Der FC St. Pauli um Trainer Timo Schultz ist Tabellenführer der 2. Liga. Nächster Gegner ist der SV Werder Bremen.
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Der FC St. Pauli um Trainer Timo Schultz ist Tabellenführer der 2. Liga. Nächster Gegner ist der SV Werder Bremen.

Vor Werder gegen St. Pauli

Werder-Gegner-Check: Historie, Trainer Form – So tickt der FC St. Pauli

Der FC St. Pauli grüßt von der Tabellenspitze. Zehn Jahre nach dem letzten Abstieg aus der Bundesliga hat sich der Kultclub in eine prächtige Ausgangslage gebracht, ins Fußball-Oberhaus zurückkehren zu können. Der sechste Aufstieg winkt, weil die Mannschaft um Trainer Timo Schultz einen Stilwandel vollzogen und ihre Identität gefunden hat. Andreas Bornemann, der Macher auf dem Kiez, bestimmt die Richtung und behielt recht mit dem Festhalten an dem Coach, der sich zu einem Erfolgsgaranten entwickelt hat. Anstatt Trainer Timo Schultz zu feuern, baute der Sportchef den Kader um und hat somit großen Anteil an dem momentanen Erfolgsweg der Truppe, die den berühmten HSV in Hamburg überholt hat und am Samstag der nächste Gegner des SV Werder Bremen ist.

Die Historie

Seit 2011 hat sich der FC St. Pauli in der 2. Bundesliga etabliert. Ein Jahr zuvor war der Aufstieg in die Erstklassigkeit geglückt: nach 1977 und 1988, 1995 und 2001 insgesamt das fünfte Mal, festgemacht am Namen des Erfolgstrainers Holger Stanislawski. Einmal in jedem Jahrzehnt in der ersten Liga, meist nur für kurze Zeit. Inzwischen haben sich die St. Paulianer zu einer echten Attraktion im Unterhaus entwickelt. Sportlich hat sich für sie ein stetes Auf und Ab ergeben: selten in Abstiegsgefahr, ebenso rar die Chance, sich an der Tabellenspitze einzunisten. Zweimal verpasste die Elf nur denkbar knapp ein Hochkommen: vierte Plätze 2012 und 2016 in der Endabrechnung. In der vergangenen Spielzeit belegten die Hamburger nach schlimmer Hinserie und herausragender Rückserie den 10. Rang.

Der FC St. Pauli ist ein Kultclub, genießt auch im Ausland einen guten Ruf. Rund elf Millionen Sympathisanten, so eine Studie des Vermarkters UFA, hat der Verein deutschlandweit. Ein Interesse, das sich auch im Zuschauerzuspruch niederschlägt. Mit über 29.000 Besuchern im Schnitt am Millerntor ergibt sich einen enorme Zahl, die nicht von allen Erstligisten erreicht wird.

Verfolgt das Zweitliga-Spiel SV Werder Bremen gegen FC St. Pauli im Live-Ticker der DeichStube!

Werder Bremen-Gegner FC St. Pauli im Check: Trainer Timo Schultz leitet Stilwandel ein - Leart Paqarada ein Ex-Bremer

Der Trainer

„Endlich raus aus dem Kreislauf“, dachte sich Andreas Bornemann, der Geschäftsleiter Sport, wie er auf dem Kiez genannt wird. Auf St. Pauli tauschten sie die Trainer wie die Unterhosen. Seit Dezember 2014 ist Timo Schultz, der amtierende Coach, der sechste Mann auf der Bank. Vor gut einem Jahr, während der Winterkrise, stand auch der 44-Jährige zur Disposition. Doch sein Chef Bornemann stand zu ihm, baute den Kader um anstatt den Trainer auszuwechseln. Das Projekt glückte. Unter der Regie des Ex-Profis Schultz, der einst in der U23 des SV Werder Bremen spielte, absolvierten die Hamburger eine sensationelle Rückrunde.

