Florian Kohfeldt, Cheftrainer des SV Werder Bremen, vermisst das unmittelbare Feedback der Fans aus dem Stadion.
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Florian Kohfeldt, Cheftrainer des SV Werder Bremen, vermisst das unmittelbare Feedback der Fans aus dem Stadion.

Coach Kohfeldt vermisst Fan-Feedback aus dem Stadion

Werder-Trainer Florian Kohfeldt pfeift auf Pfiffe aus der Scheinwelt

Bremen – Früher – mindestens eine gefühlte Ewigkeit liegt das inzwischen zurück –, als im Weserstadion noch Fans auf der Tribüne saßen, wenn der SV Werder Bremen um Punkte kämpfte, da gab es mit dem Schlusspfiff stets eine Art akustisches Zeugnis für Trainer Florian Kohfeldt und seine Mannschaft.

Das Notenspektrum, vergeben von den Rängen, reichte dabei von frenetischem Jubel über anerkennenden Applaus bin hin zu Pfeifkonzerten – je nach zuvor abgelieferter Leistung, klar. Florian Kohfeldt jedenfalls bekam so einen zuverlässigen, weil unverfälschten Eindruck davon, wie es um die Stimmung im Bremer Fan-Lager bestellt ist. „Jetzt ist es leider so, dass das direkte Feedback fehlt“, sagt der Trainer, der in Zeiten von Geisterspielen trotzdem nie auf die Idee kommen würde, das Stimmungsbarometer namens Internet zu befragen.

„Ich bin überhaupt kein Typ, der Kommentare in Foren liest, denn das ist für mich eine anonyme Scheinwelt, die aus meiner Sicht sehr grenzwertig ist“, betont Florian Kohfeldt. Mit Sicherheit keine ungesunde Entscheidung – schließlich sind längst nicht alle Werder- und Kohfeldt-Kommentare im Netz sachlich fundiert, um es vorsichtig auszudrücken. Da während der Corona-Pandemie alle realen Kontakte auf ein Minimum reduziert werden müssen, hat Kohfeldt allerdings ein Problem: Fan-Feedback erreicht ihn derzeit kaum. „Und das vermisse ich sehr“, sagt der Coach des SV Werder Bremen.

Werder Bremen sollte gegen Borussia Dortmund tunlichst mal wieder punkten

Beim Blick auf die Tabelle – Werder ist nach elf Spieltagen mit elf Punkten 13. – weiß aber natürlich auch Kohfeldt, dass die Stimmung der grün-weißen Anhänger von Euphorie gerade meilenweit entfernt ist. Schließlich hatten die Bremer auch im rabenschwarzen Vorjahr zum gleichen Zeitpunkt dieselbe Punktzahl aufgewiesen, um dann sukzessive weiter abzurutschen. Das soll möglichst nicht wieder passieren. Und auch ohne Pfiffe der Fans ist allen bei Werder Bremen klar: Im Heimspiel gegen Borussia Dortmund (Dienstag, 20.30 Uhr, DeichStube-Liveticker) sollte nach drei Niederlagen am Stück tunlichst mal wieder gepunktet werden. Unter Druck sieht Kohfeldt seine Mannschaft deshalb aber nicht.

„Druck ist das falsche Wort“, sagt der 38-Jährige und verweist auf zwei Tatsachen, die ihn generell zuversichtlich stimmen. Erstens: „Die Tabelle ist für mich nicht ganz vergleichbar zu der im Vorjahr. Es gibt noch ein breites Mittelfeld, der Neunte Frankfurt ist nur zwei Punkte weg.“ Und zweitens: Kohfeldt ist mit der grundsätzlichen Leistung seiner Spieler einverstanden. Er glaubt, dass die Fans im Stadion es genauso sehen würden: „Ich sage, sie würden es honorieren, mit welcher Leidenschaft diese Mannschaft spielt.“

Werder Bremen-Trainer Florian Kohfeldt sieht Chancen gegen kriselnden BVB

Klar, in Leipzig habe Werder Bremen verloren, „aber wir waren auch nicht weit von unserer Leistungsgrenze weg. Von dem, was wir beeinflussen können, können wir uns gerade nicht viel vorwerfen“, sagt Kohfeldt, klammert das Herausspielen von Torchancen dabei aber ausdrücklich aus: „Das war nicht gut in den letzten beiden Spielen.“ Oder genauer: Es war ungenügend und hätte ganz sicher Fan-Pfiffe provoziert.

Gegen die Top-Teams – wie auch der nächste Gegner Borussia Dortmund eines ist – hänge insgesamt immer viel davon ab, „dass der Gegner uns etwas anbietet, und das hat Leipzig nicht getan.“ Gegen einen kriselnden BVB sieht Kohfeldt für Werder Bremen nun aber die Chance, „dass die Tür etwas weiter aufgeht“. Fest steht allerdings: Es wird nach dem Schlusspfiff am Dienstagabend – ganz unabhängig vom Ergebnis – einmal mehr sehr leise sein im Weserstadion. (dco)

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