Werder Bremen-Verteidiger Felix Agu (weiß) stand gegen St. Pauli ungewollt im Fokus, weil er den Ball vor dem 1:1-Ausgleich von Niclas Füllkrug mit der Hand spielte.
+
Werder Bremen-Verteidiger Felix Agu (weiß) stand gegen St. Pauli ungewollt im Fokus, weil er den Ball vor dem 1:1-Ausgleich von Niclas Füllkrug mit der Hand spielte.

Zweitliga-Topspiel nichts für schwache Nerven

Der SV Werder Bremen büßt durch ein Remis auf St. Pauli die Tabellenführung ein - weil Glück und Pech eine große Rolle spielen

Hamburg – Wie sich die Bilder doch manchmal gleichen. Da stand Ole Werner nun und musste wieder ein 1:1 erklären. Anders als in der Vorwoche gegen Sandhausen hatte es das Remis für seinen SV Werder Bremen nicht gegen ein Team aus dem Tabellenkeller gegeben, sondern im Topspiel beim FC St. Pauli. Erneut lag seine Elf dabei zwischenzeitlich zurück, dieses Mal sogar schon zur Pause, hatte jedoch abermals eine Antwort parat gehabt. Aber eben nur eine. Weshalb der Bremer Trainer wie zuletzt nicht zufrieden damit war, dass es keinen Sieg gegeben hatte – ganz egal, ob der Gegner nun ein wesentlich größeres Kaliber darstellte und die Turbulenzen der Partie von erheblich größerem Ausmaß waren. „Ich glaube, dass wir insgesamt von den Chancen und von den Spielanteilen her zwei Punkte mehr haben könnten als nur diesen einen“, bilanzierte Werner.

Doch während der 33-Jährige diese Worte sprach, wurde in vielen anderen Ecken des Millerntor-Stadions noch immer wild diskutiert und gestikuliert. Nicht wenige Hamburger, das war lautstark zu hören, fühlten sich benachteiligt. Weil der Schiedsrichter gleich in zwei wichtigen Szenen für die Bremer entschieden hatte. Aber der Reihe nach. Als das Spitzenspiel nämlich noch jung war, hatte Werder Bremen ganz andere Sorgen: Der Einstieg in die Partie wollte nicht so richtig gelingen. Zwar hatten Milos Veljkovic, Marco Friedl und Mitchell Weiser nach ihren jeweiligen Verletzungen tatsächlich allesamt die ersehnte Rückkehr in die Startelf geschafft, doch die dadurch erneut veränderte Anfangsformation hatte Mühe, den richtigen Rhythmus zu finden. St. Pauli drückte zwar auch nicht unbedingt, zeigte aber ein wesentlich gefälligeres Spiel.

Werder Bremen hat vor der Pause viele Chancen gegen St. Pauli - und kassiert trotzdem den 0:1-Gegentreffer

Nach etwas mehr als 20 Minuten wurden dann aber auch die Gäste griffiger. Und gefährlicher. Marvin Ducksch verzog einen Volleyschuss aus kurzer Distanz (23.), dann setzte Sturmpartner Niclas Füllkrug den Ball bei einer ganz dicken Gelegenheit neben den Kasten (25.). Kurz darauf war wieder Ducksch dran. Der Bremer Führungstreffer lag in der Luft, doch er fiel einfach nicht. Wie schon zuletzt gegen Sandhausen. „Das ist auch der Makel an dem Spiel, dass wir eigentlich in der Phase in Führung gehen müssen, um das Spiel in unsere Richtung zu lenken“, monierte Ole Werner und fügte ebenso präzise wie ernüchternd an: „Dann fällt das 0:1.“ Und zwar ganz kurz vor der Pause. Weil Werder Bremen Räume ließ und plötzlich die Zuordnung nicht mehr stimmte, war Daniel-Kofi Kyereh für den FC St. Pauli zur Stelle (43.). Es regte sich zwar noch leichter Unmut bei den Gästen, weil Milos Veljkovic während der Entstehung des Angriffs einen wichtigen Zweikampf verloren hatte (Werner: „Ich habe das so gesehen, dass das ein Foul ist.“), doch die Entscheidung stand.

