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Florian Kainz im Werder-Trainingslager im spanischen Algorfa.

Bartels-Ersatz? „Wir sind unterschiedliche Typen“

Kainz - ein Original, keine Kopie

Algorfa - Fester Händedruck, deutliches Hallo – Florian Kainz hat sich schon etwas verändert. Der Österreicher ist eineinhab Jahre nach seinem Wechsel zu Werder viel selbstbewusster geworden.

Gab sich der 25-Jährige früher in Interviews eher zurückhaltend, weicht er jetzt nicht mehr aus, benennt klare Ziele und präsentiert sich auch bemerkenswert selbstkritisch. So wurde es ein interessantes Gespräch, dass die DeichStube mit dem Außenstürmer im Mannschaftshotel von Werder im spanischen Algorfa führte.

Herr Kainz, Sie haben alle Pflichtspiele in der Hinrunde bestritten, waren nie verletzt. Was macht Sie so fit?

Florian Kainz: Das weiß ich gar nicht so genau. Ich bin einfach froh, dass ich wirklich jedes Mal dabei war – ganz anders als in der vergangenen Saison. Da war ich mit der Hinrunde nicht so glücklich. Aber das ist Vergangenheit. Ich habe mich weiterentwickelt.

Fühlen Sie sich jetzt als echter Bundesligaspieler?

Kainz: Auf jeden Fall. Ich habe zwar schon in der vergangenen Rückrunde viel gespielt, aber nur einmal von Anfang an. Da war ich nur der Joker. Mein Ziel war es, das zu ändern. Das ist mir gelungen, ich bin mit meinen Einsatzzeiten zufrieden.

Aber sicher nicht mit der Torausbeute, oder?

Kainz: Natürlich nicht. Ich bin nicht zufrieden, dass ich noch kein Tor in der Liga gemacht habe. Das will ich in der Rückrunde ändern.

Immerhin haben Sie noch beim letzten Spiel im DFB-Pokal gegen Freiburg getroffen. Da sah es so aus, als wollten Sie diesen Ball unbedingt versenken, so vehement haben Sie aufs Tor geschossen.

Kainz: Das stimmt wirklich. Ich habe einfach draufgehalten, dieser Ball musste einfach rein. Das ist mir gerade am Anfang der Saison nicht so gut gelungen. Wenn ich nur an diese große Chance im ersten Spiel in Hoffenheim denke... So ein Ding muss ich künftig reinmachen. Daran arbeite ich.

Kann man Kaltschnäuzigkeit denn trainieren?

Kainz: Das beginnt schon im Training. Auch da will ich immer voll konzentriert sein. Und natürlich analysiere ich, warum es im Spiel nicht geklappt hat. Ich muss mich fokussieren, bis der Ball wirklich im Tor ist.

Sie wirken kraftvoller als noch vor einem Jahr.

Kainz: Unser neuer Trainer Florian Kohfeldt hat ja gesagt, dass er eine topfitte Mannschaft übernommen hat. Beim alten Trainerteam haben wir körperlich sehr viel gearbeitet, wir sind wirklich alle sehr gut drauf. Ich spüre das einfach. Und ich spiele jetzt schon seit einigen Jahren ohne Verletzung durch und fühle mich topfit.

Haben Sie ein Geheimrezept dafür?

Kainz: Ich schaue sehr auf meine Regeneration, gehe ins Kältebecken. Aber das machen eigentlich alle bei uns. Ich bin auch sehr offen für Sachen wie Yoga. Aber das wird ohnehin schon in unsere Übungen vor dem Training eingebaut. Da muss ich eigentlich nicht viel machen.

DeichStuben-Reporter Björn Knips trifft Florian Kainz im Mannschaftshotel im Trainingslager in Algorfa.

Als sich Fin Bartels so schwer verletzt hat, hieß es: Jetzt ist Kainz der neue Bartels.

Kainz: Das haben viele gesagt, aber das stimmt nicht. In den Spielen, als Fin fehlte, habe ich eigentlich für Zlatko Junuzovic gespielt, der auch verletzt war.

