube erklärt der 40-Jährige, warum auch Max Kruse seinen Wechsel aus Bremen an den Bosporus nicht bereuen wird, gibt ihm aber auch warnende Worte mit auf den Weg: „Istanbul kann dich auch fertigmachen.“

Max Kruse: Große Begeisterung am Istanbuler Flughafen zu erwarten

Ganz ähnliche Flughafen-Szenen wie sie Ernst damals erlebt und nie wieder vergessen hat, dürften auch Kruse bevorstehen – und zwar am Dienstag. Werders ehemaliger Kapitän wird im Laufe des Tages in der Türkei erwartet, um bei seinem neuen Verein Fenerbahce Istanbul den obligatorischen Medizincheck zu absolvieren. Es ist ein Wechsel, der in der Öffentlichkeit mit reichlich Hohn und Spott bedacht wurde – Tenor: Da hat er wohl keinen besseren Club gefunden, verzockt statt verbessert. Fabian Ernst sieht das komplett anders.

„Ein Wechsel zu Besiktas, Galatasaray oder Fenerbahce, zu einem der drei großen Clubs aus Istanbul, ist auf keinen Fall ein Schritt zurück. Dort spielst du mit vielen international gestandenen Spielern zusammen und in der Regel auch europäisch“, betont der Ex-Profi, der mit Werder 2004 das Double gewonnen hat. Ein Kunststück, das ihm gleich in seiner ersten Saison auch mit Besiktas gelingen sollte. 2011 kam noch ein Pokalsieg hinzu.

Fabian Ernst gewann 2004 mit Werder Bremen das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal.

Fabian Ernst: Guter Start wichtig - sonst „bist du sehr schnell verbrannt“

„Es waren sehr erfolgreiche Jahre“, sagt Ernst, dessen Ex-Verein die vergangene Spielzeit auf Platz drei beendete – deutlich vor Kruses Neu-Club Fenerbahce, der nach einem mehr als enttäuschenden Jahr nur Sechster wurde. „Dabei hat Fener die höchsten Ansprüche der drei großen Istanbuler Vereine“, weiß Ernst – und ist sich sicher: „Die werden im neuen Jahr wieder ganz oben dabei sein. Zwei schlechte Saisons am Stück kannst du dir als großer Verein in der Türkei gar nicht leisten.“ Deswegen nimmt Fenerbahce derzeit Geld in die Hand und baut seinen Kader um – mit Bundesliga-Star Max Kruse als bisher prominentestem Gesicht.

Ernst ist davon überzeugt, dass der 31-jährige Angreifer mit seiner intelligenten Spielweise sehr gut ankommen wird in der Türkei – nur sollte er sie tunlichst vom ersten Tag an zeigen. „Es ist wichtig, dass du einen guten Start hast. Wenn du in der Türkei nicht funktionierst, bist du sehr schnell verbrannt, und dann wird es schwierig.“ Anders als oftmals in Bremen sollte Kruse also besser sofort und nicht erst nach der Hälfte der Hinrunde liefern.

Fabian Ernst bei Besiktas Istanbul: Positives Fazit - trotz heimlicher Ausbootung

Fabian Ernst ist es damals auf Anhieb gelungen, in seiner neuen Heimat Istanbul Fuß zu fassen – auch, weil er sich voll und ganz auf das Abenteuer einließ, Sprachunterricht nahm und auf die Menschen zuging. „Das ist wichtig fürs Alltägliche. Ich wollte dort ja nicht leben wie ein Taubstummer“, sagt er. Auch mit der flirrenden Metropole Istanbul kam Ernst gut zurecht, wenn auch nicht an jedem Tag: „Eine Brücke mit dem Auto zu überqueren, kann bei dem vielen Verkehr schon mal drei, vier Stunden dauern. Außerdem ist es immer laut und voll.“ Türkischer Trubel.

Das Ende von Ernsts Zeit bei Besiktas kam da ganz anders daher – nämlich still und leise. Im Sommerurlaub erfuhr er 2012, dass er gerne noch eine Woche länger wegbleiben dürfe. Als er dann wiederkam, war das Team bereits ohne ihn ins Trainingslager abgereist. „Da wusste ich dann, dass ich raus bin“, sagt er. Und lacht. „Auch das ist eben die Türkei.“ An seinem positiven Fazit nach den Jahren im Besiktas-Trikot ändert das aber nichts. „Der Wechsel in die Türkei hat mich fußballerisch und menschlich definitiv weitergebracht“, sagt Ernst. Und hält fest: „Auch Max Kruse wird den Schritt bestimmt nicht bereuen.“

Warum der Kruse-Wechsel zu Fenerbahce für Werder Bremen gut ist, steht im Kommentar von DeichStube-Reporter Björn Knips. Und was sagt sein Ex-Club? Hier gibt es Stimmen und Reaktionen von Werder Bremen zum Wechsel von Max Kruse zu Fenerbahce Istanbul.

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Was denkst Du über den Artikel?

Kommentare