Die Fans des SV Werder Bremen und des FC St. Pauli feierten am Samstag ihre Mannschaften und sich selbst.
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Die Fans des SV Werder Bremen und des FC St. Pauli feierten am Samstag ihre Mannschaften und sich selbst.

Nach Punkteteilung zwischen Werder und FC St. Pauli

Werder Bremen und der FC St. Pauli: Gemeinsame Party nach 1:1 im Weserstadion

Bremen – Wenn vor dem Ostkurvensaal am Wohninvest Weserstadion ein Bus mit Hamburger Kennzeichen vorbeikommt, dann kann das für die Insassen schon einmal ungemütlich werden. Doch am Samstagnachmittag durften sie nicht nur aussteigen, sondern sogar mit den Fans des SV Werder Bremen vor deren heiliger Halle feiern. Die Gäste kamen schließlich vom FC St. Pauli und eben nicht vom ungeliebten Hamburger SV. Und nach dem aufregenden 1:1 (0:0) in diesem Nordderby konnten eigentlich alle zufrieden sein. Wäre da nur nicht die unterschiedliche Tabellensituation. Denn der FC St. Pauli strahlt weiter als Spitzenreiter der 2. Liga, Werder muss sich als Absteiger mit einem enttäuschenden zehnten Platz begnügen. 

„Schade, dass beide Mannschaften nur einen Punkt bekommen für diese leidenschaftliche Leistung“, urteilte Werder Bremens Coach Markus Anfang. Und sein St.-Pauli-Kollege Timo Schultz meinte: „Ich bin eigentlich kein Freund von Unentschieden, kann damit heute aber leben.“ Zumal aus seiner Sicht auch das ganze Drumherum sehr gut passte, wie der ehemalige Werder-Spieler extra noch anmerkte: „Schon beim Weg zum Stadion war es einfach schön zu sehen, dass die Fans mehr oder weniger zusammen zum Spiel gehen. Die ganze Atmosphäre war schön. Wir waren letzte Woche in Dresden, da sah das ein bisschen anders aus. Von daher hat das richtig Spaß gemacht.“

Das galt auch für das Spiel. Denn Werder Bremen hielt nach den enttäuschenden Auftritten in Dresden (0:3) und Sandhausen (2:2) von Beginn an im Duell mit dem Tabellenführer dagegen. Niclas Füllkrug hätte das frühe 1:0 machen können, lupfte den Ball aber neben das Tor. Ja, richtig – Füllkrug stand tatsächlich in der Startelf. Zum ersten Mal nach zwei Monaten und zum ersten Mal gemeinsam mit Marvin Ducksch, der die erste Chance per Freistoß vorbereitet hatte. Trainer Markus Anfang war von seiner Devise des Ein-Mann-Sturms abgewichen. „Das Spiel hat es hergegeben, weil wir heute mit Dreierkette gespielt haben“, erklärte Anfang sein Umdenken. Denn auch hinten hatte er etwas verändert. Lars Lukas Mai musste nach seinen Patzern von Sandhausen auf die Bank, dafür rutschte Anthony Jung ins Team und bildete mit Marco Friedl und Milos Veljkovic eine Dreierkette, die allerdings auf der rechten Seite durch Felix Agu regelmäßig zur Viererkette wurde. Dahinter stand erstmals in dieser Saison Jiri Pavlenka (30) im Tor und eben nicht mehr Michael Zetterer (26). Anfang wünschte sich mehr Erfahrung und Routine auf dieser Position.

