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Florian Kohfeldt ist schon ein Jahr Cheftrainer der Werder-Profimannschaft.

Kohfeldt spürt, dass er sich verändert hat

„Ich gehe nicht mehr einfach so durch die Stadt“

Bremen - Genau vor einem Jahr ist Florian Kohfeldt Cheftrainer des SV Werder geworden. Er kannte zwar das Geschäft schon ein bisschen als Co-Trainer von Viktor Skripnik, doch da bekam er nur ein paar Strahlen dieses Rampenlichts der Bundesliga-Show ab.

Nun steht er viel mehr in der Öffentlichkeit - und das hat Auswirkungen, wie der 36-Jährige selbst einräumt. „Natürlich habe ich mich verändert, weil sich die Wahrnehmung meiner Person verändert hat“, erzählt Kohfeldt: „Ich gehe jetzt nicht mehr einfach so durch die Stadt. Und wer sich dann nicht verändert, der lügt sich selbst in die Tasche.“

Ein Werder-Coach wird natürlich sofort in Bremen erkannt, um Autogramme und Selfies gebeten. Kohfeldt hat damit grundsätzlich kein Problem, er erfüllt diese Wünsche. „Aber natürlich mache ich mir mehr Gedanken als früher, wohin ich gehe und mit wem ich Kontakt pflege. Das empfinde ich nicht als unangenehm, das ist eine Anpassung an die Realität.“

Kohfeldt: „Dieses Kribbeln hat sich kein Stück verändert“

Diese Veränderung gesteht er sich zu, mehr aber auch nicht: „Ich hoffe, dass ich mich in einigen Kernpunkten, die ich von mir selber erwarte, nicht verändert habe: Höflichkeit, Respekt.“ Genauso wenig würde er es hinnehmen, nicht mehr so hart zu arbeiten. Kohfeldt gilt als sehr akribisch, der alles genau plant, sein Tag ist ziemlich durchgetaktet. „Es würde für mich nichts Schlimmeres geben, als wenn ein Spieler das Gefühl hätte, ich sei nicht vorbereitet oder hätte keinen Plan. Ich sehe als meine Pflicht gegenüber den Spielern an, immer bestmöglich vorbereitet auf den Platz zu gehen.“

Natürlich würde irgendwann eine gewisse Routine einsetzen – wie in jedem anderen Beruf auch. „Aber wir haben das große Glück, dass es eine echte Routine eigentlich nie gibt, weil wir am Wochenende ins Stadion gehen dürfen. Dieses Kribbeln hat sich vom ersten Tag bis heute kein Stück verändert. Ich hoffe, es wird sich auch nie verändern. Denn das ist das schönste Gefühl überhaupt.“ Kohfeldts Augen leuchten, er strahlt. Der Spaß am Job ist nicht zu übersehen.

Es läuft ja auch bestens für ihn. Der 36-Jährige, der einst im Tor der dritten Werder-Mannschaft gestanden und sich vom Jugendtrainer bis in die Bundesliga hoch gearbeitet hat, lässt die Bremer wieder von Europa träumen. Dabei hatten sie vor einem Jahr noch Angst vor dem Abstieg. Die Kohfeldt-Tabelle, die saisonübergreifend seine 33 Spiele beinhaltet, zeigt Werder auf Platz drei hinter Bayern und Dortmund. „Die ist in Ordnung, aber die hilft uns nicht. Die ist nicht relevant“, betont Kohfeldt.

Ihm ist diese besondere Aufmerksamkeit für seinen Jahrestag eher unangenehm, weil eigentlich erst nach Saisonende Bilanz gezogen werden könne. „Dass jetzt ein Jahr rum ist, das hat nicht so eine große Bedeutung für mich. Ich hoffe doch, es kommen auf jeden Fall noch ein, zwei Jahre dazu.“ Sein Vertrag läuft bis 2021 – und er hat stets betont, dass er ihn erfüllen wird, wenn es Werder zulässt.

