Trainer-Legende Friedhelm Funkel, zuletzt bei Fortuna Düsseldorf, plädiert für einen Neuanfang mit Florian Kohfeldt, sollte Werder Bremen absteigen.
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Trainer-Legende Friedhelm Funkel, zuletzt bei Fortuna Düsseldorf, plädiert für einen Neuanfang mit Florian Kohfeldt, sollte Werder Bremen absteigen.

Ex-Düsseldorf-Trainer über Werder

Funkel im DeichStube-Interview: „Ich sehe Kohfeldt weiterhin positiv“

Bremen/Düsseldorf – Von Hans-Günter Klemm. Bis Januar war Friedhelm Funkel als Trainer für Fortuna Düsseldorf tätig, dann wurde er entlassen. Seinem Ex-Club drückt der 66-Jährige vor dem großen Saisonfinale inklusive Fernduell mit Werder Bremen aber trotzdem die Daumen.

Auch wenn er ziemlich viel für Werder Bremen übrig hat, wie er im Interview mit der DeichStube verrät. Außerdem hat Funkel erklärt, warum er an Werders Stelle auch nach einem Abstieg mit Trainer Florian Kohfeldt weitermachen würde, wie sehr ihn Werders sportlicher Absturz überrascht hat – und warum er froh darüber ist, endlich Rentner zu sein.

Herr Funkel, wem drücken Sie im Fernduell um den Relegationsplatz die Daumen? Fortuna oder Werder?

Welch eine Frage, natürlich meiner Fortuna. Ich schätze die Bremer, diesen sympathischen Club, in dem immer hervorragende Arbeit geleistet worden ist. Früher mit Rehhagel und Lemke, dann mit Allofs und Schaaf, aktuell auch mit Baumann, Bode und Kohfeldt. Doch mir ist das Hemd näher als die Jacke. Ich habe die Düsseldorfer vier Jahre lang trainiert, habe sie vor dem Abstieg in die 3. Liga bewahrt und den Aufstieg in die Erstklassigkeit geschafft. Also zittere ich mit meinem Ex-Club.

Steht im Hintergrund Ihres Daumendrückens auch ein gewisses Eigeninteresse, weil Sie eine Prämie kassieren, falls Fortuna der Klassenerhalt gelingt?

Das ist für mich zweitrangig. In erster Linie zählt, dass mir der Verein und die Fans ans Herz gewachsen sind.

Wie sehen Sie vor dem Finale die Ausgangslage?

Alles spricht eindeutig für die Fortuna. Zwei Punkte und vier Tore besser, ein klarer Vorteil. Düsseldorf hat es in der eigenen Hand, Werder nicht. Dies ist das Plus der Fortuna, doch unmöglich ist es nicht, dass Werder es noch aufholt.

Womit begründen Sie diese These?

Ich erinnere an die vielen kuriosen Ergebnisse, die es gerade am letzten Spieltag noch gegeben hat. Beispielsweise im letzten Jahr: Wolfsburg siegte 8:1 gegen Augsburg und kam so nach Europa. Normal ist so etwas nicht.

Friedhelm Funkel hat Einbruch von Werder Bremen „niemals“ erwartet

Auch Düsseldorf war vor Ihrer Zeit schon einmal von so einem unerwarteten Resultat betroffen.

Richtig, 2013 waren die Düsseldorfer die Leidtragenden. Es gab diese dramatische Wende am 34. Spieltag. Hoffenheim, übrigens mit dem aktuellen Kölner Coach Markus Gisdol, siegte sensationell in Dortmund, Düsseldorf scheiterte in Hannover. Besonders tragisch: Die Fortuna hatte nie auf einem Abstiegsrang gelegen, rutschte erst am letzten Spieltag ins Verderben.

Sie sind im Januar in Düsseldorf entlassen worden. Wie sind Sie mit der Arbeit Ihres Nachfolgers zufrieden, der sich den Spitzennamen „Remis-Rösler“ erworben hat?

Uwe macht gute Arbeit, ohne Frage. Leider hat er in der Tat zu oft unentschieden gespielt. Man muss sich das mal vor Augen halten: nur drei Niederlagen bei zwei Siegen, doch neunmal Remis. Es kam insgesamt zu wenig herum. In den Schlussphasen der Partien haben die Düsseldorfer zu viele Punkte verschenkt. Wie beispielsweise gegen Köln, als sie 2:0 bis zur 88. Minute führten und am Ende nur ein 2:2 holten. Betrachtet man das gezeigte Leistungsvermögen, müsste die Fortuna schon längst gerettet sein.

Hatten Sie mit dem Einbruch gerechnet, den Werder erlitten hat?

Nie, niemals! Damit hat wohl niemand in der Branche gerechnet. Am wenigsten die Bremer selbst, die sich meiner Auffassung völlig zu Recht in den Bereichen gewähnt hatten, die für den Europacup berechtigen. Doch es kam anders. Nur zur Erinnerung: Seit dem 16. Spieltag steht die Mannschaft bereits auf einem Abstiegsplatz.

Welche Erinnerung haben Sie an den Vergleich mit Werder, als Sie noch auf der Trainerbank saßen?

Wir haben 0:1 verloren, ein klarer Fehler unseres Torwarts Kastenmeier, der das Spielgeschehen auf den Kopf gestellt hat. Wir waren eindeutig stärker, hätten gewinnen müssen. Die Bremer haben diesen Erfolg zu Beginn der Rückrunde wohl überbewertet, dachten, es sei der Startschuss zu einer Aufholjagd.

Friedhelm Funkel ist und bleibt im Ruhestand: Ein Anruf von Werder Bremen im Fall der Fälle wäre „zwecklos“.