Werder Bremen-Remis gegen den FC St. Pauli: Gegentor fällt zu leicht - und zu schnell

Ob es nun an den Umstellungen lag oder nicht, Fakt war: Werder Bremen gestattete den zuletzt so starken Gästen (fünf Siege in Folge) vor der Pause nur eine echte Torchance. Gleichzeitig waren die Bremer selbst viel gefährlicher. Nicolai Rapp (11.), Romano Schmid (23.), erneut Füllkrug (38.) und Ducksch (45.) hätten das 1:0 machen können, vielleicht sogar müssen. „Wir konnten froh sein, dass wir mit einem 0:0, in die Pause gehen“, gestand Schultz und merkte zudem an: „Bremen hat sehr einfach und strukturiert nach vorne gespielt.“ Er hätte auch sagen können: Werder suchte sein Glück mit langen Bällen vornehmlich auf Füllkrug, der dann auf Ducksch ablegen sollte. Es ging aber nicht nur um die Wucht dieser beiden Stürmer. „Wir haben in den letzten Spielen viele individuelle Fehler gemacht, diese Zonen wollten wir überspielen“, erklärte Anfang.

Bis zur Pause ging der Plan auf, dann agierte der FC St. Pauli ebenfalls mit einem zweiten zentralen Stürmer und brachte die Werder-Abwehr gehörig ins Schwimmen. Agu rettete gerade noch vor Guido Burgstaller (54.), der eingewechselte Simon Makienok traf das Außennetz (59.). Mitten in diese Phase gelang Ducksch das 1:0, weil ihn ausgerechnet Füllkrug perfekt auf die Reise geschickt hatte (63.). „Es hat mich riesig gefreut, dass das in der Kombination geklappt hat“, jubelte Füllkrug. Der war vor zwei Wochen noch nach einem Kabinen-Zoff mit dem Leiter Profifußball Clemens Fritz für drei Tage vom Training suspendiert worden, diesmal führte er die Mannschaft als Kapitän auf den Platz. So schnelllebig ist der Fußball. Das galt auch für das Spiel. Denn seiner guten Vorbereitung ließ Füllkrug einen unnötigen Ballverlust im Spielaufbau folgen. Hinten agierten Anthony Jung und Nicolai Rapp nicht energisch genug, um den Schaden zu beheben – und so durfte Finn Ole Becker zum 1:1 einschießen (68.).

Werder Bremen mit Unentschieden gegen gegen FC St. Pauli: „Wenn wir die Führung länger halten...“

„Wenn wir die Führung ein bisschen länger halten, bin ich der Meinung, dass wir das Spiel gewinnen“, meinte Anfang. Nach dem Ausgleich musste der Coach allerdings froh sein, überhaupt noch einen Punkt bekommen zu haben. Denn erst vergab Daniel-Kofi Kyereh die Riesenchance (81.) und dann traf Makienok in der Nachspielzeit sogar zum 2:1, hatte aber zuvor die Hand benutzt. Der Video-Assistent schaltete sich ein, die quer über den Platz gestürmten Ersatzspieler des FC. St. Pauli schlichen wieder zurück zur Ersatzbank. Und auf diesem Weg sahen sie, wie der eingewechselte Christian Groß fast noch per Flanke das 2:1 für Werder Bremen erzielt hätte. Was für eine verrückte Schlussphase, in der Burgstaller durchaus vom Platz hätte fliegen können nach seinem Ellbogeneinsatz gegen Mitchell Weiser. Doch Schiedsrichter Felix Zwayer ließ den Hamburger weiterspielen.

Es war ein sehr intensives Spiel“, meinte Anfang und lobte: „Wir haben um jeden Meter Boden gekämpft. Es war ein bisschen ein anderes Fußballspiel als sonst. Sonst kommen wir viel über Ballbesitz, jetzt haben wir viel den Ball vorne reingechipt und sind nachgegangen auf die zweiten Bälle.“ Es war aber nicht nur taktisch ein anderes Spiel. Nach der Partie standen beide Teams vor ihren Fan-Kurven, spendeten und bekamen Beifall. Später machten die Fans dann gut gelaunt untereinander bunt gemischt so weiter – und das nicht nur vor dem Ostkurvensaal, sondern auch im Bremer Viertel und auf dem Freimarkt. (kni) Lest auch: Torwart-Tausch mit Dauerwirkung: Jiri Pavlenka jetzt wieder erste Wahl bei Werder Bremen!

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