Florian Kohfeldt: Seine Karriere in Bildern

Florian Kohfeldt spielte von 2001 bis 2009 in Werders dritter Mannschaft, wechselte dann ins Trainerfach. Als Co-Trainer von Viktor Skripnik war er vier Jahre lang bei der U17 tätig, in der Saison 2013/14 dann auch bei Werders U23.
Florian Kohfeldt spielte von 2001 bis 2009 in Werders dritter Mannschaft, wechselte dann ins Trainerfach. Als Co-Trainer von Viktor Skripnik war er vier Jahre lang bei der U17 tätig, in der Saison 2013/14 dann auch bei Werders U23. © gumzmedia
Viktor Skripnik, Florian Kohfeldt und Torsten Frings
Im Oktober 2014 wurde Skripnik nach der Entlassung Robin Dutts Cheftrainer bei den Profis. Seine Co-Trainer bei der U23, Kohfeldt und Torsten Frings, folgten ihm in die Bundesliga. © Gumz
In 70 Pflichtspielen der Profis saß Kohfeldt auf der Werder-Bank.
In 70 Pflichtspielen der Profis saß Kohfeldt auf der Werder-Bank. © gumzmedia
Nachdem Skripnik im September 2016 gehen musste und U23-Trainer Alexander Nouri seinen Posten übernahm, kehrte Kohfeldt zu Werders U23 zurück. 
Nachdem Skripnik im September 2016 gehen musste und U23-Trainer Alexander Nouri seinen Posten übernahm, kehrte Kohfeldt zu Werders U23 zurück.  © gumzmedia
Florian Kohfeldt
Seit Oktober 2016 ist er dort als Trainer tätig und schaffte in der Saison 2016/17 den Klassenerhalt. © Gumz
Nach der Entlassung von Alexander Nouri am 30. Oktober 2017 übernahm Fußballlehrer Kohfeldt die Bundesliga-Mannschaft interimsweise als Cheftrainer.
Nach der Entlassung von Alexander Nouri am 30. Oktober 2017 übernahm Fußballlehrer Kohfeldt die Bundesliga-Mannschaft interimsweise als Cheftrainer. © gumzmedia
Florian Kohfeldt
Kohfeldt genießt bei Werder eine sehr hohe Wertschätzung. „Er kann Spieler weiterentwickeln. Er hat eine klare Ansprache. Er ist ein intelligenter, junger, innovativer Trainer“, lobte Sportchef Frank Baumann nach Kohfeldts Beförderung. © Gumz
Florian Kohfeldt
Zwar setzte Kohfeldt in seinem ersten Erstliga-Spiel als Cheftrainer mit Werder neue Impulse, das Spiel gegen Eintracht Frankfurt ging durch ein spätes Gegentor trotzdem mit 1:2 verloren. © Gumz
Doch unter Kohfeldt ging es aufwärts. Am 10. November meldete Werder Vollzug: Kohfeldt bleibt Cheftrainer - zunächst bis zur Winterpause.
Doch unter Kohfeldt ging es aufwärts. Am 10. November meldete Werder Vollzug: Kohfeldt bleibt Cheftrainer - zunächst bis zur Winterpause. © gumzmedia
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt hatte Erfolg, wurde fest als Cheftrainer installiert und führte Werder aus der Abstiegszone in der Bundesliga. © Gumz
Florian Kohfeldt
Anfang April 2018 unterschrieb Kohfeldt einen Vertrag bei Werder bis 2021. © Gumz
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt blieb in der Saison 2017/2018 in allen zwölf Heimspielen als Cheftrainer ungeschlagen. © Gumz
Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt hat Werder eine neue Handschrift und Mentalität verpasst. Mit ihm soll es nun wieder dauerhaft aufwärts gehen. © Gumz
Der DFB verleiht Florian Kohfeldt den „Trainerpreis des deutschen Fußballs 2018“. Der „Trainer des Jahres 2018“ begeistert nicht nur an der Weser.
Der DFB verleiht Florian Kohfeldt den „Trainerpreis des deutschen Fußballs 2018“. Der „Trainer des Jahres 2018“ begeistert nicht nur an der Weser. © imago images/Jan Huebner
Der Chef bleibt an Bord - Ende Juli hat Florian Kohfeldt seinen Vertrag bei Werder Bremen vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2023 verlängert. 
Der Chef bleibt an Bord - Ende Juli 2019 hat Florian Kohfeldt seinen Vertrag bei Werder Bremen vorzeitig um zwei weitere Jahre bis 2023 verlängert.  © gumzmedia

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