Werder Bremen: Friedhelm Funkel hält Florian Kohfeldt weiter für „herausragenden Trainer“

Warum hat die nicht stattgefunden?

Die Elf ist in eine Abwärtsspirale gerutscht. Im Vergleich zu Mannschaften wie Köln oder Mainz, wie Augsburg oder auch Düsseldorf tut sie sich schwer im Abstiegskampf. Sie ist einfach dafür nicht gemacht und zusammengestellt. Sie ist eindeutig im Nachteil gegenüber der Konkurrenz. Man muss sich nur die Zahlen anschauen. Eine desaströse Bilanz: nur sechs Punkte zu Hause, nur neun Tore, damit hat man normalerweise keine Chance auf den Verbleib.

Was sind die Gründe für das verkorkste Jahr?

Mir fallen zwei Aspekte ein: Einmal das riesige Verletzungspech, zudem der Abgang von Max Kruse. Sein Fehlen ist unterschätzt worden. Max war eine dominante Figur, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Er war prägend, auch als Kontrapunkt zum Trainer. Und ein Garant für erfolgreiche Abschlüsse – als Vorbereiter und Vollstrecker. Dabei muss ich betonen, dass Werder keine Schuld bei dieser Personalie trifft. Er wollte weg, Werder hatte keine Chance, ihn zu halten.

Welchen Anteil hat Ihr Kollege Florian Kohfeldt am Niedergang?

Ich halte Florian weiterhin für einen herausragenden Trainer, der alles versucht hat, den Absturz zu vermeiden. Nach der Niederlage in Mainz habe ich ihn erstmals so erlebt, dass er Spuren von Resignation zeigte. Er ist noch ein junger Trainer, unerfahren in solchen Situationen. Ich bin gespannt, ob und wie er kurzfristig diese Enttäuschung verarbeitet. Wie er es wieder hinbekommt im Hinblick auf das Spiel gegen Köln.

Sie waren über drei Jahrzehnte im Geschäft als Trainer, sind viermal abgestiegen. Welchen Rat können Sie ihrem Kollegen geben?

Bei mir war es damals etwas anders. Mein Verein Uerdingen galt von vornherein als Abstiegskandidat, wir mussten lange Phasen der Erfolgslosigkeit überstehen. Das zehrt natürlich an den Nerven, es treten viele Nebengeräusche auf, niemand ist gefeit davor, unausgeglichen zu werden. Bei Florian trat der Niedergang seiner Mannschaft unerwartet und plötzlich ein. So ähnlich wie unlängst auch bei Domenico Tedesco auf Schalke. Die jungen Kollegen müssen das schnell verdauen und verarbeiten, ihre Lehren daraus ziehen, dann können sie es schaffen, gestärkt aus dieser Situation herauszukommen. Meine Auffassung: Ein Abstieg ist keine Schande, doch man muss die Kraft haben, wieder aufzustehen.

Werder Bremen: Sofortiger Wiederaufstieg „alternativlos“, sagt Friedhelm Funkel

Ihre persönliche Bilanz ist in dieser Hinsicht im Plus: Vier Abstiegen stehen sechs Aufstiege gegenüber. Sollte Werder runter müssen, was raten Sie dem Club als Aufstiegsexperte?

Es ist mehr als eine Floskel: sofort den Wiederaufstieg! Für einen Verein wie Bremen ist dieser alternativlos. Stuttgart hat es geschafft, der Hamburger SV nicht. Es droht, dass der HSV wieder scheitert. Es wird ganz schwer, nach zwei, drei oder vier Jahren in der 2. Liga wieder hoch zu kommen. Doch eins ist auch klar: Auch für einen so renommierten Absteiger, wie es Werder wäre, gibt es keine Garantie für den unmittelbaren Wiederaufstieg.

Sollte es so kommen, was müsste der Plan sein? Ein neuer Versuch mit Kohfeldt?

Warum nicht? Ich plädiere für diese Lösung. Ich sehe Florian weiterhin positiv. Wenn Florian dafür bereit ist, würde ich es ihm zutrauen. So lief es damals mit mir in Uerdingen. Ich bin aufgestiegen, dann abgestiegen und schließlich sofort wieder aufgestiegen.

Zu den Endspielen um den Abstieg: Die Hassliebe zwischen Düsseldorf und Köln ist bundesweit bekannt. Spielt das eine Rolle beim Bremer Gegner „Effzeh“?

Der Kölner wünscht dem Düsseldorfer nichts Gutes und umgekehrt, sicherlich. Doch ich glaube, dass diese Rivalität bei dem Spiel am Samstag nicht zum Tragen kommt. Markus Gisdol und Horst Heldt werden die Kölner Mannschaft entsprechend einstellen. Ich glaube nicht, dass es einen Werder-Sieg in Höhe von 4:0 oder 5:0 geben wird.

Nach der Beurlaubung in Düsseldorf haben Sie das Ende Ihrer Trainerkarriere verkündet. Bleibt es dabei? Werder kann sich also einen Anruf bei Ihnen ersparen, sollte es eine Trainersuche geben?

Ja, der Anruf von Werder ist zwecklos. Ich werde keinen Job als Trainer oder Sportdirektor oder Manager mehr übernehmen. Wenn ich noch mal etwas machen sollte, dann in beratender oder repräsentativer Funktion. Mit 15 habe ich als Lehrling angefangen, nach fünf Jahrzehnten im Profifußball denke ich, dass es mein Recht ist, nun weniger zu arbeiten. Ich will Urlaub machen, wann ich möchte, ich möchte nicht mehr jedes Wochenende unterwegs und eingespannt sein. Ich will mein Leben als Rentner genießen.

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