Wird es für Werder Bremen im Kampf um den Klassenerhalt noch mal eng? Felix Agu hat mit der DeichStube über den Saison-Endspurt und andere Themen gesprochen.
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Wird es für Werder Bremen im Kampf um den Klassenerhalt noch mal eng? Felix Agu hat mit der DeichStube über den Saison-Endspurt und andere Themen gesprochen.

Felix Agu im Gesprcäh mit der DeichStube

„Wir wiegen uns nicht in Sicherheit“ - Felix Agu im Interview über den Saison-Endspurt, NBA-Stars und Hip-Hop in der Werder-Kabine

Bremen – Noch ist ein bisschen Schonzeit für Felix Agu. Der 21-Jährige spielt bei Werder Bremen seine erste Bundesliga-Saison, hat in seinen bislang 13 Einsätzen auch schon auf sich aufmerksam gemacht. Doch in der Hierarchie ist er noch der Back-up für die Außenverteidiger Theodor Gebre Selassie und Ludwig Augustinsson – zwei Spieler, die in der kommenden Saison möglicherweise (Augustinsson) oder ziemlich sicher (Gebre Selassie) nicht mehr bei Werder spielen werden. Dann tritt Agu in die erste Reihe.

Und dafür sei er jetzt schon „zu hundert Prozent bereit“, sagt Felix Agu (21) im Interview mit der DeichStube, in dem er zudem über die Nationalmannschaftsoption Nigeria, ein Patenkind in Afrika, die verpasste U21-EM, den Saisonendspurt mit Werder Bremen und sein Faible für Basketball spricht.

Wie gut spielen Sie eigentlich Basketball?

Wie sagt man so schön: Ich spiele es gerne, aber meine Talente liegen dann doch eher beim Fußball (lacht).

Aber an der Spielkonsole sollen sie in der NBA ganz gut sein. Mit welchem NBA-Profi würden Sie gerne mal für eine Woche tauschen?

In den letzten Jahren mochte ich vor allem Russell Westbrook. Aber die Washington Wizards sind ja zurzeit nicht allzu erfolgreich. Dann würde ich im Moment lieber mit Kevin Durant von den Brooklyn Nets tauschen.

Werder Bremen: Felix Agu im DeichStube-Interview über Basketball, die U21-EM und Musik in der Kabine

Was fasziniert Sie an der NBA?

Die NBA ist wie die Champions League im Fußball – und in Amerika ist sowieso alles noch mal viel größer. Dieses ganze Basketball-Business ist schon etwas Besonderes.

Sie beschäftigen sich aber auch mit ganz anderen Dingen. Im Werder-Podcast haben Sie vor ein paar Monaten erzählt, dass Sie gerne ein Patenkind in Afrika adoptieren würden. Was ist daraus geworden?

Ich habe schon ein paar Gespräche geführt. Aber ganz ehrlich: Ich habe das zwar erzählt, wollte das aber gar nicht an die große Glocke hängen.

Es ist allerdings eher ungewöhnlich und deshalb auch sehr interessant, dass sich ein junger Mensch wie Sie schon mit so etwas beschäftigt.

Das weiß ich nicht. Aber wir nehmen als Kinder und Jugendliche in Deutschland so viele Sachen als selbstverständlich an, die in großen Teil der Welt gar nicht selbstverständlich sind – wie zum Beispiel sauberes Wasser oder die Schulbildung. Und ich denke: Wenn man die Möglichkeit hat, diesen Kindern zu helfen, dann sollte man das auch versuchen.

Welche Rolle spielt es dabei, dass Ihr Vater aus Nigeria kommt?

Eine gewisse Rolle schon, weil ich mich ein bisschen nach Afrika hingezogen fühle. Aber auch ohne diesen Hintergrund würde ich es machen.

Wie ist Ihr Kontakt zur Familie in Nigeria?

Meine Oma lebt dort und drei Geschwister meines Vaters. Ab und zu telefonieren wir, und sie besuchen uns auch schon mal. Ich selbst war das letzte Mal in Nigeria, als ich vier Jahre alt war. Ich würde gerne mal wieder hin, aber im Moment ist das wegen Corona nicht so einfach.

Sie könnten trotz Ihrer Einsätze für die deutsche U21 immer noch für Nigeria spielen. Gab es schon Kontakt zum Verband und zum deutschen Nationaltrainer Gernot Rohr?

Ja, den gab es. Aber ich habe mich nach meiner ersten Berufung für eine Nationalmannschaft, also die U21, erst mal für Deutschland entschieden, weil ich in meinem gewohnten Umfeld bleiben wollte. Das hat sich besser angefühlt, aber das war keine Entscheidung gegen Nigeria.

Das alles beherrschende Thema seit einem Jahr ist Corona. Sie haben sich selbst im Herbst infiziert, mussten drei Wochen in Quarantäne verbringen. Spüren Sie noch Nachwirkungen?

Nein, ich fühle mich absolut gesund. Wir haben nach der Quarantäne alles kontrolliert – auch Herz und Lunge. Die Tests waren alle erfolgreich.

Felix Augu vom SV Werder Bremen im DeichStube-Interview: „Ich habe erlebt, dass Corona real ist“

Wie schauen Sie als Betroffener auf das Thema Corona und die Diskussionen um die Vorsichtsmaßnahmen?

