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Werder-Coach Florian Kohfeldt.

Werder-Trainer über seine Rolle, Erholung an Weihnachten, seine Pläne mit Sargent und Transfers im Winter

Kohfeldt im Interview: „Bin mir der Verantwortung bewusst"

Bremen - Die Arbeit mit der Mannschaft hat er für dieses Jahr erledigt – Weihnachtspause war für Werders Trainer Florian Kohfeldt am Freitag deswegen aber noch nicht.

Der 35-Jährige nahm sich kurz vor dem Fest Zeit, um im Gespräch mit der DeichStube auf die vergangenen Wochen zurückzuschauen, die für ihn sehr ereignisreich waren. Abstiegskampf in der Bundesliga, Ernennung zum Cheftrainer, plötzlich Person des öffentlichen Lebens. Kohfeldt richtete den Blick aber auch nach vorne. Er sprach über die kurze Vorbereitungszeit im Winter, seine Pläne mit US-Talent Josh Sargent – und verriet, was er mit der Mannschaft direkt nach dem Jahreswechsel vorhat.

Herr Kohfeldt, Weihnachten steht vor der Tür, Zeit für Wünsche. Wo hätten Sie für die Rückrunde gerne Verstärkungen für Ihren Kader?

Kohfeldt: (lacht) Wir suchen nicht aktiv in dem Sinne, dass wir sagen ,Wir müssen unbedingt etwas machen’. Aber wir halten natürlich die Augen auf und beobachten den Markt. Mein Vertrauen in den Kader ist aber auch so schon groß. Es ist nicht zwangsläufig, dass wir etwas machen.

Mainz hat Anthony Ujah verpflichtet, Stuttgart Mario Gomez – die Konkurrenz im Tabellenkeller rüstet auf. Wie nehmen Sie das wahr?

Kohfeldt: Daraus kann man klar ablesen, dass das Finanzvolumen bei den anderen Vereinen, die mit uns konkurrieren, sehr hoch ist. Das muss man im Konkurrenzkampf berücksichtigen. Aber wenn die Verantwortlichen in Mainz und Stuttgart die Möglichkeit haben, diese Spieler zu verpflichten und der Meinung sind, dass sie passen, dann ist das natürlich ihr gutes Recht. Wir müssen uns dann dieser veränderten Situation stellen.

Werder bekommt im Winter auch einen neuen Stürmer: US-Talent Josh Sargent. In seiner Heimat wurde er zum besten Nachwuchsspieler des Jahres gewählt. Wie sind Ihre Pläne mit ihm?

Kohfeldt: Wir haben uns getroffen, als Josh neulich in Bremen war. Wie seine Entwicklung bei Werder vorangehen soll, ist mit ihm klar besprochen. Es war eine hervorragende Leistung von der Scouting-Abteilung, dass wir diesen Spieler bekommen haben. Er ist ein großes Talent. Die Betonung liegt aber auf Talent. Ich erwarte nicht von ihm, dass er im nächsten halben Jahr fünf Bundesliga-Tore schießt. Er soll sich zunächst an die neue Kultur und die neuen Trainingsumfänge gewöhnen. Dann sind wir sehr, sehr sicher, dass er zu einem festen Bestandteil des Bundesliga-Kaders wird. Der ursprüngliche Plan bleibt aber bestehen. Josh wird bei der U 23 beginnen und punktuell am Profitraining teilnehmen. Richtung Sommer wird er dann fest dazugehören.

