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Aron Johannsson (l.) und Florian Kainz (2.v.r.) stehen bei Werder meist nur in zweiter Reihe.

Oldenburg-Test als Mutmacher

Florian Kainz und Aron Johannsson: Die Wartenden

Bremen/Rastede - Von Daniel Cottäus und Carsten Sander. Florian Kainz und Aron Johannsson müssen bei Werder Bremen weiterhin vor allem eines aufbringen: Geduld.

So wie am Mittwochabend hatten sich das beide vorgestellt, vor längerer Zeit schon, aber manchmal brauchen die Dinge eben etwas. Werder spielt, und sie spielen auch. Stehen 90 Minuten lang auf dem Platz und klatschen sich hinterher mit den Teamkollegen ab, ausgepumpt, durchgeschwitzt – zufrieden. Mit 6:0 hat Werder am Mittwoch ein Testspiel gegen den Regionalligisten VfB Oldenburg gewonnen – soweit der Rahmen der Geschichte. Die Hauptdarsteller: Aron Johannsson und Florian Kainz.

Der eine, Johannsson, steuerte zwei Tore zum Sieg bei, legte zudem eines auf. Der andere, Kainz, bereitete einen Treffer vor. Gelungene Aktionen in einem Testspiel – im Profifußball sind das Randnotizen, flüchtige Sequenzen, oft schnell vergessen. Nicht so für Johannsson und Kainz. Für beide lieferte der Abend in Rastede dringend benötigte Selbstbestätigung, er war Mutmacher für das, was noch kommt. Noch nie hat einer von beiden in der Bundesliga vom Anpfiff bis zum Abpfiff auf dem Platz gestanden – und es sieht weiter nicht danach aus, als ob das bald der Fall ist.

Das Ganze ist schon etwas seltsam, irgendwie paradox: Da erlebt Florian Kainz die für ihn bisher erfolgreichste Woche, seit er im Sommer nach Bremen gekommen ist, wirkt dabei aber trotzdem nicht so, als würde er sich wie der große Gewinner fühlen. Nachdem der 24-Jährige am Samstag während des Heimspiels gegen RB Leipzig sein erstes Bundesligator erzielt und vier Tage später dann auch gegen Oldenburg überzeugt hatte, stellte er sich am Donnerstag den Fragen der Journalisten. Kainz tat es ruhig, zurückhaltend, ja fast schon ein wenig schüchtern, was schlichtweg an seiner bodenständigen Art gelegen haben könnte. Oder aber daran, dass er seine Rolle bei Werder sehr realistisch einschätzt.

Kainz steht an der Weser in der zweiten Reihe. Zwar nah dran an der ersten Mannschaft, aber eben noch lange nicht drin. Dass er gegen Leipzig getroffen hat, war ein Erfolg. Vielleicht sagt man irgendwann sogar über das Tor, dass es den Knoten bei ihm hat Platzen lassen – für den Moment ändert es an seiner Rolle aber nichts. Das weiß auch der Österreicher genau. „Locker und entspannt bin ich deswegen nicht, denn es geht ja weiter. Ich darf mich jetzt nicht ausruhen.“ Das Tor habe ihm aber natürlich Selbstvertrauen gegeben.

Das Tor gegen Leipzig: Es war das 3:0 in der 90. Minute, aber streng genommen hätte es Sekunden vorher schon ein anderer erzielen müssen: Aron Johannsson. Der Stürmer war ebenso wie Mittelfeldmann Kainz in der Schlussphase eingewechselt worden – und scheiterte frei vor Leipzigs Torhüter Peter Gulacsi. Von dessen Körper sprang der Ball zu Kainz. Zwei Werder-Profis, beide mit dem Ziel, während ihres abermaligen Kurzeinsatzes für etwas Bleibendes zu sorgen. Kainz ist es geglückt. „Für Aron war es nicht so einfach, weil er schon relativ nah am Tormann war“, erklärte der Österreicher. Etwas genereller gesprochen ließe sich sagen: Für Aron ist es bei Werder nicht so einfach.

Alexander Nouri bittet Aron Johannsson um Geduld

Seit Sommer 2015 steht der US-Nationalspieler in Bremen unter Vertrag. Gut gelaufen ist es für ihn bisher nicht. Erst warf ihn eine hartnäckige Verletzung zurück – der 26-Jährige verpasste fast ein komplettes Jahr. Auch seit seiner Genesung will es nicht so richtig klappen. Neun Einsätze hat er in dieser Saison absolviert, dabei ein Tor geschossen – am zweiten Spieltag gegen Augsburg, ein Elfmeter.

Am Mittwoch gegen Oldenburg vergab der frisch gebackene Vater in der ersten Hälfte eine Großchance, war nach dem Wechsel dann doppelt erfolgreich. „Tore im Wettkampf sind durch Training nicht zu ersetzen“, sagte Werders Trainer Alexander Nouri, „das war ein guter Test für Aron.“ Dass der Coach in der Bundesliga deswegen bald mehr auf Johannsson setzt – angesichts seiner Auswahl an Offensivspielern ist das unwahrscheinlich.

Anders als Kainz geht der Angreifer offensiver mit seiner Unzufriedenheit um. Er stänkert nicht, macht aber deutlich klar, dass er bald spielen muss. Dass Johannsson Bremen im Sommer verlässt – so abwegig fühlt sich diese Vorstellung nicht an. Kainz hingegen beteuerte am Donnerstag: „Ich habe im Winter nicht an einen Wechsel gedacht und denke auch jetzt nicht an einen Wechsel.“ Der Austausch mit Coach Nouri sei gut. Er klingt aber eben auch nicht wie eine Einsatzgarantie: „Er hat mir gesagt, dass ich ein bisschen Geduld haben muss.“

Quelle: kreiszeitung.de

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