Ich habe erlebt, dass Corona real ist. Es gibt immer noch Menschen, die bezweifeln, dass es Corona tatsächlich gibt. Das kann ich nicht nachvollziehen. Es wird sicher das Beste getan, um Menschenleben zu schützen – und das steht im Vordergrund.

Sie und Ihre Teamkollegen haben in der Länderspielpause ein paar Tage mehr frei als sonst. Wie gut tut diese Pause gerade einem jungen Spieler wie Ihnen?

Sehr gut. Wir hatten schon einige englische Wochen und es kommen ja auch noch viele Spiele. Es ist meine erste Saison in der Bundesliga, da muss ich mich immer noch etwas anpassen. Da sind ein paar freie Tage sehr hilfreich – auch für den Kopf.

Wie nutzen Sie denn die Freizeit in diesen besonderen Corona-Zeiten?

Viel kann man leider nicht machen – ein bisschen was mit der Familie. Ich gehe auch schon mal im Bürgerpark spazieren, aber ansonsten bin ich viel in meiner Wohnung.

Wie schauen Sie sich dort die Spiele der U21-EM an – mit Freude oder mit Frust, weil Sie nicht dabei sind?

Natürlich gucke ich und unterstütze dabei die Mannschaft...

...sitzen Sie etwa im Trikot vorm Fernseher?

Nein, nein (lacht), nicht im Trikot. Aber ich drücke den Jungs die Daumen, ich kenne sie fast alle. Natürlich bin ich auch ein bisschen enttäuscht, nicht dabei zu sein.

Waren Sie sehr überrascht, nicht im Kader zu stehen?

Ich hatte mir schon was ausgerechnet, zumal ich zuletzt auch viel in der Bundesliga gespielt habe. Vielleicht lag es daran, dass ich die letzten beiden Lehrgänge verpasst habe. Möglicherweise hat sich Stefan Kuntz gedacht, eher die Spieler mitzunehmen, die sich eingespielt haben.

Hat Ihnen der Trainer das so erklärt?

Nein, wir haben nicht gesprochen. Das ist aber auch kein Problem.

Woran müssen Sie als Außenverteidiger noch arbeiten?

Vor allem am taktischen Verständnis, wenn wir im Kollektiv verteidigen – also wo muss ich stehen, wann steche ich raus, wann bleibe ich lieber zurück? Ich würde mich gerne auch im Aufbauspiel noch verbessern.

Und was haben Sie in Ihren ersten acht Monaten in der Bundesliga schon besonders gelernt?

Schneller Entscheidungen auf dem Platz zu treffen. Du hast als Spieler in der Bundesliga einfach viel weniger Zeit zu reagieren. Du musst im Kopf immer schneller werden. Das war für mich die schwierigste Anpassung.

Sind Sie schon bereit, der Nachfolger von Theodor Gebre Selassie zu werden, wenn er tatsächlich gehen sollte?

Ja, ich fühle mich zu 100 Prozent bereit. Dafür gebe ich Gas, dafür arbeite ich hart an mir.

Hat Sie der „Theo“ schon gut vorbereitet?

Auf jeden Fall. Aber nicht nur „Theo“, sondern auch „Ludde“ (Ludwig Augustinsson, Anm. d. Red.). Wenn mir bestimmte Situationen unklar waren, hatten sie immer ein offenes Ohr für mich. Sie haben mir einige Tipps gegeben.

Wenn Sie auf die aktuelle Bundesliga-Tabelle schauen, was denken Sie dann?

Dass wir jetzt nicht nachlassen dürfen. Wir haben zwar eine gute Ausgangslage für die letzten Spiele, aber wir müssen trotzdem mit 100 Prozent in die nächsten Spiele gehen. Es kommen harte Brocken auf uns zu: Stuttgart, Dortmund, Leipzig. Wir müssen weiter punkten, denn die anderen Mannschaften schlafen auch nicht, die werden auch punkten. Aber sie haben etwas mehr Druck als wir.

Abstiegskampf: Rutscht Werder Bremen doch noch unten rein? Das sagt Felix Agu

Ist das gerade für einen jungen Spieler wie Sie angenehmer, nicht den ganz großen Abstiegsdruck zu verspüren?

Es ist nicht nur für junge Spieler angenehmer, sondern für jeden. Es lässt sich befreiter aufspielen, wenn man den Strich nicht über sich hat und immer daran denkt: Wir müssen gewinnen, wir müssen gewinnen. Das soll aber nicht bedeuten, dass wir uns in Sicherheit wiegen. Wir werden nicht nachlassen.

Ihr Ex-Club VfL Osnabrück steht in der Zweiten Liga aktuell auf dem Relegationsplatz. Wie sehr leiden Sie mit?

Es ist überhaupt nicht schön, zu sehen, dass die ehemaligen Teamkollegen abstiegsgefährdet sind. Aber ich habe die letzten Spiele gesehen. Sie haben sich gesteigert. Deswegen habe ich ein gutes Gefühl, dass der VfL drin bleibt.

Gibt es noch viel Kontakt?

Durchaus. Aber dann geht es weniger um Fußball, sondern mehr um private Dinge.

Zum Schluss möchten wir Sie noch um einen Musik-Tipp bitten: Beim SV Werder Bremen sind Sie der Kabinen-DJ, welches Lied fehlt aktuell nie auf Ihrer Playlist?

Ich bin nicht der einzige DJ bei uns. Jeder hat seinen eigenen Geschmack. Zurzeit läuft bei uns sehr häufig DJ Khaled und Fat Jo mit Sunshine – viel Hip-Hop eben.

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