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Endlich! Nach 890 Kilometern Pedale treten und einigen Hindernissen ist Maik Kuntze im Trainingslager seines Lieblingsclubs Werder Bremen angekommen.

Maik Kuntze hat es geschafft

Ramponiert, ausgepowert, glücklich: Radelnder Werder-Fan im Zillertal angekommen

Zell – Angekommen! Endlich! Nach acht Tagen und 890 Kilometern im Sattel seines Fahrrads. Nach kurzen Nächten im Zelt und langen Tagen auf den Radwegen zwischen Bremen und dem Zillertal ist Maik Kuntze am Samstagvormittag am Trainingsplatz des SV Werder Bremen vorgefahren. Das Fahrrad dick bepackt, der eigene Körper sichtbar ramponiert – Folgen eines Sturzes im Raum Hannover.

Ausgepowert wirkt der 44-Jährige aus Bremen-Neustadt, aber auch glücklich. „Jetzt freue ich mich darauf, ein paar Tage Werder Bremen sehen zu können“, sagt der Fan, der mit seiner Mega-Radtour nichts Besonderes bezweckte. Einfach mal etwas anderes machen als die anderen – das war auch schon alles, was er an Motivation benötigte.

Sie hat ihn die 890 Kilometer getragen. Auch noch, als die ersten Alpenausläufer in Sicht kamen, und Kuntze dachte: „Oh, Gott, da muss ich jetzt rüber?“ Er hat es gepackt. Kurz vor dem Ziel aufzugeben, war ja ohnehin keine Option für den Hobby-Radler, dessen Vorbereitung auf die Tour im Wesentlichen auf die morgendlichen Radrunden beim Zeitungaustragen sowie aus Wochenendtouren durchs Bremer Blockland bestand. Mehr nicht.

Maik Kuntze: 300 Reparaturkosten und ein paar Quadratzentimeter Haut für Werder Bremen

Und so ist Maik Kuntze am Samstag vergangener Woche in Bremen losgeradelt, die Satteltaschen für die Zeitungen als Koffer, ein Zelt, ein Schlafsack, ein Handy als Navigationsgerät. Und ein Urlaubsbudget, das sich schnell als zu knapp erwies. Denn der Sturz in Hannover kostete ihn neben drei Tagen sowie ein paar Quadratzentimetern gesunder Haut an Ellenbogen, Bein und Gesicht, sondern auch 300 Euro für die Fahrradreparatur. „Das hat die Urlaubskasse ganz schön aufgefressen“, schmunzelt Kuntze.

Er hätte umdrehen können, zog aber durch. Wegen Werder. Wegen der Freude am Radfahren. Immer war er allein unterwegs – dabei wäre Begleitung durchaus erwünscht gewesen. Kuntze: „Ich hätte gedacht, dass vielleicht der eine oder andere mal ein paar Kilometer mitfährt, aber auch so ist es mir nie langweilig geworden.“

So ging alles los: Maik Kuntze radelte vom Bremer Weserstadion bis ins Zillertal.

Meistens war er tagsüber unterwegs, als ihm wegen der Hannover-Verzögerung aber etwas die Zeit weglief, hat er in Bayern auch noch zwei nächtliche Etappen eingestreut. Er wollte unbedingt zum Blitzturnier am Sonntag da sein – aber nicht allein wegen des Fußballs: „Der Wetterbericht hat Gewitter vorhergesagt, unn ich wollte nicht bei Gewitter ankommen.“

Am Samstag schien zur Ankunft die Sonne. Und Maik Kuntze strahlte mit. Angekommen. Endlich. „Am meisten freue ich mich jetzt auf die Dusche im Hotel“, lacht er. Und die Rückfahrt? „Bestimmt nicht mit dem Rad“, wehrt Kuntze ab, „ich nehme die Bahn.“