Florian Kohfeldt: Seine Karriere in Bildern

Viktor Skripnik und Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt spielte von 2001 bis 2009 in Werders dritter Mannschaft, wechselte dann ins Trainerfach. Als Co-Trainer von Viktor Skripnik war er vier Jahre lang bei der U17 tätig, in der Saison 2013/14 dann auch bei Werders U23. © nordphoto
Viktor Skripnik, Florian Kohfeldt und Torsten Frings
Im Oktober 2014 wurde Skripnik nach der Entlassung Robin Dutts Cheftrainer bei den Profis. Seine Co-Trainer bei der U23, Kohfeldt und Torsten Frings, folgten ihm in die Bundesliga. © Gumz
Florian Kohfeldt und Viktor Skripnik
In 70 Pflichtspielen der Profis saß Kohfeldt auf der Werder-Bank. © nordphoto
Florian Kohfeldt
Nachdem Skripnik im September 2016 gehen musste und U23-Trainer Alexander Nouri seinen Posten übernahm, kehrte Kohfeldt zu Werders U23 zurück.  © nordphoto
Florian Kohfeldt
Seit Oktober 2016 ist er dort als Trainer tätig und schaffte in der Saison 2016/17 den Klassenerhalt. © Gumz
Alexander Nouri und Florian Kohfeldt
Nach der Entlassung von Alexander Nouri (l.) am 30. Oktober 2017 übernimmt Fußballlehrer Kohfeldt die Bundesliga-Mannschaft erneut - diese Mal interimsweise als Cheftrainer. Sein Assistent wurde Tim Borowski. © nordphoto
Florian Kohfeldt
Kohfeldt genießt bei Werder eine sehr hohe Wertschätzung. „Er kann Spieler weiterentwickeln. Er hat eine klare Ansprache. Er ist ein intelligenter, junger, innovativer Trainer“, lobte Sportchef Frank Baumann nach Kohfeldts Beförderung. © Gumz
Florian Kohfeldt
Zwar setzte Kohfeldt in seinem ersten Erstliga-Spiel als Cheftrainer mit Werder neue Impulse, das Spiel gegen Eintracht Frankfurt ging durch ein spätes Gegentor trotzdem mit 1:2 verloren. © Gumz
Florian Kohfeldt
Am 10. November meldete Werder Vollzug: Kohfeldt bleibt Cheftrainer - zumindest bis zur Winterpause. © nordphoto

Richtung Sommer – auch bei Ihnen ist seit ein paar Tagen klar, dass Sie mindestens bis dahin Trainer bleiben. Inwiefern ändert sich Ihre tägliche Arbeit durch dieses Wissen?

Kohfeldt: Der größte Unterschied ist, dass die Planung jetzt weiter geht als nur von Woche zu Woche. Das halte ich auch für sinnvoll. Sonst verharrt man irgendwann in diesem Denken.

Wenn man so möchte, sind Sie schon jetzt in die Vereinsgeschichte eingegangen, weil die Mitteilung von Werder, dass Sie Cheftrainer bleiben, versehentlich einen Tag zu früh erschienen ist. Hat Sie das geärgert?

Florian Kohfeldt: Also abgesprochen war es so auf jeden Fall nicht (lacht). Es war nicht gut, das weiß bei uns auch jeder. Wir haben aber darüber gesprochen, und ich will da auch gar nicht mehr so sehr drauf zurückblicken. Schön wäre es, wenn man sich irgendwann nicht mehr an die Verkündung erinnert, sondern an die Dinge, die in der Amtszeit passiert sind.

Seit wann wissen Sie, dass Sie auch nach der Winterpause weitermachen dürfen?

Kohfeldt: Wir haben es erst nach dem Mainz-Spiel (Endstand 2:2, Anm. d. Red.) final besprochen. Vorher war es noch nicht klar. Wir haben überlegt, ob es Sinn macht, die Entscheidung vor dem Pokalspiel gegen Freiburg öffentlich zu machen. Durch das späte Gegentor ist das Mainz-Spiel mit einer Art Schockstarre geendet. Da wollten wir nochmal eine positive Nachricht verkünden.

Die ersten acht Spiele und damit die ersten Eindrücke als Profitrainer liegen hinter Ihnen. War es so, wie Sie es sich vorgestellt hatten?

Kohfeldt: Es ist schön, es macht Spaß. Es ist aber auch fordernd. Mir ist vollkommen bewusst, welche Verantwortung ich da habe. Ich versuche, nicht naiv an die Aufgabe heranzugehen. Der Job gibt mir die Möglichkeit, auf höchstem Niveau mit Spielern mit sehr viel Talent zu arbeiten. Ich spüre dabei sehr viel Vertrauen im Verein. Gerade von Frank (Sportchef Baumann, Anm. d. Red.), der mir wirklich eine sehr große Unterstützung ist. Dazu habe ich ein gutes Team um mich herum. Damit meine ich insbesondere Thomas und Boro (die beiden Bremer Co-Trainer Thomas Horsch und Tim Borowski, Anm. d. Red.), aber auch unsere Analysten, unseren Teammanager, die Zeugwarte, Physiotherapeuten. Da könnte ich jetzt eigentlich alle nennen. Ich habe das Gefühl, dass wir uns schon ganz gut zusammengefunden haben.

Bei all der Aufregung, den Ihr Posten mit sich bringt, bei all dem Scheinwerferlicht, in dem Sie stehen – freuen Sie sich darauf, an Weihnachten mal nicht an Fußball denken zu müssen?

