Robert Klauß, Trainer des 1. FC Nürnberg, war früher großer Fan des SV Werder Bremen.
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Robert Klauß, Trainer des 1. FC Nürnberg, war früher großer Fan des SV Werder Bremen.

Vor Werder gegen Nürnberg

Früher Werder-Fan, heute FCN-Coach: Robert Klauß ist besser als Julian Nagelsmann, verliert aber gegen Stefan Raab

Als Robert Klauß zur Saison 2020/21 Trainer des 1. FC Nürnberg wurde, dürften sich nicht wenige Fans am Kopf gekratzt haben: Robert wer? Klauß fiel für die breite Öffentlichkeit in die Kategorie „Nobody“, war als Aktiver kein Profi gewesen und in seiner Laufbahn als Coach nur als Jugend- und Co-Trainer in Erscheinung getreten. Auch heute ist der 36-Jährige, dessen Mannschaft am Freitagabend gegen Werder Bremen spielt, noch weitgehend ein Unbekannter, gilt als Taktik-Nerd, der reserviert bis spröde wirkt. Dabei steckt hinter den Zahlen ein ziemlich interessanter Trainer.

1,0 – das war im Jahr 2018 Klauß‘ Note im 64. Fußballlehrer-Lehrgang. Frank Wormuth, damaliger Chefausbilder für den DFB-Trainernachwuchs, erreichten nach eigener Aussage Vorschusslorbeeren, wie er sie noch bei keinem anderen Bewerber gehört hatte: „Robert Klauß, so hieß es durch die Blume, sei die ostdeutsche Antwort auf Julian Nagelsmann.“ Tatsächlich schloss Klauß, der in Eberswalde in der damaligen DDR geboren wurde, als Jahrgangsbester ab. Das hatte nicht einmal Nagelsmann (1,3) geschafft, dessen Co-Trainer Klauß später bei RB Leipzig wurde.

(So seht Ihr das Zweitliga-Duell zwischen Werder Bremen und dem 1. FC Nürnberg live im TV!)

Früher Werder Bremen-Fan, heute Trainers des Gegners: Robert Klauß ist Coach des 1. FC Nürnberg

1:4 verlor der SV Werder Bremen am 30. November 1996 auswärts bei Fortuna Düsseldorf – damals zum ersten Mal im Stadion: Robert Klauß mit seinem Vater. Der Junior war in seiner Kindheit Werder-Fan, als die Grün-Weißen ihre Blütezeit Anfang der 90er-Jahre erlebten. Der Tag in Düsseldorf war allerdings kein Highlight: „Es war kalt und absolut trostlos“, erinnert sich Klauß.

6 Sekunden herrschte Stille. Als ein angefasster Robert Klauß im Februar 2021 nach einer Niederlage gegen den FC St. Pauli bei der Pressekonferenz gefragt wurde, warum man seinen Matchplan nicht erkennen konnte, hielt der Coach kurz inne – und gab dann eine spontane Lehrstunde in Sachen Taktik. Er sprach von einem „4-2-2-2 auf Pressinglinie eins“, vom „ballfernen Zehner“, von einer abkippenden Dreierkette mit „asymmetrischem Linksverteidiger“ und einem „breitziehenden linken Zehner“. Rumms! Klauß‘ Ausführungen bekamen deutschlandweit Aufmerksamkeit. Die einen hielten sie für abgehobenes Kauderwelsch, andere für eine kluge Antwort an alle, die Klauß oder moderne Fußballtrainer im Allgemeinen unterschätzten und die Komplexität des heutigen Fußballs noch nicht erkannt hatten. Gemangelt habe es laut Klauß gegen St. Pauli übrigens nicht an der Taktik, sondern den Basics und der Umsetzung.

(Lest auch: Lars Lukas Mai und Niklas Schmidt bei Werder Bremen auf der Bank - Verschnaufpause oder mehr?)

Werder Bremen-Gegner Robert Klauß: Jüngster Trainer der 2. Liga verlor einst gegen Stefan Raab

36 Jahre ist Robert Klauß alt und damit (nach dem Abgang von Ole Werner bei Holstein Kiel) jüngster Trainer in der 2. Liga. Der FCN ist für den Coach, der keine Profi-Karriere als Spieler hingelegt hat, die erste Station als Cheftrainer. Vorher war er lange Jugendtrainer bei RB Leipzig, ehe er 2018 zum Co-Trainer von Ralf Rangnick befördert wurde und ab 2019 unter Julian Nagelsmann arbeitete. Klauß übernahm im Sommer 2020 in Nürnberg einen Fast-Absteiger, erlebte ein durchwachsenes erstes Jahr, entging der Entlassung und startet dieses Jahr mit dem „Club“ durch. Die erste Saison-Niederlage kassierten die Nürnberger erst am 12. Spieltag.

500.000 Euro hätte er gewinnen können. Robert Klauß war 2015 Kandidat in der TV-Show „Schlag den Raab“. Er fing gut an, gewann vier der ersten fünf Spiele (darunter Bleistifteanspitzen), aber als es wichtig wurde, räumte Stefan Raab ab. Die Spiele 8 bis 13 gingen allesamt an den ehrgeizigen Entertainer. Der Endstand: 18:73. In einer Show-Kritik nannte „Stern.de“ den reservierten und konzentrierten Klauß wegen einer „Mischung aus Arroganz und Überheblichkeit“ einen „unsympathischen Verlierer der Show“. Klauß erklärte Jahre später: „Ohne zu kritisch gegenüber TV-Sendern oder Produktionsfirmen werden zu wollen: Die dort herrschende Atmosphäre lädt nicht dazu ein, sich nett und sympathisch zu präsentieren.“ Egal – Klauß muss sich nicht grämen. Als Trainer im Profi-Fußball wird er sicher auch nicht ganz schlecht verdienen. (han) Lest auch: Verfolgt das Zweitliga-Spiel von Werder Bremen gegen den 1. FC Nürnberg im Live-Ticker der DeichStube! Und: Mit Mitchell Weiser? Werder Bremens Startelf-Aufstellung gegen den 1. FC Nürnberg!

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