Werder Bremen schießt ein Tor gegen den 1. FC Köln.
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Im Juni diesen Jahres kam der 1. FC Köln beim SV Werder Bremen mit einem 1:6 unter die Räder. Rafael Czichos (li.) will Wiedergutmachung.

Interview der DeichStube

Kölns Czichos hat das 1:6 gegen Werder nicht vergessen: „Wir wollen Wiedergutmachung“

Köln – Als Kind hat Rafael Czichos in Bettwäsche des SV Werder Bremen geschlafen und ist im Bremer Umland (in Ottersberg) aufgewachsen, nun brennt er mit seinem Club 1. FC Köln am Freitagabend auf eine Revanche gegen die Grün-Weißen.

Die 1:6-Klatsche aus dem Sommer wirkt also noch nach. Die DeichStube sprach mit dem 30-Jährigen über die sportliche Krise des 1. FC Köln, seine schwere Verletzung zu Beginn des Jahres und eine Zukunft bei Werder Bremen, die es aus seiner Sicht wohl nicht mehr geben wird.

Herr Czichos, Sie sind im Bremer Umland aufgewachsen. Ihr Kindheitstraum war es, einmal im Weserstadion zu spielen. Das wievielte Mal laufen Sie nun ein in diese Arena?

Mit Holstein Kiel habe ich schon einmal hier gespielt gegen die zweite Mannschaft. In der Bundesliga mit Köln ist es das zweite Mal. Privat fahre ich immer gerne nach Bremen. Umso schöner, dass ich jetzt erneut hier spielen darf.

Welche Erinnerung haben Sie an die letzte Partie hier, das viel diskutierte 1:6 am letzten Spieltag der Vorsaison?

Natürlich keine gute, wir wollen es am Freitag besser machen, wollen Wiedergutmachung für diese Niederlage.

Werder Bremen war hochmotiviert, Köln völlig überfordert

Die Kölner Elf ist für den damals recht leblosen Auftritt arg kritisiert worden, zumal sie im Abstiegskampf zwischen Düsseldorf und Bremen Schicksal gespielt hat.

Es war kein glücklicher Tag für uns, wir sind arg unter die Räder gekommen. Werder war hochmotiviert und hat die letzte Chance genutzt, wir hingegen waren völlig überfordert. Doch mit gutem Gewissen kann ich sagen: Keiner macht so ein Spiel absichtlich.

Der FC ist schlecht aus den Startlöchern gekommen. Was macht Sie optimistisch, dass es diesmal besser läuft?

Es lief in den ersten beiden Spielen nicht besonders glücklich für uns, gerade im Match gegen Hoffenheim und bei der Niederlage in Bielefeld, die wir beide in der Schlussphase verlieren. Unser Problem am Anfang: Der Kader war erst sehr spät komplett – wie bei vielen Mannschaften in der Corona-Zeit. Inzwischen haben sich die Neuen gut integriert und eingefügt in unser System. Die Mannschaft bekommt mehr und mehr ein Gesicht.

Köln wird momentan mit Schalke und Mainz zu den Abstiegskandidaten gezählt. Kommt dieses Urteil zu früh?

Das ist doch normal, wenn man nur zwei Punkte auf dem Konto hat. Uns war von Beginn an klar, dass unser Ziel in diesem Jahr nur sein kann, den Abstieg zu vermeiden. Daran halten wir weiterhin fest. Ich bin mehr als zuversichtlich, dass wir dies auch schaffen können. Unsere Mannschaft hat genügend Qualität, um die Klasse zu halten. Wir werden die nötigen Punkte einfahren – hoffentlich so schnell wie möglich.

Was Werder Bremen erlebt hat, darauf hat niemand Lust

Haben Sie Befürchtungen, dass eine Entscheidung spät fällt und ein Abstiegsfinale droht wie Werder im Juni?

Fragen Sie doch mal nach bei den Werder-Kollegen, wie sie die dramatischen Partien inklusive der Relegation erlebt haben? Darauf hat niemand Lust. Eine derartige Zittersaison sollte möglichst vermieden werden.

Im letzten Zweitligajahr, als Sie schon in Köln unter Vertrag standen und den Aufstieg mitgestaltet haben, verglich die „Süddeutsche Zeitung“ den Kader mit einem Porsche im Bobby-Car-Rennen. Welcher Ausdruck fällt Ihnen gegenwärtig für den Erstligisten im zweiten Jahr im Oberhaus ein?