Trainer Kohfeldt hat gesagt, dass Sie nicht der neue Bartels sind, sondern Ihre eigene Rolle finden müssen.

Kainz: So sehe ich das auch. Fin und ich sind ganz unterschiedliche Typen.

Inwiefern?

Kainz: Meine größte Stärke war bei meinem Tor gegen Freiburg zu sehen, als ich ins Eins-gegen-eins gehe und dann abschließe. Fin geht mehr in die Tiefe. Da kann ich mir von ihm einiges abschauen. Schade, dass er verletzt ist.

Im Training geht es gerade viel um Spielverlagerung, um Räume auf den Außen zu schaffen. Wie sehr hilft Ihnen das?

Kainz: Ich hoffe sehr. Vor jedem Training haben wir eine Videoanalyse, jeder Spieler weiß, was er zu tun hat. Uns wird gerade die Spielidee des Trainerteams eingeimpft. Viel Video, viel Training, das ist gut.

Haben Sie so einen Crashkurs in einem Trainingslager schon mal erlebt?

Kainz: Nein. Die Vorbereitung ist extrem kurz, in Österreich war sie im Winter immer viel länger. Ich habe gerade erst mit einem Freund von Rapid Wien telefoniert, die spielen erst am 4, Februar wieder.

Ist diese Kopfarbeit mit den vielen taktischen Dingen sehr anstrengend?

Kainz: Ja, schon. Aber jede Vorbereitung ist auf ihre Weise fordernd. Als Spieler versuchst du, alles aufzusaugen und mitzunehmen.

Wie ist Florian Kohfeldt als Trainer?

Kainz: Gut. Von seinem ersten Spiel an in Frankfurt, will er uns seine Idee vom Fußball vermitteln. Wir versuchen natürlich, das anzunehmen. Aber ganz ehrlich: Es ist nicht so einfach, als Spieler in der Öffentlichkeit über den Trainer zu reden.

Verständlich, aber ist es gerade für Sie als Offensivspieler nicht angenehmer, wenn ein Trainer mehr Fußball spielen lassen will als der Vorgänger?

Kainz: Natürlich ist das gut für uns als Mannschaft. Aber das heißt nicht, dass man alles schlecht reden muss, was vorher gewesen ist.

Ihnen wurde oft nachgesagt, dass Sie Ihre Defensivarbeit noch verbessern müssen. Hat das geklappt?

Kainz: Da steckt man als Offensivspieler immer automatisch in einer Schublade. Aber ich glaube auch hier, dass ich mich weiterentwickelt habe.

Noch zählen Sie nicht zu den Führungsspielern.

Kainz: Aber das muss der nächste Schritt sein. Ich muss Verantwortung übernehmen, muss immer präsent sein und zeigen, dass ich den Ball haben will. Und ich muss Scorerpunkte sammeln, um beizutragen, dass wir erfolgreich sind.

Wie groß ist die Angst vor dem Abstieg?

Kainz: Es gibt keine Angst. Wir nehmen die positiven Eindrücke aus den letzten Spielen mit, da waren wir gut und haben gepunktet. Wir gehen optimistisch in die Rückrunde.

Vergisst man in der Sonne Spaniens schon mal, dass Werder auf dem Relegationsplatz steht?

Kainz: Natürlich ist es noch ein weiter Weg für uns bis zum Klassenerhalt. Man darf die Tabelle auch nicht unterschätzen. Wir wissen, dass wir auf Platz 16 stehen, dass wir dringend punkten müssen. Aber wir glauben fest daran, dass wir das schaffen werden.

Florian Kainz im Trainingslager in Algorfa

Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018.
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018. © Gumz
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018.
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018. © Gumz
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018.
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018. © Gumz
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018.
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018. © Gumz
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018.
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018. © Gumz
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018.
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018. © Gumz
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018.
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018. © Gumz
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018.
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018. © Gumz
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018.
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018. © Gumz
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018.
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018. © Gumz
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018.
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018. © Gumz
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018.
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018. © Gumz
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018.
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018. © Gumz
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018.
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018. © Gumz
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018.
Florian Kainz im Werder-Trainingslager in Algorfa 2018. © Gumz

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