Der SV Werder Bremen hat auch das Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim gewonnen.
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Der SV Werder Bremen hat auch das Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim gewonnen.

Nach 2:1-Erfolg in Sinsheim

Zurückhaltend zufrieden: Die Fans träumen von Europa, aber Werder Bremen ordnet den Sieg bei Hoffenheim selbstkritisch ein

Sinsheim – Die Party war auch lange nach dem Schlusspfiff noch in vollem Gange. Bis tief in den Bauch des Hoffenheimer Stadions drangen die dröhnenden Gesänge der mitgereisten Werder-Fans – zumindest ausschnittsweise. Wann immer sich am späten Freitagabend in der Interviewzone die schwere Glastür in Richtung Innenraum öffnete, wurde es plötzlich laut, wurden akustische Fetzen der grün-weißen Feier hereingetragen, was während der Gespräche mit den Spielern den SV Werder Bremen für einen schönen Kontrast sorgte: draußen „Europapokal, Europapokal!“, drinnen Euphoriebremse.

Zwar war auch den Profis die Freude über diesen so wertvollen 2:1 (1:1)-Auswärtssieg bei der TSG 1899 Hoffenheim anzumerken, das schon. Allerdings mischten sich in ihre Aussagen auch viele selbstkritische Töne, was am späten Freitagabend so kurz nach Spielende ziemlich bemerkenswert war. Zur Erinnerung: Hoffenheim hatte bis dato zu Hause noch nicht verloren und war nicht nur deshalb als Favorit ins Spiel gegangen. Und Werder Bremen? Hatte sich durch den Erfolg (wenn auch nur zwischenzeitlich) auf einen Champions-League-Platz (!) vorgeschoben. „Ich weiß nicht, ob wir zufrieden sein können, denn wir haben nicht das gespielt, was wir uns vorgenommen haben“, grübelte Marvin Ducksch dennoch, was eine Menge darüber verriet, wie diese Werder-Mannschaft aktuell tickt.

Nach dem begeisternden 5:1 gegen Borussia Mönchengladbach, als es bereits nach 13 Minuten 3:0 gestanden hatte, erlebten die Bremer im Kraichgau eine wesentlich kompliziertere Partie, was nicht zuletzt an starken Hoffenheimern lag. Nach nur wenigen Minuten waren die Hausherren schon zu drei guten Abschlüssen gekommen und setzten Werder Bremen auch im weiteren Spielverlauf immer wieder gehörig unter Druck. „Wir haben ein richtig gutes Spiel gezeigt. Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Das Problem war nur, dass wir zwei kleine Fehler gemacht haben“, bilanzierte TSG-Coach André Breitenreiter und sprach damit die Szenen vor den beiden Werder-Toren an.

Werder Bremen schlägt auch die TSG Hoffenheim: „Wir hätten das Spiel heute auch verlieren können“

Zunächst hatte Ducksch nach schönem Doppelpass mit Sturmpartner Niclas Füllkrug für die 1:0-Führung gesorgt (18.), kurz vor Schluss sorgte dann Füllkrug per verwandeltem Foulelfmeter für den 2:1-Siegtreffer (86.), sodass der zwischenzeitliche Ausgleich von Munas Dabbur (32.) letztlich nicht mehr ins Gewicht fiel - und Aufsteiger Werder Bremen für das nächste Ausrufezeichen in der Bundesliga gesorgt hatte. Die Analyse von Cheftrainer Ole Werner klang später zunächst dennoch wie nach einer Niederlage.

„Wir sind schlecht ins Spiel gekommen und haben zu viele Chancen zugelassen. Mit unserem Ballbesitz sind wir nicht gut umgegangen, es waren haarsträubende Fehler dabei“, monierte der 34-Jährige, ehe er seine Mannschaft doch noch lobte – für deren „mentale Stabilität“ und Fähigkeit, „Widerstände zu überwinden“. Dadurch war Werder Bremen in der laufenden Saison schon wiederholt aufgefallen, die Mannschaft, so scheint es, stützt sich in schwierigen Phasen selbst, was regelmäßig mit späten Toren belohnt wird. „Das ist für uns ja fast schon Normalität geworden“, scherzte der Ex-Hoffenheimer Leonardo Bittencourt, hielt aber auch fest: „Wir hätten das Spiel heute auch verlieren können.“ Am Ende sei der große Aufwand und Einsatz des Teams einfach belohnt worden. Bittencourt: „Sicher war auch ein Quäntchen Glück dabei, aber auch das muss man sich erarbeiten. Und wir stecken seit Wochen wirklich viel Arbeit rein.“

Europapokal? Werder Bremen-Trainer Ole Werner: „Da sieht man, dass die Bremer doch ein bisschen Humor haben“

Das 3-5-2-System von Chefcoach Werner hat die Mannschaft dabei längst verinnerlicht, schließlich kennt sie es seit knapp einem Jahr. In der Bundesliga wird es aber deutlich öfter modifiziert und angepasst, als es noch eine Klasse tiefer der Fall gewesen war. „Unsere großen Stärken sind die mannschaftliche Geschlossenheit und unser Spielstil. Theoretisch wissen die Gegner, wie wir spielen, aber trotzdem finden wir immer wieder Lösungen. Das haben wir so perfektioniert, dass wir in der Bundesliga mithalten können“, sagte Füllkrug. 15 Punkte nach den ersten neun Spielen lassen keinen anderen Schluss zu, als dass Werder Bremens Plan funktioniert, wodurch die Ansprüche an sich selbst hörbar größer werden. Oder anders ausgedrückt: Wenn ein 2:1-Sieg gegen starke Hoffenheimer fußballerisch eben nicht besonders gut aussah, wird es sofort angesprochen. „Wir wissen ja, dass es nicht von alleine geht“, sagte Kapitän Marco Friedl, der mit seinem Team am kommenden Samstag während des Heimspiels gegen Mainz 05 nachlegen möchte.

Gelingt das, dürften die „Europapokal, Europapokal“-Sprechchöre einmal mehr nach dem Schlusspfiff zu hören sein. Auf Nachfrage wollte Ole Werner diesen Klassiker unter den Fan-Gesängen übrigens nicht überbewerten. „Da sieht man, dass die Bremer ab und zu doch ein bisschen Humor haben“, sagte er in Sinsheim, „wir wissen doch alle, wo wir herkommen.“ Wo sie am liebsten hin möchten, wissen die Fans allerdings auch. (dco)

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