Florian Kohfeldt bleibt nach der DFB-Pokal-Pleite gegen RB Leipzig vorerst Trainer bei Werder Bremen - doch seine Zukunft ist ungewiss.
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Florian Kohfeldt bleibt nach der DFB-Pokal-Pleite gegen RB Leipzig vorerst Trainer bei Werder Bremen - doch seine Zukunft ist ungewiss.

Trennung nach dieser Saison?

Kommentar: Kohfeldts Chance auf einen ehrenvollen Abschied beim SV Werder Bremen

Ein Kommentar von Carsten Sander. Das Schlimmste ist allen Beteiligten erspart geblieben. Florian Kohfeldt musste am Freitagabend nicht den via Live-Bild in Millionen Wohnzimmer übertragenen Trainertod sterben. Die Mannschaft hat ihn mittels ihrer engagierten Leistung nicht der befürchteten und von der Clubführung für den Fall der Fälle in Kauf genommenen Demütigung ausgeliefert, als im Grunde schon entlassener Chefcoach an der Seitenlinie stehen zu müssen. Und Frank Baumann kam noch einmal umhin, seinen Freund und Vertrauten tatsächlich vor die Tür setzen zu müssen.

Die Erleichterung darüber war dem Sportchef des SV Werder Bremen in den Minuten nach dem großen, aber letztlich vergeblichen Pokalkampf der Mannschaft gegen RB Leipzig deutlich anzumerken. Trotz des verpassten Finals, trotz des dramatisch-bitteren Last-Minute-Gegentores in der Verlängerung wirkte der 45-Jährige nur mäßig geknickt. Eher schon gelöst, weil er zu sehen bekommen hatte, was er zur Pflicht gemacht hatte: ein Team, das nicht nur um jeden Ball kämpft, sondern auch um den Verbleib des Trainers. Weil die Werder-Verantwortlichen genau dies zur Bewährungsauflage für Kohfeldt gemacht hatten, war es nur konsequent, den Trainer unmittelbar nach dem Schlusspfiff und ohne weiteres Drumherumreden auf seinem Posten zu bestätigen. Aber ist folgerichtig auch richtig?

Florian Kohfeldt hat mit Werder Bremen in der Liga sieben Spiele in Folge verloren

Es sollte unter dem Eindruck dieses einen Spiels nicht vergessen werden, dass Florian Kohfeldt immer noch der Trainer ist, unter dem die Mannschaft in der Liga sieben Spiele in Folge verloren hat. Und dass Kohfeldt immer noch der Trainer ist, der in diesen Spielen trotz sich steigernder Abstiegsnot kein Aufbäumen seiner Spieler erwirken konnte. Es mussten schon die Holzhammermethode der Clubspitze und der Geist eines Pokal-Halbfinales sein, in dem Werder nichts zu verlieren, sondern nur etwas zu gewinnen hatte, die die Profis zu einer deutlichen Steigerung antrieben – jedenfalls im Bereich Kampf und Leidenschaft. Fußballerisch wird es in dieser Saison sowieso nicht mehr besser werden bei Werder Bremen.

Was das für die restlichen drei Spiele bedeutet? Der Samstag wird die Antwort liefern. Dann stehen die Bremer gegen Bayer Leverkusen wieder vor einer ganz anderen Situation, müssen auch mit dem totalen Existenzdruck im Nacken ihr Leipzig-Gesicht zeigen. Und danach noch gegen den FC Augsburg und gegen Borussia Mönchengladbach. Das werden echte Schicksalsspiele.

Werder Bremen: Florian Kohfeldt hat in den letzten Tagen massiv Schaden genommen

Am Ende dieser drei Partien soll der Klassenerhalt stehen. Das ist Kohfeldts großes Ziel. Vielleicht auch sein letztes mit Werder Bremen. Denn so viel ist klar: Der Trainer hat massiv Schaden genommen in den letzten Tagen. Dass die Vereinsoberen ihm nach dreieinhalb Jahren gemeinsamer und viel gelobter Zusammenarbeit ein Spiel auf Bewährung verpassten, hinterlässt Kratzer auf der bis dahin so gerne polierten Oberfläche des Miteinanders. Das einstmals so tiefe Vertrauen ist flacher geworden, und Florian Kohfeldt weiß jetzt, dass die Zündschnur nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch bei Werder selbst dramatisch kurz geworden ist. Bliebe er über die Saison hinaus, würde es sicher nicht mehr sieben Niederlagen in Folge dauern, ehe der Club den Coach wieder in ein „Job-Endspiel“ schickt.

Dass das vor dem Hintergrund von zwei Spielzeiten am Abgrund keine solide Perspektive für eine dauerhafte Fortsetzung der Zusammenarbeit ist, versteht sich von selbst. Weshalb das Spiel gegen RB Leipzig auch so gesehen werden sollte: Es hat Kohfeldt die Chance gelassen, sich mit dem Klassenerhalt und damit einigermaßen ehrenvoll von Werder Bremen verabschieden zu können.

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