Der Moment der Fassungslosigkeit: Der SV Werder Bremen steigt zum zweiten Mal in seiner Vereinsgeschichte aus der Bundesliga ab. Die Fans sind am Boden zerstört.
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Der Moment der Fassungslosigkeit: Der SV Werder Bremen steigt zum zweiten Mal in seiner Vereinsgeschichte aus der Bundesliga ab. Die Fans sind am Boden zerstört.

Abstieg

Mit einer falschen Prognose beginnt das Chaos - ein Kommentar zum Werder Bremen-Jahr 2021

Ein Kommentar von Björn Knips. „Glückwunsch, Werder Bremen! Nicht mal kühnste Optimisten hätten nach dem Fast-Abstieg und dem personellen Aderlass daran geglaubt, dass der Klassenerhalt schon am 24. Spieltag geschafft ist.“ Ja, ja, das hat tatsächlich genau so am 11. März 2021 in der DeichStube gestanden. Ich weiß das ganz sicher, denn ich habe es geschrieben – und mich unglaublich geirrt.

Sorry! Aber Werder Bremen hat es tatsächlich geschafft, aus den letzten zehn Partien nur noch einen (!) Punkt zu holen und damit einen Vorsprung von zehn (!) Zählern zu verspielen. Unglaublich, aber wahr! Selten war ein Abstieg dämlicher als dieser. Verantwortlich dafür sind viele – an erster Stelle die Spieler. Dann auch Trainer Florian Kohfeldt und Sportchef Frank Baumann, genauso wie der Aufsichtsrat.

Werder Bremen stand mal für Besonnenheit, Weitsicht oder Kreativität - zuletzt herrschte nur noch Unruhe und Chaos

Der Standort Bremen stand mal für Besonnenheit, Weitsicht und Kreativität. In der jüngeren Vergangenheit herrschte eher Unruhe oder sogar Chaos. Sechs Trainer in einem Jahr sind mit weitem Abstand ein Vereinsrekord – und in Erinnerung an Otto Rehhagel und Thomas Schaaf kaum zu glauben. Beide waren jeweils 14 Jahre am Stück die Macher an der Weser. Im Herbst gab es in 14 Tagen vier Trainer. Immerhin könnte in Ole Werner nun der passende Coach gefunden sein. Aber wer mag das bei Werder Bremen noch vorhersagen? Selbst ich, der stets positiv denkt, bin vorsichtiger geworden.

Das liegt freilich auch an der finanziellen Situation des Clubs. 38 Millionen Euro musste sich Werder über Kredite und eine Anleihe besorgen, um nicht Pleite zu gehen. Die Lage war in der Corona-Pandemie mit den Geisterspielen und den fehlenden Zuschauereinnahmen mehr als bedrohlich. Es drohte tatsächlich die Zahlungsunfähigkeit. Plötzlich war ein Anleiheprospekt mit seinen Horrorzahlen über Werder wichtiger als die Tabelle. Selten haben sich die Fans in einem Sommer mehr über Abgänge als über neue Spieler gefreut. Denn jeder wusste: Werder Bremen braucht viele Millionen, um in der 2. Liga zu überleben. Dass dabei ein Spieler wie Marco Friedl per Streik versuchte, einen Wechsel zu erzwingen, setzte dem Ganzen noch die Krone auf.

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Verrückter Sommer und wilder Herbst bei Werder Bremen: Suspendierung von Niclas Füllkrug, Skandal um Markus Anfang

Es war ein verrückter Sommer, der immerhin einen besonderen Spieler an die Weser brachte: Marvin Ducksch. Ein Straßenfußballer, der einfach nur Tore schießen will und das auch macht. Inzwischen sogar gemeinsam mit Niclas Füllkrug, der offenbar erst seinen Vorgesetzten Clemens Fritz beschimpfen musste, um in die Spur zu kommen. Auch so eine verrückte Geschichte – mit einer Bestrafung, die ein bisschen an einen Kindergarten erinnerte: Drei Tage Sandkasten-Verbot, aber beim Spielefest am Wochenende durfte er wieder dabei sein. Dass sich Markus Anfang dabei noch als großer Fürsprecher Füllkrugs präsentierte, nachdem er ihn zuvor öffentlich angezählt hatte, passte in dieses ganze Chaos.

Der Höhepunkt sollte mit der Impfpass-Affäre um Anfang aber erst noch folgen. Ein Skandal, der Werder Bremen weltweit zurück in die Schlagzeilen brachte. Ein schwerer Imageschaden! Die Schuld daran trägt allerdings ganz allein ein Mann: Markus Anfang. Viel schlimmer ist aber, dass er sich ungeimpft und ungetestet im Kreise der Mannschaft bewegt und andere damit in Gefahr gebracht hat. Und nicht nur dort. Auch ich selbst war betroffen. Das macht einen schon wütend. Aber zurück zum Fußball: Da macht Werder wieder Spaß. Bei nur einem Punkt Rückstand auf den Relegationsplatz ist der Aufstieg wieder möglich, aber erst nach Saisonende sicher. Das weiß ich jetzt . . . (kni)

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