Felix Magath, ehemaliger Trainer des SV Werder Bremen, hat im „Phrasenmäher“-Podcast kritisch über seine Zeit bei den Grün-Weißen gesprochen.
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Felix Magath, ehemaliger Trainer des SV Werder Bremen, hat im „Phrasenmäher“-Podcast kritisch über seine Zeit bei den Grün-Weißen gesprochen.

Ex-Trainer über Werder-Zeit

Erinnerungen und Kritik an Werder: Felix Magath, gescheitert am Bremer Familiensinn

Bremen – Nur etwas mehr als ein halbes Jahr hielt sich Felix Magath von Oktober 1998 bis Mai 1999 auf dem Trainerstuhl des SV Werder Bremen. Doch obwohl die Zeit nicht lang war, hat der heute 67-Jährige einen Platz in den Annalen des Vereins sicher. Denn kein anderer Trainer vor und nach ihm war so wie Magath.

Im aktuellen „Phrasenmäher“, dem Podcast der „Bild“-Zeitung, spricht der ehemalige Nationalspieler unter anderem über sein gescheitertes Werder-Engagement, über Otto Rehhagel und einen Waldlauf mit Verlusten in Herzlake. Dabei kann sich der Meistertrainer des Vfl Wolfsburg und des FC Bayern eine Spitze gegen den aktuellen SV Werder Bremen nicht verkneifen. Felix Magath über...

...seinen Job bei Werder Bremen:

„Was ich mir hätte sparen können, war Bremen“, sagt Magath im Rückblick auf die wenigen Monate beim SV Werder: „Es war klar, dass ich als HSV-Spieler nicht nach Bremen passe.“ Obwohl er bereits der vierte Coach nach Trainer-Legende Otto Rehhagel war, habe der Club immer noch so funktionieren wollen wie unter der Trainer-Legende. Aber: „Otto Rehhagel war ein ganz anderer Trainer als ich. Er hat eine ganz andere Philosophie gehabt als ich.“ Magath habe das zwar gewusst, doch „ich dachte, jetzt wären die vielleicht bereit“ für einen anderen Weg. „Aber der Verein war nicht bereit, das ist ja im Grunde immer noch so“, meint Felix Magath und schießt damit einen Pfeil aus der Vergangenheit in die Gegenwart. „Die wollen noch familiär, lieb und alle zusammen sein. Ich sage, ich bin ein Profi. Bei mir geht es nur um den Erfolg - egal wie.“ Mit dieser Einstellung habe er „nie nach Bremen gepasst und würde auch heute nicht nach Bremen passen. Ich hätte es wissen müssen, dass ich da nicht zurechtkomme.“

...Werder Bremen-Legende Otto Rehhagel:

„Wenn man den besten Trainer sucht, dann sage ich, das war Otto Rehhagel. Was der an Erfolgen hatte – mit Griechenland Europameister werden –, hätte nie ein anderer fertig gebracht. Das war phänomenal“, erklärt Magath. Auch die Titel mit Werder Bremen und dem 1. FC Kaiserslautern seien bemerkenswert gewesen. Insgesamt steht da für Magath ein Lebenswerk, „das würde auch Otto kein zweites Mal hinkriegen“.

...Ailton:

Als Felix Magath kam, war Ailton schon da. Frisch aus Mexiko geholt, doch der neue Trainer wusste mit dem pummeligen Stürmer nichts anzufangen. Die Mannschaft in Abstiegsgefahr, und Ailton „hat nie verstanden, dass ich, wenn ich neu zur Mannschaft komme, einen Spieler, der nicht weiß, wie defensiv gearbeitet wird, in der ersten Phase nicht gebrauchen kann. Ich muss erstmal die Defensive in den Griff kriegen, sonst nutzt mir die ganze Offensive nichts.“ Also saß Ailton bei Magath draußen, war todunglücklich. Magath: „Das kann ein Spieler nicht verstehen, dass ich da anders rangehen muss, als wenn es läuft.“ Mit Ailtons Fitnessstand habe das nie etwas zu tun gehabt. Obwohl er optisch nicht austrainiert wirkte, habe der Brasilianer „bei den Laufeinheiten nie Probleme gehabt“.