Der Umbruch gelang und setzt sich in dieser Spielzeit konsequent fort. Der FC St. Pauli mischt wieder oben mit, gewann nicht nur das Hamburger Derby, sondern schaut auf den großen HSV zumindest auf Augenhöhe, wenn nicht sogar ein Blickwinkel aus höherer Warte schon vorhanden ist. Dank Schultz, dem Erfolgstrainer. Der Ostfriese, einst ein Vertreter der rustikalen Gangart, hat einen Stilwandel eingeleitet: hin zu spielerischen Momenten, mehr Spielkultur, mehr Mut, mehr Offensive. Der Fußballlehrer sieht im zweiten Jahr seines Schaffens das Projekt geglückt: „Wir haben unsere eigene Identität entwickelt.“

Der Star

Er besitzt einen klangvollen Namen im deutschen Profifußball: Guido Burgstaller, der Österreicher, der seit 2015 in den Bundesligen aktiv ist. Ein Torjäger, der immer für Erfolgserlebnisse gut ist, der jederzeit mit seinen Aktionen ein Spiel entscheiden kann. Im September 2020 holten die Hamburger den Mittelstürmer alter Schule vom FC Schalke 04, wo er nach zwei Jahren beim 1. FC Nürnberg gespielt hatte. Zuvor war der 32-Jährige, der seine Laufbahn in der Heimat beim FC Kärnten, SC Wiener Neustadt und Rapid Wien begann, bei Cardiff City tätig. Der gebürtige Kärntner ist einer der wenigen Nationalspieler im Kader: 25 A-Länderspiele, zwei Treffer.

Außer ihm gibt es noch weitere acht Akteure, die internationale Meriten erwerben konnten. Darunter der Mittelfeldspieler Jackson Irvine aus Australien, der es auf 37 Länderspiele bringt. Bekannt in Bremen ist Leart Paqarada, der Außenverteidiger, der bis 2003 in der Jugend bei Werder Bremen spielte. Der 28-jährige Kosovare, der auch die deutsche und albanische Staatsangehörigkeit besitzt, trat 21 Mal für sein Heimatland an. Zuvor bei Bayer Leverkusen und zuletzt beim SV Sandhausen zählt der seit vergangenem Jahr auf St. Pauli aktive Abwehrspieler zu den routiniertesten Spielern.

Werder Bremen gegen FC St. Pauli: Der Gegner im Form-Check

Die Form

So etwas nennt man wohl Hochform: Fünf Siege in Folge gelangen den Hamburgern, alle in überzeugender Manier, so wie am Sonntag beim „Küsten-Vergleich“ gegen die Rostocker Hansa-Kogge, die mit einem glatten 4:0 versenkt wurde. Eindrucksvoll verteidigte der FC St. Pauli also die Tabellenführung, führt mit drei Punkten Vorsprung vor den punktgleichen Verfolgern Regensburg und Schalke.

Zehn Jahre nach dem letzten Abstieg aus der Bundesliga gilt nach einem Drittel der Saison der Verein wieder als aussichtsreicher Anwärter auf einen Platz in der Bel Etage. 25 Punkte nach elf Spielen – es ist ein Startrekord für die Hanseaten. 27 Tore nach elf Spielen – es ist ebenfalls die neue Bestmarke zu diesem Zeitpunkt der Spielzeit. Und auch im DFB-Pokal sind die Hamburger überaus erfolgreich. In Dresden gewannen sie am Mittwoch das schwere Auswärtsspiel mit 3:2 und zogen ins Achtelfinale ein.

Die Besonderheit

Das Datum kennt jeder Fan: 6. Februar 2002. St. Pauli als Letzter in der Tabelle gegen FC Bayern München. St. Pauli siegte überraschend mit 2:1, Nico Patschinski und Thomas Meggle trafen, Willy Sagnol war für Bayern erfolgreich. Die Münchner hatten wenige Wochen zuvor den Weltpokal gewonnen und scheiterten nun am Millerntor gegen die Elf der weitgehend Namenlosen. St. Pauli feierte und startete diese legendäre Aktion: Es wurden T-Shirts mit dem Aufdruck „Weltpokalsiegerbesieger“ gedruckt. Die Hemden wurden ein Verkaufsschlager – nicht nur an der Alster. (hgk) Auch interessant: So könnte die Startelf-Aufstellung von Werder Bremen gegen St. Pauli aussehen!

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