Spitzenspiel zwischen Werder Bremen und dem FC St. Pauli: Leart Paqarada (li.) bekommt es wie schon in der Hinrunde mit Niclas Füllkrug und Co. zu tun.
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Spitzenspiel zwischen Werder Bremen und dem FC St. Pauli: Leart Paqarada (li.) bekommt es wie schon in der Hinrunde mit Niclas Füllkrug und Co. zu tun.

St. Pauli-Spieler im DeichStube-Interview

„Ich bin mit Micoud eingelaufen“: Leart Paqarada über seine Werder-Jugend und Aufstiegsträume mit St. Pauli

Hamburg – Als Schüler hat Leart Paqarada für den SV Werder Bremen gespielt, wegen der besseren sportlichen Perspektive wechselte er 2003 zu Bayer Leverkusen. Elf Jahre später ging es weiter zum SV Sandhausen, inzwischen verteidigt er beim FC St. Pauli. Vor dem Spitzenspiel am Samstag (13.30 Uhr im DeichStube-Liveticker) spricht der 27-Jährige über seine Karriere, den Traum von der Bundesliga, seinen Trainer Timo Schultz sowie über die beiden Torjäger Guido Burgstaller und Marvin Ducksch.

Als Sie ein Kind waren, hatten Sie eine kurze Verbindung zu Werder Bremen. Spielt das vor dem jetzigen Spitzenspiel eine Rolle für Sie?

Nicht wirklich, doch so kurz war die Zeit gar nicht. Es waren schon ein paar Jahre meiner Kindheit, die ich in Bremen verbracht habe. Ein Abschnitt meines Lebens, an den ich mich gern erinnere. Und ich habe schon häufig erwähnt, dass ich immer noch Sympathien für diesen Club habe.

Wie lange haben Sie damals als Nachwuchskicker für Werder gespielt?

Ich habe angefangen, Fußball zu spielen, als ich noch nicht einmal vier Jahre alt war. Werder war mein erster Verein, in dem ich bis zu meinem neunten Lebensjahr gespielt habe.

St. Pauli Leart Paqarada im Interview: „Es war unbeschreiblich schön“ im Weserstadion gegen Werder Bremen spielen zu dürfen

Welche Erinnerungen haben Sie an das Hinspiel?

Sehr schöne, die Rückkehr ins Weserstadion war ein tolles Erlebnis. Ich bin damals als kleiner Junge dort eingelaufen – mit den ganz großen Namen, gemeinsam mit Johan Micoud und Ailton beispielsweise. Es war unbeschreiblich schön, selbst in dieser Arena spielen zu können.

Werder Bremen gegen den FC St. Pauli gibt es hier im Live-Ticker der DeichStube!

Sie sind in Aachen geboren, an der Weser aufgewachsen und dann nach Leverkusen gezogen, wo Sie als Fußballprofi ausgebildet wurden. Wie kam es dazu?

In der Jugend haben wir mit Werder bei Hallenturnieren öfter gegen Leverkusen gespielt. Und ich hatte das Glück, dass ich gegen Bayer immer gerne getroffen habe. Damals habe ich noch ein wenig offensiver gespielt als heute. Der Verein hat dann bei mir angefragt, ob ich mir vorstellen könnte, nach Leverkusen zu kommen. Das konnte aber nur in Verbindung mit meinen Eltern passieren. Für meinen Papa hat sich beruflich so auch etwas ergeben.

Hatten die Verantwortlichen bei Werder Bremen, wie es so schön heißt, Tomaten auf den Augen, weil sie das in Ihnen schlummernde Talent nicht bemerkt haben?

Das glaube ich nicht. Der Vorteil für mich durch den Wechsel war, dass damals im Westen, anders als in Bremen, schon eine Art Jugend-Bundesliga existierte. Mit Leverkusen haben wir gegen Teams wie Dortmund und Schalke gespielt, in Bremen wäre es eher gegen kleinere Vereine gegangen.

Nach Ihrer Zeit in Leverkusen sind Sie in Sandhausen gelandet, bei einem etablierten Zweitligisten. Vor eineinhalb Jahren folgte der Wechsel zu St. Pauli. Sind Sie mit dem Verlauf Ihrer Laufbahn zufrieden?

Als Spieler ist man nie so richtig zufrieden. Doch ich blicke momentan schon sehr gern auf meine Karriere zurück, habe in den letzten Jahren gelernt, mit dem Erreichten zufrieden zu sein. Aber jeder junge Spieler hat grundsätzlich den Traum, mal in der Bundesliga zu spielen. Einen Traum, den ich weiterhin verfolge.

Und der in einigen Wochen Realität werden könnte…

…könnte. Wir werden sehen.

Sie haben bereits über 200 Zweitliga-Spiele absolviert, sind also ein ausgewiesener Kenner dieser Spielklasse. Was ist das Besondere an der 2. Liga?

Über allem steht, so glaube ich, dass es sehr wild zugeht. Es ist keine Floskel: Jeder kann jeden schlagen, jeder Spieltag ist unberechenbar. Physisch ist es ungemein anspruchsvoll. Laufbereitschaft und Aggressivität sind ein Muss. Doch es gibt auch anspruchsvollen und attraktiven Fußball. Diese 2. Liga kann sich in Europa, der gesamten Fußballwelt sehen lassen.

Sie spielen seit 2014 in der 2. Liga. Wie hat sie sich entwickelt?

Nun spielen einige Clubs mit, die jeder vor ein paar Jahren noch nicht in dieser Klasse erwartet hat. Das hebt das Niveau, die Attraktivität und die Qualität. Es wird jetzt einfach besserer Fußball spielt.