...das Aus bei Werder Bremen:

Bis zum Ende der Hinrunde hatte Felix Magath die Mannschaft stabilisiert. Und auch schon die Zukunft geplant. Dem Präsidium hatte er eine Liste überreicht, auf der die Namen der Spieler standen, die ihm zu alt waren und mit denen der Trainer deshalb in der kommenden Saison nicht mehr arbeiten wollte. Es traf Andreas Herzog, Dieter Eilts, Juri Maximov. Diese Liste landete allerdings auch bei den Spielern selbst. Das sorgte für Unruhe – und dann kam die „Grün-Weiße Nacht“ im Februar 1999. Ein Traditionsevent bei Werder Bremen, der ganze Club feierte – inklusive der Spieler.

Aber Magath ist kein Partyheld, setzte am Morgen danach Training an. Seine Haltung damals wie heute: „Wenn einer gerne feiert und Alkohol trinkt, dann soll er das gerne machen. Er darf aber auch am nächsten Morgen trainieren.“ Eine Woche vor Start der Rückrunde wollte Magath den Trainingsrhythmus nicht unterbrechen – so jedenfalls seine Erklärung für die eigene Sturheit, die Einheit nicht abzusagen. „Die Größe hatte ich nicht. Aber ich habe schon Rechnung getragen, dass am Tag vorher die große Feier war und habe nicht wie üblich um 9.00 Uhr, sondern um 10.00 Uhr trainieren lassen.“ Aus seiner Sicht „ein Riesenentgegenkommen“. Dabei war auf dem Vereinsball „fast jeder Offizielle“ zu ihm gekommen, um ihn zu erweichen, das Training ausfallen zu lassen. „Fast hätten sie mir sogar den Bundeskanzler geschickt.“

In der Rückrunde hat Felix Magath mit Werder Bremen dann kaum noch ein Spiel gewonnen, nur im DFB-Pokal lief‘s, die Mannschaft zog ins Endspiel ein. Die Ereignisse um die Grün-Weiße Nacht hätten zwischen ihm und dem Team letztlich „zum Bruch geführt“, so Magath, der kurz vor Saisonende entlassen wurde. Thomas Schaaf übernahm, verhinderte den Abstieg und gewann das Pokalfinale gegen den FC Bayern. Magath: „Eine große Leistung von Thomas Schaaf. Mit mir hätten wir nicht gewonnen.“

...einen Irrlauf mit Werder Bremen im Wald:

Trainingslager in Herzlake, Magath schickt das Team in den Wald, läuft selbst voran. Andreas Herzog und Lody Roembiak können irgendwann nicht mehr folgen, lassen abreißen und verirren sich. Wie auch Magath mit der Mannschaft im Schlepptau. Er gibt zu: „Ich war im Wald nicht so wegekundig, habe mich leider verlaufen und wusste nicht, wo wir sind.“ Aber er fand samt Team den Weg zurück zum Bus. Herzog und Roembiak nicht. Zur Orientierung hupte der Werder-Bus auf dem Parkplatz, doch just als die beiden Zurückgefallenen aus dem Wald traten, fuhr der Bus ab. Wohl nicht ganz unabsichtlich, wie Felix Magath erzählt: „Wir haben gewartet, aber wenn keiner kommt, was sollen wir da machen? Türen zu und los. Wenn eine Anweisung ausgegeben ist, lasse ich mich auch nicht aufhalten, wenn einer von hinten schreit, da kommt noch einer.“ Also mussten Herzog und Roembiak zu Fuß zurück ins Hotel, worüber Magath heute noch lacht: „Das ist eine der schönen Geschichten, die das Leben so schreibt.“ (csa)
 

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