Unterdessen hat Sportchef Frank Baumann mit einer Aussage für leichte Verwunderung gesorgt. Auf die Frage, warum Werder Bremen nicht gegen den ebenfalls im Zillertal stationierten FC St. Pauli teste, antwortete Baumi, der Gegner „sei zu stark.“ 

Zur ersten Meldung vom 2. Juli 2019:

Werder-Fan fährt ins Trainingslager nach Österreich – mit dem Fahrrad

Gleich auf der ersten Etappe, die Euphorie des Aufbruchs noch mit in den Satteltaschen, wäre die große Fahrt des Maik Kuntze fast schon wieder beendet gewesen: Schlagloch, Schürfwunden, Gabelbruch – ein klassischer Schiffbruch, nur eben mit dem Fahrrad.

„Schlechter hätte es gar nicht losgehen können“, sagt der 44-jährige Bremer, der sich am vergangenen Samstag am Buntentorsteinweg auf den Weg gemacht hat. Sein Ziel: das Zillertal, Werder Bremens Sommertrainingslager. „Dort werde ich auch ankommen“, betont er, während er in Hannover noch bis Dienstag auf die Reparatur seines Fahrrads warten muss. Dann soll es weitergehen. Über Göttingen und Bamberg, Nürnberg und München. Hin zum Lieblingsverein.

„Ich habe mir gedacht, dass mit dem Auto, Zug oder Flugzeug ja jeder anreisen kann“, sagt Kuntze, der neben dem Fußball noch eine zweite große Leidenschaft hat: das Radfahren. So kam zusammen, was zwar nicht zwangsläufig zusammengehört, im Fall von Maik Kuntze aber einfach gut passt. „Ich verbinde meine beiden großen Hobbys. Besser kann man seinen Urlaub doch nicht nutzen.“

Werder Bremen: Fan Maik Kuntze radelt von der Hansestadt ins Zillertal

Insgesamt 890 Kilometer ist Kuntzes Route lang, das hat er im Vorfeld ausgerechnet, akribisch, so wie er auch sonst nichts dem Zufall überlassen hat. Fünf Satteltaschen, dazu zwei große Körbe, mit etwa 25 Kilogramm Gepäck radelt er einmal von oben nach unten durchs Land. Besonders wichtig dabei: sein Zelt. Faltbar natürlich, platzsparend und in den Nächten der Rückzugsort des Radlers. „Kurz hinlegen, schlafen, dann geht's schon weiter“, nennt Maik Kuntze das. Erholung geht sicherlich anders, aber darum geht es bei dieser Reise auch nicht vorrangig.

Durch seinen Sturz hat der Zeitungsausträger wertvolle Zeit verloren, Zeit, die er nun aufholen will. Schließlich trainiert Werder Bremen schon ab Donnerstag im Zillertal. Da möchte Kuntze so wenig wie möglich verpassen. Samstag, spätestens Sonntag möchte er ankommen. Nur gut, dass er die schnellste Route direkt am Lenker angezeigt bekommt, auf dem Handy, alles digital und auch ohne mobiles Internet möglich. „Ich weiß ja nicht, ob ich überall Netz habe“, sagt Kuntze, der den Handyakku übrigens via Nabendynamo des Fahrrads auflädt. Strampeln für Strom. Und das alles, um Werder möglichst nah sein zu können. „Seit ich 1983 das erste Mal im Stadion war, bin ich Fan durch und durch“, sagt Kuntze. Und zwar einer, den auch so ein blödes Schlagloch nicht aufhält.

Alle Termine und Testspiele von Werder Bremen findet ihr in unseren Sommer-Fahrplan zusammengefasst. Bekannt ist inzwischen auch: Claudio Pizarro hat noch Sonderurlaub und stößt erst im Zillertal zur Mannschaft, und der lange verletzte Fin Bartels soll im Trainingslager wieder spielen. Nicht dabei sein werden die verletzten Milos Veljkovic und Sebastian Langkamp.

(dco)

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