Werder Bremen im Glück, weil St. Pauli nach vermeintlichem Foul an Guido Burgstaller keinen Elfmeter bekommt

Und somit waren die Fans des FC St. Pauli wieder etwas versöhnt, denn nur 180 Sekunden zuvor hatten sie mächtig gezürnt, als Guido Burgstaller nach einem Duell mit Mitchell Weiser im Strafraum zu Boden gegangen war, der erwartbare Elfmeterpfiff aber ausblieb. Und die Stimmung besserte sich auch nicht gerade, als kurz nach dem Seitenwechsel die nächste strittige Szene folgte – zumal sie auch noch zum Ausgleich für den SV Werder Bremen führte. Felix Agu hatte sich unter Einsatz der Füße und der Hand einen wichtigen Vorteil verschafft, daraufhin Leonardo Bittencourt bedient, der wiederum punktgenau auf Romano Schmid flankte, was dieser mit einer Kopfballablage auf Niclas Füllkrug dankte. Und der Angreifer tat das, was von ihm in Szenen wie diesen erwartet wird: Er hämmerte den Ball humorlos aus wenigen Metern in die Maschen (58.).

Werder Bremen trifft zum Ausgleich gegen den FC St. Pauli - und verpasst es danach, die Chancen zum Siegtreffer zu nutzen

Auch interessant: Wie sich der SV Werder Bremen und St. Pauli neutralisierten - die Taktik-Analyse!

Eine halbe Stunde vor dem Ende war die Begegnung also wieder völlig offen, das Verteidigen der Tabellenführung trotz eines sich anbahnenden Schalker Sieges wieder in greifbarer Nähe. Zwar musste Jiri Pavlenka fast im Gegenzug gegen Burgstaller parieren (61.), und St. Pauli hatte sich noch in zwei weitere aussichtsreiche, aber letztlich ungenutzte Situationen manövriert (78./79.), doch darüber hinaus waren es die Bremer, die in einer intensiven Schlussphase die Riesenchancen zum Sieg hatten. Binnen weniger Sekunden sogar. Erst war es Marvin Ducksch, der mit einem herrlichen Schlenzer nur die Latte traf, dann verpasste Augenblicke später der eingewechselte Ilia Gruev aus zentraler Position den Siegtreffer für Werder Bremen, als er knapp vorbeischoss (86.). Beide Teams kämpften auch danach leidenschaftlich um den Dreier, allein es fehlte die Torgefahr. Und so auch ein Sieger.

Werder Bremen-Trainer Ole Werner über Topspiel gegen St. Pauli: „Haben ein sehr hochklassiges Zweitligaspiel gesehen“

Schon gelesen? Rückkehr ohne Risiko: Werner geht bei Werders Comeback-Quartett auf Nummer sicher!

„Wir haben ein sehr hochklassiges Zweitligaspiel gesehen, in dem es rauf und runter ging“, erklärte Ole Werner, der trotz der beiden strittigen Szenen weit davon entfernt war, den einen Zähler gegen St. Pauli als glücklich zu bezeichnen. „Auf gar keinen Fall“, unterstrich er mit aller Vehemenz. Und mit seiner Einschätzung war er nicht allein. „Ich muss sagen, dass wir über 90 Minuten die bessere Mannschaft waren“, sagte Marco Friedl, der sich im Spiel einen Nasenbeinbruch zuzog, und fügte an: „Speziell in der ersten Halbzeit hatten wir viele Chancen und deshalb hadere ich mit dem Ergebnis.“ Denn auch wenn es bei Werder Bremen niemand zugibt, die Tabelle schwirrt dann doch in den Köpfen herum. „Heute hätten wir einen guten Schritt in die richtige Richtung machen können“, meinte Friedl. „In den nächsten Wochen warten Nürnberg und Schalke, dort versuchen wir dann das, was heute im letzten Drittel unglücklich war, besser zu machen.“ Im Idealfall muss Ole Werner dann hinterher auch nicht wieder ein 1:1 erklären. (mbü)

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Kommentare