Andreas Herzog stellt in der DeichStube seinen „Matchplan“ vor, wie Werder Bremen gegen den FC Bayern München erfolgreich sein könnte.
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Andreas Herzog stellt in der DeichStube seinen „Matchplan“ vor, wie Werder Bremen gegen den FC Bayern München erfolgreich sein könnte.

Vor Werder-Duell mit dem Rekordmeister

Andreas Herzog entwickelt „Matchplan“: So würde die Werder-Legende gegen den FC Bayern spielen lassen

Seit einigen Monaten ist er arbeitslos, seinen Vertrag als Nationaltrainer Israels verlängerte er nicht. „Vier Angebote habe ich inzwischen abgelehnt“, sagt Andreas Herzog, der sich Zeit lassen möchte, bevor er einen neuen Job antritt. Derweil verfolgt der Ex-Star des SV Werder Bremen den internationalen Fußball, speziell die ihm lieb gewordene Bundesliga. Zudem tritt der 52-Jährige als Experte beim Privatsender Sky auf, wo er ein neues Format mitgestaltet.

„Matchplan“ heißt die Sendung, in der Andreas Herzog und andere Kollegen in die Rolle der amtierenden Bundesliga-Trainer schlüpfen und ihre Gedanken vor besonderen Spielen entwerfen. Vor dem Gastspiel des FC Bayern München am Samstag (15.30 Uhr, DeichStube-Live-Ticker) nimmt die Legende des SV Werder Bremen für die DeichStube diese Rolle ein. Herzog spielt den Part des Florian Kohfeldt und macht sich Gedanken über die mögliche Spielidee. „Andis Matchplan“ – eine Vorschau ganz anderer Art.

Herzog alias Kohfeldt nennt die Grundidee, wie Werder Bremen den Favoriten bezwingen könnte. Er kennt die Statistik, weiß, dass der letzte Heimsieg der Bremer lang zurückliegt: ein 3:1 am 23. Oktober 2006. Seitdem gab es 13 Niederlagen im Weserstadion. Doch viel entscheidender als diese miserable Bilanz ist für den österreichischen Rekordspieler das letzte Resultat des Vergleichs: die Überraschung beim 1:1 in der Allianz-Arena im November. „Dabei hätte Werder sogar gewinnen können,“ erinnert sich Herzog.

Werder Bremen braucht gegen FC Bayern München viel Courage und gute Umschaltaktionen

„Dieses Spiel muss Werder als Blaupause nehmen. Aus diesem Auftritt müssen sie lernen, der Teilerfolg sollte das Selbstvertrauen stärken.“ Soll sagen: Wenn er an Kohfeldts Stelle wäre, „würde ich an das Match in der Vorbereitung ständig erinnern, es wäre mein Mantra in den Einzelgesprächen mit den Spielern und den Mannschaftssitzungen. Wichtig ist die Mentalität. Die Angst vor den vermeintlich unbesiegbaren Münchnern muss abgelegt werden. Voraussetzung für einen Erfolg ist, dass alle daran glauben, alle mit Überzeugung antreten. Werder braucht eine breite Brust und eine Portion Courage. Nach diesem Motto: Es wird höchste Zeit, dass wir Bayern mal wieder schlagen.“

Die erfolgversprechende Strategie dafür sieht laut Herzog so aus: „Es darf nicht zu einem normalen Spielverlauf kommen, dann siegen die Bayern mit Sicherheit.“ Die Bremer müssen den Kontrahenten überraschen, müssen sich darum bemühen, nicht nur sich auf eine geordnete Abwehrarbeit zu beschränken, sondern immer auch wieder gefährliche Situation zu kreieren sowie mit vielversprechenden Umschaltaktionen aufzuwarten.