Nicht leicht, einen passenden Begriff zu finden. Was ich sagen kann: Unser Kader ist gut bestückt, ähnlich stark oder vielleicht sogar noch besser ausgestattet als vor zwei Jahren. Es ist auf jeden Fall ein konkurrenzfähiger Kader, der den Verbleib sichern kann, wie schon gesagt. Ein passender Ausdruck? Ein solider Kompaktwagen mit Allradantrieb.

Werder hat bislang erstaunlich gut gepunktet. Hat Sie dieser Start des Konkurrenten überrascht?

Nein, nicht wirklich. Das Team hatte auch in der letzten Saison genug Qualität, beklagte aber enormes Verletzungspech. Und Florian Kohfeldt hatte besonders im Jahr davor bewiesen, dass er ein hervorragender Trainer ist. Werder ist gut in die Saison gestartet und punktet vor allem. Da wächst natürlich das Selbstvertrauen der Werder-Spieler. Wir wollen beherzt dagegenhalten und alles dafür tun, ihnen diese Zuversicht zu nehmen.

Werder Bremen besitzt gefährliche Akteure

Was zeichnet die augenblickliche Bremer Spielweise aus?

Sie kassieren weniger Gegentore im Unterschied zur letzten Saison. Das ist die Basis für ein effektives und erfolgreiches Agieren. In der Offensive besitzt Werder gefährliche Akteure wie Füllkrug, Selke oder Rashica. Die Mannschaft ist inzwischen zu einer Einheit gewachsen, das macht sie stark.

In jeder Spielzeit bildet sich eine Überraschungsmannschaft heraus. Kann Werder diese Rolle einnehmen?

Es ist schwer, nach sechs Spieltagen schon eine solche Bewertung vorzunehmen. Was ich sagen kann: Wir wollen in den nächsten Spielen für Überraschungen sorgen und unsere Sieglos-Serie endlich beenden. Wir werden alles dafür tun, dass wir am Freitag damit anfangen.

Wie sind Sie persönlich mit Ihrer Verfassung zufrieden?

Ich fühle mich topfit, habe bislang jedes Spiel bestritten. Nun will ich dazu beitragen, dass wir hinten mal wieder zu null spielen und drei Punkte einfahren.

Hintergrund der Frage: Die schwere Verletzung am Halswirbel nach dem Zusammenprall mit dem Berliner Grujic zu Beginn des Jahres. Diese hat zum Glück keine negativen Auswirkungen?

Nein, alles ist völlig auskuriert. Nach der Pandemie-Pause konnte ich bei der Fortsetzung der alten Spielzeit sofort mitwirken.

Eine schlimme Geschichte. Es heißt, bei ungünstigem Verlauf hätten Sie gelähmt sein können. Was hat diese zum Glück nicht eingetroffene Diagnose mit Ihnen gemacht?

Ich bin ein optimistischer Mensch, der immer nach vorn orientiert ist. Ich bin froh, dass alles so verlaufen ist und ich okay bin.

Sie sind in Saudi-Arabien geboren, weil Ihr Vater dort gearbeitet hat. Dort haben Sie drei Jahre gelebt, was eventuell die Möglichkeit eröffnet, für die Nationalelf dieses Landes zu spielen. Was machen die Pläne?

Dazu kann ich Ihnen nichts Neues berichten. Vor drei Wochen habe ich zuletzt mit dem Nationalcoach (Anm. d. Red. Hervé Renard, Franzose) gesprochen. Es ist nicht so einfach in diesem Land, die entsprechenden offiziellen Stellen zu erreichen und eine Entscheidung herbeizuführen.

Als Kind hätten Sie in Werder-Bettwäsche geschlafen, haben Sie mal erzählt. Ihr Traum sei gewesen, bei Werder zum Profi zu werden. Über Umwege in Erfurt und Kiel haben Sie es geschafft im Rheinland. Ist es realistisch, dass Sie später mal in Grün-Weiß ins Weserstadion auflaufen?

Es ist richtig, dass ich als Kind von einem Engagement bei Werder geträumt habe. Doch ich glaube, dass sich mein Traum nicht mehr erfüllen wird, auch wenn ich noch ein paar Jahre auf höchstem Niveau als Profi spielen möchte. Ich fühle mich wohl in Köln, habe hier noch zwei Jahre Vertrag. Ich bin dankbar, dass der Club mir die Möglichkeit eröffnet hat, in der Bundesliga zu spielen. Werder ist aktuell kein Thema.

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