Kohfeldt: Gar nicht darüber nachdenken, ist nicht möglich. Aber grundsätzlich freue ich mich schon, mal ein bisschen Ruhe und Zeit mit der Familie zu haben. Mal nicht aktiv an etwas zu arbeiten, sondern mal die Gedanken schweifen zu lassen. Das wird mir gut tun. Ich werde alles etwas ruhiger angehen lassen, um dann am 1. Januar wieder mit voller Energie in die Vorbereitung zu starten.

Die ist in dieser Saison sehr kurz, gerade einmal zwei Wochen stehen Ihnen zur Verfügung. Was ist in dieser Zeit für einen Trainer überhaupt möglich?

Kohfeldt: Es ist schon eine sehr spezielle Vorbereitung, das ist völlig klar. Letztendlich reden wir sogar nur von einer Woche Zeit, weil dann ja schon wieder die Woche vor dem ersten Rückrundenspiel gegen Hoffenheim beginnt. Dementsprechend werden wir unsere Schwerpunkte im mannschaftstaktischen Bereich setzen.

Was bedeutet das?

Kohfeldt: Es wird zum einen ums Positionsspiel in der Offensive gehen. Wo haben wir unsere Stationen, wenn wir geordnet den Ball haben? Wo sind die Räume, in die wir wollen? Da ist es sehr wichtig, dass wir in Spanien, in der Sonne sind. Wir haben so besser die Möglichkeit, Übungen anzuhalten, kleine Veränderungen vorzunehmen, was in Bremen bei den Außentemperaturen nicht so angenehm gewesen wäre. Der zweite Schwerpunkt wird auf dem Verhalten nach Ballverlusten liegen. Wie wollen wir das organisieren? Kurz vor dem Hoffenheim-Spiel geht es in Bremen dann ums offensive Umschalten.

Sehen Sie die Arbeit in der Winterpause als eine Art letzten Feinschliff, um mit der Mannschaft den Fußball zu spielen, der Ihnen vorschwebt, oder ist dafür noch mehr Zeit nötig?

Kohfeldt: Ich glaube, dass man mit der Arbeit nie endgültig fertig ist. So etwas gibt es nicht. Ich war sehr, sehr positiv überrascht, und das ist ein großes Kompliment an die Mannschaft, wie schnell die Spieler Dinge umsetzen können. Das gibt mir ein sehr gutes Gefühl. Klar ist aber auch, dass eine Woche keine richtige Vorbereitung ist. Danach zu sagen ,Das ist jetzt unsere Idee’, wäre vermessen. Ich erhoffe mir aber schon, dass uns diese Woche in Spanien die Zeit und die Ruhe gibt, gewisse Dinge ergebnisunabhängig zu trainieren.

Ist es ein Vorteil, dass vom Schwung der letzten Wochen durch die kurze Winterpause weniger verloren geht?

Kohfeldt: Auf jeden Fall ist es so, dass das positive Erlebnis aus dem Freiburg-Spiel (Werder zog durch ein 3:2 ins Viertelfinale des DFB-Pokals ein, Anm. d. Red.) bis zum Hoffenheim-Spiel anhalten wird. Es ist zwar nicht so, dass wir uns jeden Tag sagen: ,War das schön!’ Aber die positive Grundtendenz nehmen wir schon mit. Ich sehe darin aber auch eine Gefahr.

Inwiefern?

Kohfeldt: Wir müssen uns bewusst machen, dass wir in einer extrem gefährlichen Situation sind und dürfen uns keinerlei Zufriedenheit erlauben. Wir müssen weiter hart arbeiten. Das würde ich aber auch sagen, wenn wir jetzt Vierter wären, weil es für mich eine Grundeinstellung ist. Immer wieder diese Gier zu haben, sich weiter zu verbessern. Deshalb ist die kurze Winterpause für mich weder ein Vor- noch ein Nachteil. Es ist wenig Zeit. Deswegen ist der Druck hoch, weil die Einheiten, die da sind, auch funktionieren müssen. Wir als Trainerteam müssen sie sehr gut vorbereiten. Ich erwarte von der Mannschaft aber auch, dass sie fokussiert arbeitet.

Das neue Jahr geht für Ihre Mannschaft mit schweren Spielen los: Erst kommt Hoffenheim, dann geht es nach München. Wie groß ist die Gefahr eines Fehlstarts?

Kohfeldt: Es sind sehr anspruchsvolle Gegner. Mir fällt aber kein guter Grund ein, warum wir zu Hause gegen Hoffenheim nicht die Chance haben sollen, zu gewinnen. Sollte es so kommen, dass man diese Spiele verliert, dann hängt viel davon ab, wie wir gespielt haben. Natürlich ist es möglich, die Spiele zu verlieren, aber das darf uns von unserem Weg nicht abbringen.

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