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Vor Spitzenspiel zwischen Werder Bremen und dem FC St. Pauli: Leart Paqarada über „die beste 2. Liga aller Zeiten“

Also ist es wirklich die „beste 2. Liga aller Zeiten“?

Ja, es trifft zu, aber nicht nur für dieses Jahr, sondern auch schon für die Vorsaison. Es ist die beste 2. Liga, die Fußball-Deutschland je gesehen hat. Und das auch im internationalen Vergleich, ich sehe nur England, wo die EFL Championship vom Niveau her vergleichbar ist.

Haben Sie ein so packendes und enges Aufstiegsrennen wie in der laufenden Spielzeit schon mal erlebt?

Ich habe zuletzt mehr damit verbracht, weiter nach unten zu schauen, hatte nicht so das Auge für den Kampf an der Tabellenspitze. Es nun hautnah zu erleben, hat noch einmal eine ganz andere Dynamik. Für den neutralen Zuschauer ist diese Dramatik natürlich toll.

Die Situation im Aufstiegsrennen ändert sich von Woche zu Woche. Sehen Sie aktuell einen Siebenkampf um den Aufstieg - also weiterhin Möglichkeiten für den HSV, Nürnberg und Heidenheim?

Absolut, es kann noch alles passieren. Es ist ein offenes Rennen.

Von den sieben Mannschaften ist der HSV das einzige Team, das nur noch gegen vermeintlich leichte Gegner antreten muss. Alle anderen spielen noch häufig gegeneinander. St. Pauli hat vier Duelle gegen Mitkonkurrenten zu bestreiten, Werder Bremen noch drei. Ist das ein Vorteil oder ein Nachteil?

Es spielt keine große Rolle. Selbst der Tabellenführer, der bei einer Mannschaft vom Tabellenende antritt, kann sich in dieser 2. Liga nicht sicher sein, dort die Punkte mitzunehmen. Wer aufsteigen will, muss auch die Duelle gegen die unmittelbaren Rivalen gewinnen.

Zuletzt haben Sie mit St. Pauli in Rostock verloren. Haben Sie diese Niederlage schon verdaut?

Natürlich, wir haben es aufgearbeitet. Wir haben alles genau analysiert. Es war nicht alles falsch, was wir in Rostock gemacht haben. Das Spiel ist abgehakt. Damit beschäftigen wir uns nicht mehr vor dem wichtigen Spiel gegen Werder.

Worauf wird es am Samstag ankommen? Was wird den Ausschlag geben?

Es ist der unbedingte Wille, der vorhanden sein muss, dieses Match zu gewinnen. Wieder ein ausverkauftes Millerntor, die Unterstützung der Fans, eine Partie gegen einen großen Gegner - es kann nichts Schöneres geben. Wir müssen versuchen, dem Spiel unseren Stempel aufzudrücken, ein intensives Spiel zu kreieren. So könnte ein guter Plan aussehen.

Was zeichnet Ihren Trainer Timo Schultz, der ja auch eine Werder-Vergangenheit hat, vor allem aus?

Abgesehen von seiner fachlichen Qualifikation, von seinen Ideen und Plänen, die für unseren Erfolg sprechen, ist es das Zwischenmenschliche. Ich habe schon einige Trainer erlebt, doch diese Balance zwischen fokussierter Arbeit im Training und in der Spielvorbereitung sowie dieser menschliche Aspekt, diese Lockerheit im Umgang, ist auch für mich neu. Ich denke, dass Timo Schultz noch vor einer großen Karriere steht.

St. Pauli-Profi Leart Paqarada ist gewarnt: So gut ist Werder Bremen-Stürmer Marvin Ducksch

Sowohl Werder Bremen als auch St. Pauli haben in ihren Reihen einen echten Torjäger. Wer ist der bessere Knipser: Marvin Ducksch oder Guido Burgstaller?

Das ist nicht einfach zu beantworten. Ich habe „Duckschi“ schon in der Jugend erlebt, mit ihm zusammengespielt in der Jugend-Nationalelf, gegen ihn in der Jugend-Bundesliga in Dortmund gespielt. Da war schon zu erkennen, welche Qualitäten er mitbringt. Über „Burgi“ muss ich nicht viel erzählen. Es reicht ein Blick in seine Vita. Beide spielen auf einem hohen Niveau. Es freut mich, dass sie viel treffen. Aber am Wochenende sollte Guido Burgstaller öfter treffen als Marvin Ducksch.

Stichwort Nationalelf: In der Jugend sind Sie für den DFB aufgelaufen, danach für die U21 von Albanien und im Moment für die A-Elf des Kosovo. Wie ist es dazu gekommen?

Ich habe den Verband ausgewählt, der die schönsten Trikots hatte. Nein, Spaß beiseite. In der Jugend hatte ich das Angebot des damaligen DFB-Trainers Steffen Freund, das ich mit großem Stolz angenommen habe. Dann gab es den Kontakt aus Albanien, als ich noch recht jung war, erst 18 Jahre alt. Als es in Richtung Profibereich ging, ist im Kosovo der Aufbau der fußballerischen Infrastruktur erfolgt. Es war für mich eine Herzenssache, mich für das Land zu entscheiden, weil meine Eltern aus dem Kosovo stammen. Ich habe die Entscheidung nie bereut. Es waren schöne Momente, für den Kosovo in den ersten Qualifikationsspielen für die EM und die WM aufzulaufen. (hgk)

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