Andreas Herzog: Werder Bremen darf gegen FC Bayern nicht nur das Tor verbarrikadieren

Andreas Herzog: „Bayern muss unter Stress gesetzt werden. Auf Dauer kann es nicht darum gehen, 90 Minuten lang das eigene Tor zu verbarrikadieren und zu verteidigen. Diesen Fehler hat zuletzt die Dortmunder Borussia gemacht, die nach dem schnellen 2:0 aufgehört hat, Fußball zu spielen. Die Bremer müssen den Spielfluss der Münchner stören, mit aggressivem Agieren und intensivem Pressing schon im Mittelfeld.“

Konkret bedeute dies eine beherzte Vorgehensweise. Mit Herzogs Worten: „Die Bayern dürfen nicht bis ins letzten Drittel kombinieren und so leicht in den Strafraum eindringen.“ Somit ergebe sich der Auftrag für die Werder-Mittelfeldspieler vor der Fünfer-Abwehrreihe. „Die Zuspiele in die vorderste Linie müssen verhindert werden. Also die möglichen Passwege für Thomas Müller, Leon Goretzka und Joshua Kimmich zugestellt werden.“

Werder Bremen: Außenverteidiger brauchen gegen FC Bayern Unterstützung aus dem Zentrum

Zudem sollte in der hintersten Reihe sehr aufmerksam und bedacht verteidigt werden, um die Flügel der Münchner nicht ins Spiel kommen zu lassen. „Egal, wer auf den Außenbahnen aufläuft, ob Kingsley Coman, Serge Gnabry oder Leroy Sane die Außenverteidiger Theodor Gebre Selassie und Ludwig Augustinsson dürfen nicht allein gelassen werden, sie müssen Unterstützung erfahren durch Defensivleute aus dem Zentrum, damit keine bedrohlichen Eins-gegen-eins-Situationen entstehen.“

Intensiv verfolgt der Wiener die Vorstellungen seines Ex-Clubs in dieser Spielzeit. Die besten Auftritte sind ihm im Gedächtnis geblieben: Gute Darbietungen, als die Kohfeldt-Mannen sich nicht nur auf reines Zerstören konzentriert haben, sondern auf Entlastung bedacht waren und auch offensive Akzente gesetzt haben. „Eine solche Performance wünsche ich mir. Josh Sargent trifft nun, Milot Rashica hat sein Tief überwunden, mit seiner Dynamik und Schnelligkeit kann er Lücken reißen, Niclas Füllkrug ist wieder dabei und ein weiterer Trumpf.“

Werder Bremen: Andreas Herzog sieht beim FC Bayern Probleme in der Defensive

Mut zur Attacke fordert daher die Austria-Ikone, die anmerkt, dass die Münchner in dieser Spielzeit doch signifikante Probleme offenbaren, was die Restverteidigung betrifft. Zudem können die Bayern hinten wohl personell nicht aus dem Vollen schöpfen: David Alaba droht mit muskulären Problemen auszufallen, Jerome Boateng ist angeschlagen. Immerhin ist Benjamin Pavard nach überstandener Coronavirus-Infektion wieder ein Thema. Niklas Süle wäre als Rechtsverteidiger nur eine Notlösung. Für Herzog ist fraglich, wie Bayern-Coach Hansi Flick die Deckung formieren wird. Süle dürfte wieder in die Zentrale rücken. Sollte Boateng nicht auflaufen können, dürfte Javi Martinez gemeinsam mit ihm die Mitte bilden, „was indes einen Tempoverlust im Aufbauspiel bedeutet.“

Werder Bremen sollte, so Herzog, hier ansetzen. „Es ergeben sich mitunter extrem breite Räume und wahnsinnig viel Platz in der Bayern-Hälfte. Ich erinnere nur an das sensationelle 3:3 des Aufsteigers Bielefeld. Hansi Flick konnte zuletzt diese Schwierigkeiten ein wenig eindämmen, ganz beseitigen konnte er diese Unwucht nicht.“ Herzogs Schlusswort, das Schlüsselwort in seinem „Matchplan“: „Nur mit Mut und Risiko ist eine Überraschung machbar.“ (hgk) Auch interessant: So seht Ihr das Bundesliga-Spiel Werder Bremen gegen FC Bayern München live im TV und im Live-Stream! Aufstellung mit Kapitän Niklas Moisander: Ist das Werder Bremens Startelf gegen den FC Bayern?

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